Persönliche Ausrüstung Mehr ältere Berufstätige: Auch die Kleidung anpassen

Die demografische Entwicklung in Deutschland ist inzwischen gut sichtbar: Immer mehr Beschäftigte steuern ein Alter jenseits von 45 Jahren an. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die persönliche Ausrüstung für die Arbeit.

Sabine Anton-Katzenbach

Hosen mit hoch gearbeitetem Bund schützen die Nieren und bieten – nicht nur älteren – Beschäftigten ein hohes Maß an Komfort. - © Foto: Pionier Berufskleidung

Komfort, Ergonomie und Bequemlichkeit werden wichtiger. Die Anbieter von Berufs- und Schutzkleidung haben sich auf die Bedürfnisse einer ergrauenden Handwerkerschaft eingestellt – mit Sortimenten, die verschiedene Ansätze verfolgen. Wirft man einen Blick in die neusten Berufskleidungkollektionen, könnte man glauben, dass die Arbeitswelt den Jungen gehört. Hosen in Cargo-Stil, Fleece- und Softshell-Jacken, Westen und Kapuzenshirts in aktuellen Farb- und Materialwelten bestimmen das Bild einer modischen Arbeitswelt.

Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Denn aufgrund jahrelang rückläufiger Geburtenziffern (und höherer Lebenserwartung) ist das Durchschnittsalter im deutschsprachigen Raum deutlich gestiegen. In Deutschland beträgt es 45,7 Jahre (Stand 2013), in Österreich 41,8 und in der Schweiz 41,4 Jahre (Stand 2010). Ein größerer Teil der arbeitenden Bevölkerung zählt also zu einer Zielgruppe, für die eine komfortable Berufskleidung und schützende Funktionen mehr zählen als ein cooles Outfit für den Job.

Flexibilität an der richtigen Stelle

Dem Wunsch nach einer entsprechenden Berufskleidung werden die Hersteller auf sehr unterschiedliche Weise gerecht. Zu einer der beliebteren, aber etwas teureren Methode, die Bewegungsfreiheit im Arbeitsalltag zu erhöhen, gehört die Verarbeitung von weichen Stretch-Materialien. Durch Beimengungen von elastischen Fasern (EOL) erhalten die Gewebe eine höhere Dehnfähigkeit, die sich vor allem bei Streck- und Bückbewegungen positiv bemerkbar macht.

Dasselbe gilt für flexible Strickeinsätze an strategischen Stellen, mit denen Latzhosen oder auch Arbeitsjacken ausgestattet werden. Sie erlauben einen hohen Bewegungsspielraum und engen bei der Arbeit nicht ein. Denselben Effekt erzeugt auch ein elastischer Hosenbund, der durch eine rückenfreundliche Verstellmöglichkeit die Bedienung zusätzlich erleichtert.

Die Anpassung des Größensortiments dient ebenfalls der Komfortverbesserung von Berufskleidung. Für diesen Schritt sprechen vor allem zwei Gründe. Der Bequemlichkeit wegen entscheiden sich ältere Beschäftigte bei der Wahl ihrer Arbeitsgarderobe häufiger für eine Nummer über ihrer tatsächlichen Konfektionsgröße.

Zum anderen nimmt der Körperumfang mit steigendem Alter zu, weshalb mehr große Größen erforderlich werden. Verschiedene Hersteller haben darauf reagiert und ihre Sortimente entsprechend erweitert. Eine hohe Tragefreundlichkeit wird auch durch vorgeformte Knie und Armbeugen erreicht. Sie berücksichtigen den beim Anwinkeln benötigten „textilen“ Spielraum und beugen dem von gerade geschnittenen Jacken und Hosen bekannten Einengungen vor. Bei Berufskleidung für Ältere, die einen Teil ihrer Arbeit im Knien verbringen, sind außerdem Taschen für Kniepolster Pflicht. Ein extra hoch gearbeiteter Bund schützt zudem die Nierengegend und hält sie warm.

Perfekte Passform erleichtert die Arbeit

Trotz der generationengerechten Kollektionsentwicklungen bleibt aber der eigene Geschmack noch immer das wichtigste Entscheidungskriterium für oder gegen eine bestimmte Berufskleidung. Er ist durch persönliche Maßstäbe, Traditionen sowie das berufliche und regionale Umfeld geprägt.

Unifarbige, klassische Linien in schwereren Gewichtsklassen haben daher dieselbe Berechtigung wie zweifarbige Sortimente aus modernen, funktionalen Materialien. Bei Schutzkleidung gelten allerdings andere Rahmenbedingungen, denn Normen und Tragekomfort haben höchste Priorität. Erst wenn diese erfüllt sind, kann über gestalterische Finessen entschieden werden.

Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ältere Beschäftigte andere Anforderungen an Berufskleidung stellen als ihre jungen Kollegen. Ergonomische Kriterien und komfortable Schnitte rücken stärker in den Vordergrund. Zwar gibt es zahlreiche Linien für die Handwerksgeneration jenseits der 50. Grundsätzlich ist eine Segmentierung nach Jahrgängen jedoch wenig hilfreich. Denn Berufs- und Schutzkleidung sollte jedem Beschäftigten dabei helfen, im Arbeitsprozess älter zu werden – und zwar unabhängig von dessen Eintritt in das Berufsleben.