Deutschland und Frankreich haben sich offenbar mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Finanzbranche auf eine Privatsektorbeteiligung beim neuen Rettungspaket für Griechenland geeinigt.
Bericht: EZB gibt grünes Licht für Privatsektorbeteiligung
Brüssel (dapd). Deutschland und Frankreich haben sich offenbar mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Finanzbranche auf eine Privatsektorbeteiligung beim neuen Rettungspaket für Griechenland geeinigt. Nach übereinstimmenden Medienberichten sieht der Kompromiss vor, dass Banken und Fonds ihre Staatsanleihen in neue Papiere mit 30 Jahren Laufzeit und niedrigem Zins umtauschen, und die neuen Papiere von den Euroländern abgesichert werden.
Auch die EZB sei nun bereit, eine Beteiligung privater Gläubiger unter bestimmten Bedingungen zu akzeptieren, schreibt die Zeitung "Die Welt" in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf Finanzkreise. Die EZB könne dieser Vereinbarung zustimmen, weil die neuen Bonds eine Garantie erhalten sollten, womit sie faktisch sicherer seien als die alten, derzeit noch laufenden griechischen Staatsanleihen. Die Herabstufung Griechenlands auf einen Bankrott dürfte sich durch dieses Vorgehen auf einen Tag begrenzen lassen, schreibt die Zeitung.
Auch das "Wall Street Journal" meldete in seiner Online-Ausgabe, alles laufe auf einen Anleihen-Umtausch mit Garantien der Eurostaaten hinaus. Die von Frankreich ins Spiel gebrachte Bankenabgabe für das neue Griechenland-Paket wäre damit vom Tisch. Insgesamt braucht Athen für die kommenden zwei Jahre bis zu 120 Milliarden Euro zusätzliche Hilfe. Nach Angaben des österreichischen Kanzlers Werner Faymann wurde am Donnerstag noch an den Formulierungen des Vorschlags gefeilt. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso sagte: "Ich bin sicher, dass wir heute eine gute Lösung finden, für Griechenland und für die Euro-Mitgliedsstaaten."
Laut "Die Welt" soll den Kreditinstituten die Wahl zwischen zwei Modellen für den Anleihentausch gegeben werden: Modell 1 entspräche weitgehend einer Art Versicherungslösung, wie sie Allianz-Vorstand Paul Achleitner vorgeschlagen habe. Sie sehe vor, dass bei einem Zahlungsausfall der neuen Anleihen die ersten 10 Prozent an Verlusten von den privaten Investoren getragen würden, die nächsten 40 Prozent übernähmen die EU-Staaten, die restlichen 50 Prozent sollen wieder auf die Kappe der privaten Gläubiger gehen.
Option 2 entspreche in weiten Teilen dem französischen Modell mit einer Absicherung über erstklassige Null-Coupon-Anleihen. Die Laufzeit der neuen Anleihen läge bei 30 Jahren. In beiden Fällen soll die Entlastung Athens 20 Prozent des Anleihevolumens erreichen. Griechenlands Banken müssten dann vermutlich nicht rekapitalisiert werden.
dapd
