Zahntechnisches Labor im eigenen Haus Privat ein Ehepaar, beruflich Geschäftspartner

Im zahntechnischen Labor Zimara in Frankfurt am Main werden in detailreicher Kleinstarbeit Zahnersatz und Knirschschienen hergestellt. Dabei verbinden die beiden Zahntechniker ihren Beruf und ihr Privatleben. Wie sie es schaffen, ihren Alltag so zu organisieren, dass es auch privat nicht knirscht.

Um die Schiene perfekt an den Patienten anzupassen, muss diese immer wieder ausgebessert und überprüft werden.
Um die Schiene perfekt an den Patienten anzupassen, muss diese immer wieder ausgebessert und überprüft werden. - © Marlene Langer

Das dreistöckige Haus mit der großen braunen Eingangstür liegt im Norden von Frankfurt am Main. Durch die vielen Bäume im Vorgarten liegt es im Schatten und wirkt dunkel. Es ist unscheinbar und erscheint auf den ersten Blick wie ein normales Mehrfamilienhaus. Doch ein blau-weißes Schild im Vorgarten verrät, dass sich in diesem Haus eine Zahnarztpraxis und das zahntechnische Labor Zimara befinden. Ganz in Weiß gekleidet, öffnet Joachim Zimara die Labortür. Er ist seit 24 Jahren Zahntechnikermeister und arbeitet hier gemeinsam mit seiner Frau Barbara.

Die längste Zeit verbringen sie im Laborraum. Hier finden die meisten Arbeiten statt. Überall befinden sich Materialien, Werkzeuge und Maschinen. Was auf den Laien erschlagend wirkt, ist für Joachim Zimara und seine Frau Barbara Zimara Alltag. Hier wird handwerklich gearbeitet, jeder hat seinen eigenen Arbeitsplatz mit eigenen Werkzeugen und Materialien. So kommt man sich nicht in die Quere.

Trennung von Beruf und Privatleben: Als Familie die Vorteile nutzen

Das Ehepaar Zimara arbeitet seit 2001 im gemeinsamen Labor. Für viele Menschen ist die Vorstellung, mit dem Partner zusammenzuarbeiten, keine gute. Trotzdem schaffen es die beiden, erfolgreich zusammenzuarbeiten und Beruf und Privatleben zu meistern. Doch wie ist das möglich?

Die beiden Zahntechniker haben sich auf verschiedene Bereiche spezialisiert. Joachim konzentriert sich vor allem auf die Hilfsmittel, die der Patient nicht fest eingesetzt bekommt wie etwa Schienen. Barbara kümmert sich um den festsitzenden Zahnersatz. Obwohl die Aufgabenbereiche nicht strikt voneinander getrennt sind, arbeiten die beiden eigenständig, um sich nicht gegenseitig zu beeinträchtigen. "Natürlich fragen wir uns gegenseitig mal nach Rat, wenn wir eine zweite Meinung brauchen", erklärt Barbara und schaut lächelnd zu Joachim. "Wir kennen uns ja beide gut aus."

Außerdem ermöglicht die Arbeit im gemeinsamen, eigenen Labor Flexibilität. Als die beiden Kinder des Paars noch klein waren, wurde die Arbeit flexibel an die Bedürfnisse angepasst. War ein Kind krank, hat sich einer tagsüber um dieses gekümmert und ist dann abends ins Labor gegangen, wenn der andere vom Labor nachhause kam, erzählt Barbara. Auch spontane Erledigungen, wie das Abholen eines Kindes, waren kein Problem. Gemeinsam meistern sie Beruf und Privatleben mit Kindern.

Präzision für strahlende Zähne: So arbeiten die beiden Zahntechniker

Ein Spezialgebiet des Zahntechnikermeisters ist die Herstellung von Knirschschienen. Er erklärt, dass der Mensch nachts im Mund unglaublich aktiv ist und dabei viele Muskeln im Kiefer, aber auch im Nacken und Kopf beansprucht. Um diese Bewegungen, die die Zähne schädigen und abnutzen können, zu verhindern, werden Knirschschienen angefertigt. Diese individuell angepassten Schienen schaffen eine Lücke zwischen den Zähnen, wobei der Eckzahn gezielt belastet wird. Als ehemaliger Reißzahn ist er der stabilste Zahn mit den stärksten Wurzeln und kann so die Spannungen gut ableiten.

Frisch vom Zahnarzt erhalten die Zahntechniker die Abdrücke der Patienten und erstellen einen Gipsabdruck, um mit diesem die gewünschten Produkte herzustellen.
Frisch vom Zahnarzt erhalten die Zahntechniker die Abdrücke der Patienten und erstellen einen Gipsabdruck, um mit diesem die gewünschten Produkte herzustellen. - © Marlene Langer

Auch sogenannte Bleachingschienen fertigen sie an. Diese dienen dazu, Zähne aufzuhellen, indem man ein Gel in die Schiene füllt und diese dann trägt. Barbara erzählt, dass sie kein großer Fan dieser Schienen ist. Das ätzende Gel greift die Zähne und den Zahnschmelz stark an. Dennoch wünschen sich viele Patienten hellere Zähne, um die starken Verfärbungen vom Kaffeetrinken und Rauchen zu kaschieren. "Also immer fleißig Zähne putzen, dann braucht man das nicht", sagt sie schmunzelnd und schleift die Bleachingschiene weiter in Form.

Das präzise Schleifen und Polieren der Schienen sind entscheidende Arbeitsschritte und können viel Zeit in Anspruch nehmen. Joachim erklärt, dass Objekte im Mund siebenmal intensiver wahrgenommen werden, als sie eigentlich sind. Ein einzelnes Haar im Mund spürt man so deutlich, dass man es nicht ignorieren kann. Dasselbe gilt für Schienen und andere Produkte, die im Mund sind: "Kanten mag die Zunge überhaupt nicht", erklärt Joachim. Sobald etwas nicht stimmig ist, kommt der Mund nicht zur Ruhe. Deshalb sind das perfekte Schleifen und Polieren von großer Bedeutung.

Das Labor Zimara stellt nicht nur Schienen, sondern auch Zahnersatz her. Hierbei ist die farbliche Anpassung der künstlichen Zähne an die natürlichen Zähne entscheidend, da man selbst minimale Unterschiede vom menschlichen Auge sofort erkennen kann: "Die Kunst unseres Handwerks ist es, dass man nicht sehen soll, was wir gemacht haben", erklärt Joachim.

Die Herstellung von Dentalprodukten ist eine komplexe Abfolge von Arbeitsschritten, bei der sorgfältiges Arbeiten aller Beteiligten von größter Bedeutung ist. Dennoch können Fehler, beispielsweise bei der Erstellung des benötigten Gebiss-Abdrucks, auftreten und sich durch alle Fertigungsschritte ziehen, was zu fehlerhaften Ergebnissen führen kann. "Am unangenehmsten ist es, wenn der Patient noch einmal kommen muss, um den Abdruck neu machen zu lassen", sagt Barbara. "Davor hat man vor allem am Anfang Angst und ist besonders vorsichtig".

Digitale Zahntechnik verändert die Branche

Mit dem 3D-Drucker können Hilfsmittel wie dieser Abdrucknehmer innerhalb von einer Stunde präzise hergestellt werden.
Mit dem 3D-Drucker können Hilfsmittel wie dieser Abdrucknehmer innerhalb von einer Stunde präzise hergestellt werden. - © Marlene Langer

Bereits seit 2001 setzen die Zimaras auf digitale Technologien. Ein Blick in ihr Labor genügt, um zu sehen, dass die Zeiten des rein analogen Handwerkens längst vorbei sind. Weiter digitalisiert haben sie sich Anfang 2023, als sie sich einen 3D-Drucker anschafften, der viele Arbeiten erleichtern und übernehmen kann.

Mit der zunehmenden Digitalisierung erfordert der Beruf des Zahntechnikers neben dem klassischen Wissen auch umfangreiches Fachwissen in anderen Bereichen. Die Bedienung von Programmen zur digitalen Bearbeitung von Abdrücken und zur Auftragserteilung erfordert Erfahrung. Joachim ist versiert in der Anwendung dieser Programme und gibt am Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main Kurse für Zahntechniker, die sich ebenfalls mit digitalen Arbeitsmethoden vertraut machen möchten.

Auch wenn Barbara die Vorteile der Digitalisierung sieht, ist sie nicht immer begeistert: "Es ist nicht mehr das, was man mal gelernt hat", sagt sie. "Die Dinge, die ich an dem Beruf so spannend finde, fallen nach und nach weg." Wie in vielen Handwerksberufen hat sich die Branche in den vergangenen Jahren stark gewandelt und tut dies auch weiterhin. Trotzdem haben die beiden nach wie vor viel Freude an ihrem Beruf und genießen die gemeinsame Zeit im Labor. Die Liebe zum Detail und die Leidenschaft für strahlende Zähne motivieren sie weiterhin. In ihrem kleinen Labor haben sie ihre Ruhe und können sich ganz ihrer Handwerkskunst widmen. So helfen sie vielen Menschen, die sich vorher nicht mehr getraut haben, den Mund aufzumachen, zu einem schönen Lächeln und einem gestärkten Selbstbewusstsein.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.