Weihnachtsgeschichte Bergmännische Krippe: Die frohe Botschaft im Bergmannskleid

Die Bergmännische Krippe in der Annaberger Marienkirche stellt die biblische Weihnachtsgeschichte im Kontext der Bergbautradition im Erzgebirge dar.

Biblische und bergmännische Krippenmotive
Biblische und bergmännische Krippenmotive: Josef und Maria mit dem Jesuskind sowie ein Annaberger Bergmeister, ein Schneeberger Obersteiger und der Freiberger Oberberghauptmann (v. l.). - © Stadt Annaberg-Buchholz/BUR-Werbeagentur

Alles kommt vom Bergwerk her. Keine andere Region identifiziert sich so stark mit diesem Credo wie das Erz­gebirge. Die Sehnsucht der Bergleute nach dem Licht scheint in der Ad­vents- und Weihnachtszeit noch immer aus allen Fenstern, obwohl das einstige Berggeschrey längst verklungen ist. Und der tiefe Glaube der Knappen lebt im Kunsthandwerk weiter. Die Bergmännische Krippe in Annaberg-Buchholz legt Zeugnis davon ab – ein Meisterwerk erzgebirgischer Holzbildhauerkunst.

Das Ensemble in der kleinen Bergmannskirche St. Marien hebt sich nicht allein durch die Vielzahl der dargestellten Szenen von klassischen Anbetungskrippen ab. Die 35 Holz­figuren ver­setzen die Geschichte von Jesus Ge­burt in das vom Erzbergbau geprägte Annaberg. Der Bergzimmermann Josef hält schützend seinen Arm um die stillende Maria. Die Heiligen Drei Könige kommen nicht aus dem Morgenland, sondern als hochrangige Bergbeamte aus den umliegenden Revieren.

Zugleich reckt der an seinem Amboss sitzende Bergschmied ein silbernes Kruzifix in die Höhe. Geburt und Tod unter einem Dach – in der Bergmännischen Krippe schließt sich der Kreis des Lebens. "Weihnachten will von Ostern her verstanden werden. Sonst bleibt es ein beschauliches Fest voller Emotionen und un­reflektierter Tradition", meint Holzbildhauermeister Friedhelm Schelter, der die Szenen von der heiligen Familie und dem Bergschmied entworfen hat.

Vier Holzbildhauer und ihr Langzeitprojekt

Schelter ist einer von vier Holzbildhauern, die im Laufe von 15 Jahren die Bergmännische Krippe gegen anfänglichen Widerstand auferstehen ließen. Neben ihm steuerten Jesko Lange aus Zschorlau, Robby Schubert aus Lößnitz und Ronny Tschierske aus Frohnau Skulpturen zum Gesamtwerk bei. Alle vier gehören der Künstlergruppe Expon­art an. Damit sich eine harmonische Ästhetik ergab, übernahm der Kunstmaler Günter Kreher aus Wiesa die Farbgebung für alle Figuren.

Die Szenerie der Bergmännischen Krippe entführt die Betrachter in das Annaberg des 19. Jahrhunderts als die Blütezeit des Silberabbaus längst vorbei war, aber eine wohlhabende Berg­stadt hinterlassen hatte. Da werden die Einwohner von der Geburt Christi überrascht. Schnell spricht sich die frohe Botschaft herum. Die Krippe­figuren, die alle Schichten der Bürgerschaft repräsentieren, treten in den Dialog.

Der Rufer, ein gerade aus der Dunkelheit des Schachtes entstiegener Bergmann, verbreitet die Nachricht. Posamentierer- und Klöppelmeisterin staunen. Die Bäckers­familie strömt mit einem Christstollen eilig zur Krippe. Der Bauer überbringt die Neuigkeit dem Fleischermeister und dem Schuster. Kneipenwirt und Hausierer, Schutzmann und Bettlerin, Nachwächter und Ratsherren, Pfarrer, Schulmeister und Kinder. Sie alle lassen die biblische Geschichte von Jesus Christus Geburt im bergmännischen Kontext aufleben.

Holzbildhauer aus dem Erzgebirge
Vier Holzbildhauer – ein Großprojekt: Robby Schubert, Ronny Tschierske, Friedhelm Schelter und Jesko Lange (v. l.) haben die bis zu 1,2 Meter großen Figuren für die Bergmännische Krippe und den Annaberger Krippenweg geschaffen. In diesem Jahr entstand ein Wandermusiker. - © Detlev Müller

Die Bergmännische Krippe geht auf eine Idee des 2021 verstorbenen Holzbildhauermeisters und Annaberger Stadtrats Dietmar Lang zurück. "Er war ein Visionär mit der notwendigen Energie, um ein solches Mammutprojekt erfolgreich voranzutreiben", er­­innert Ronny Tschierske an seinen Mentor, in dessen Werkstatt er nach der Lehrzeit in Ober­ammergau seine erste Stelle fand. Bedenkenträger meldeten sich am Anfang schnell zu Wort. "Das wird nie etwas, rausgeschmissenes Geld", zitiert Tschierske damalige Kritiker. 

Bergmännische Krippe als Touristenmagnet

Heute sind die Kritiker verstummt. Die Botschaft von der Bergmännischen Krippe lockt nicht nur in der Weihnachtszeit Gäste aus nah und fern nach Annaberg-Buchholz. Die kleine Marienkirche am Marktplatz, in der einst die Bergleute vor der Schicht um Gottes Segen baten, zählt im Advent ähnlich viele Besucher wie die imposante St. Annenkirche, das weithin sichtbare Wahrzeichen der Kreisstadt am Fuße des Pöhlberges.

Kein Wunder also, dass nach Ab­schluss der Arbeiten an der Krippe im Jahr 2015 der Ruf laut wurde, das Projekt fortzuführen. Hatten sich an­fänglich nur schwer Sponsoren für das aus Spenden finanzierte Vorhaben gefunden, so hatte sich das mit zunehmender öffentlicher Aufmerksamkeit für die Krippe gewandelt. Also wurde das Projekt zum Anna­berger Krippenweg ausgeweitet, für den neue Figuren in öffentlich zu­gänglichen Gebäuden platziert werden sollen. Die ersten stehen bereits im Erzgebirgsklinikum, im Turm der St. Annenkirche, in der Tourist-Information sowie im Frohnauer Hammer. In der Nachbarschaft des ältesten deutschen Schmiedemuseums liegt die Werkstatt von Ronny Tschierske. Er hat mit der Figur des Hammerhansels einem erzgebirgsweit bekannten Original ein Denkmal gesetzt.

Prozession mit Bergbrüderschaft

Fleischer, Bauer und Schuhmacher
Auch Fleischer, Bauer und Schuhmacher debattieren über die Neuigkeiten in der Stadt. Der Bauer zeigt an, wie groß das Christuskind ist. Alle drei Figuren hat Ronny Tschierske beigesteuert. - © Ulrich Steudel

Nun bekommt das in Holz modellierte Porträt des legendären Museumsführers Johannes Schönherr, der 2007 verstorbenen ist, einen hölzernen Wandermusikanten zur Seite ge­­stellt. Auch für diese Figur wählte Tschierske ein stadtbekanntes Original als Vorlage. Nur dass Jörg Hei­nicke noch quicklebendig mit seinem Schifferklavier bei allerlei An­­lässen für Stimmung sorgt. Am zweiten Advent wurde die neue Figur in der St. Annenkirche vorgestellt und an­schließend von der Bergbrüderschaft in einer evangelischen Prozession durch die Große Kirchgasse hinunter zur Marienkirche getragen. Dort verbleibt sie für ein paar Tage im Kreis der anderen Krippefiguren, ehe sie in den Ortsteil Frohnau weiterwandert, um dem Hammerhansel die frohe Botschaft zu überbringen.

Wohin der Annaberger Krippenweg in Zukunft noch führt, hängt von der Finanzierung ab. Um die Krippe einem noch breiteren Publikum zu­gänglich zu machen, sollen die Figuren nächstes Jahr auf barrierefreie Podeste umziehen. Für sehbeeinträchtigte Besucher ist ein Audioguide geplant, sagt Kristin Baden-Walther vom Kulturzentrum Erzhammer. Bei der Investition kann die Stadt auf das Preisgeld zurückgreifen, das sie in einem Wettbewerb des sächsischen Ministeriums für Regionalentwicklung gewonnen hat.

Derweil stehen die Holzbildhauer bereit, den Krippenweg mit neuen figürlichen Darstellungen zu bereichern. Die Arbeit an dem Langzeitprojekt war für sie selbst eine Bereicherung und Inspiration in ihrem künstlerischen Schaffen. "Ich bin dankbar, dabei sein zu dürfen", sagt Holzbildhauermeister Jesko Lange und verweist auf das freundschaftliche Verhältnis unter den Beteiligten.