Mit 22 Jahren im Bundestag Bernschneider ist der jüngste Abgeordnete

In Debatten im Politikunterricht vertrat Florian Bernschneider als Schüler liberale Interessen vor seinen Klassenkameraden. Wenige Jahre später nimmt er es nun mit einem älteren Publikum auf: Der 22 Jahre alte Niedersachse aus Braunschweig hat es am 27. September geschafft, als jüngster Abgeordneter in den Bundestag einzuziehen.

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Bernschneider ist der jüngste Abgeordnete

Angst vor heißen Diskussionen mit seinen älteren Mitstreitern hat der Jungpolitiker nicht, sondern freut sich bereits jetzt, "frische Ideen" in den Bundestag zu bringen. Für Bernschneider steht fest: "Gute Politik ist nicht vom Alter abhängig."

Obwohl er sich für die junge Generation besonders verantwortlich fühlt, will er sich nicht darauf reduzieren lassen, das "Sprachrohr der Jungen" zu sein. "In erster Linie vertrete ich hier die Interessen aller Braunschweiger", hebt er hervor. Dass er fast zwei Wochen nach der Wahl noch kein eigenes Büro im Bundestag hat, stört ihn nicht. "Jeder neue Abgeordnete hat einen Erfahrenen als Paten bekommen, der ihm während der ersten Wochen mit Tipps zur Seite stehen soll", erzählt Bernschneider. Sein Pate, der ihm für den Übergang Unterschlupf in seinem Büro gewährt hat, ist sein niedersächsischer Kollege Patrick Döring aus Hannover.

Erst nach der Konstituierung des neuen Bundestags Ende Oktober wird Bernschneider in ein Büro mit eigenen Mitarbeitern einziehen und erfahren, welchem Themenbereich er zugeordnet ist. "Bei den Koalitionsverhandlungen müssen erstmal die Weichen gestellt werden und dann wird entschieden, wer welches Thema betreut", sagt Bernschneider. Obwohl er sich besonders für die Bereiche Bildung, Jugendpolitik und im Bereich Bürgerechte für das Internet interessiert, ist er für andere Themen offen: "Ich werde mich nicht für ein spezielles Thema aufdrängen."

Mit dieser Offenheit sei er auch in der Vergangenheit gut klargekommen, sagt er. Den Weg in die Politik fand Bernschneider im Alter von 14 Jahren, als er auf Rat seines Politiklehrers bei den Jungen Liberalen vorbeischaute und mit 16 FDP-Mitglied wurde. Politik nennt er in diesem Zusammenhang gern sein "Hobby". Ein "Exot" sei er aufgrund seines frühen Politikinteresses nicht, auch sei er nicht durch die Familie politisch vorgeprägt worden: "Ich habe mein Elternhaus letztlich für die FDP begeistert und nicht andersherum."

Und das Interesse bei Familie und Freunden an seiner neuen Tätigkeit ist besonders groß. "Meine Eltern lassen gerade keinen Artikel über mich aus", sagt er. Seine Mutter habe es sich noch nicht einmal nehmen lassen, bis spät in die Nacht für einen Fernsehbeitrag wach zu bleiben, in dem er nur 30 Sekunden zu sehen gewesen sei. "Meine Freunde hätten am liebsten, wenn ich jeden Einzelnen von ihnen abends anrufen und genau erzählen würde, wen ich gesehen und wem ich die Hand geschüttelt habe", sagt er.

Statt zahlreiche Anrufe zu tätigen, twittert er lieber fleißig und hält so auch Kontakt zu seinen Wählern. Er sagt: "Es wäre fatal, wenn man das nur im Wahlkampf machen würde und es dann wieder einschlafen ließe." Und das nicht zuletzt, weil über die Neuen Medien gerade die junge Generation gut erreicht werden könne.

Trotz aller Begeisterung und Aufregung, die ihn seit dem späten Wahlabend noch immer fest im Griff hat, will Bernschneider sich nicht auf eine Karriere als Berufspolitiker festlegen. Um sich seine Unabhängigkeit zu bewahren, will er Mitte kommenden Jahres sein 2007 begonnenes duales Studium in der Betriebswirtschaftslehre abschließen. Und auch ein kompletter Umzug nach Berlin kommt für ihn nicht in Frage: "Braunschweig, meine Freundin, Familie und Freunde sind mir viel zu wichtig, als dass ich hier wegziehen wollte."

Yasmin Schulten/ddp