Saison-Kurzarbeitergeld Schlechtwetterzeit: Hilfe fürs Handwerk

Gewerke, die ihre Arbeiten in den Wintermonaten unterbrechen müssen, können das Saison-Kurzarbeitergeld beantragen. Diese Voraussetzungen müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dafür erfüllen.

In der Schlechtwetterzeit sind Arbeitsmangel und saisonale Arbeitsausfälle vorprogrammiert. Damit Arbeitnehmer während dieser Zeit nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden müssen und im Betrieb gehalten werden können, wird in Deutschland das sogenannte Saison-Kurzarbeitergeld (Saison-Kug) gezahlt.

Das Saison-Kurzarbeitergeld ist als Sonderregelung des Kurzarbeitergeldes konzipiert und ersetzt seit der Schlechtwetterperiode 2006/2007 das System der Winterbauförderung. Im Juni 2013 wurde diese Winterbeschäftigungsverordnung zuletzt angepasst und 2016 durch eine Neuerung ergänzt.

Bei der Beantragung gibt es seit 2016 eine Änderung - und davon profitieren die Betriebe. So entfällt ab jetzt grundsätzlich die Pflicht, den Arbeitsausfall zu melden. War dies bisher für Betriebe, die das Saison-Kug beziehen wollten, nur bei witterungsbedingten Ausfällen vorgesehen, so gilt dies nun auch, wenn der Ausfall andere Gründe hat - etwa ein Auftragsmangel oder andere wirtschaftliche Gründe.

Wann beginnt die Schlechtwetterzeit?

Die Schlechtwetterzeit beginnt gemäß Sozialgesetzbuch (§ 101 Abs. 1 SGB III) am 1. Dezember und endet am 31. März. Sie gilt für das Bauhauptgewerbe, die Betriebe des Dachdeckerhandwerks sowie des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus. Für das Gerüstbaugewerbe beginnt die Schlechtwetterzeit bereits am 1. November.

Voraussetzungen für Saison-Kurzarbeitergeld

Arbeitnehmer haben in dieser Zeit Anspruch auf Saison-Kurzarbeitergeld, sofern folgende Punkte erfüllt sind:

  • Der Arbeitgeber muss ein Unternehmen sein, das dem Baugewerbe oder einem Wirtschaftszweig angehört, der von saisonbedingtem Arbeitsausfall betroffen ist.
  • Der Arbeitsausfall muss erheblich sein und entweder wirtschaftlichen Gründen wie etwa Auftragsmangel, witterungsbedingten Gründen wie beispielsweise Frost oder unabwendbaren Ereignissen wie Naturkatastrophen zugrunde liegen. Im Gerüstbauhandwerk gilt, dass Zuschuss-Wintergeld und Saison-Kurzarbeitergeld ausschließlich für witterungsbedingte Arbeitsausfälle gewährt wird.
  • Der Betrieb muss mindestens einen Angestellten aufweisen. Dieser muss in einem gültigen, versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehen und es nach dem Arbeitsausfall weiterführen.
  • War es bislang nötig, dass Arbeitgeber Ausfälle, die nicht durch die Witterung beeinflusst waren, bei der zuständigen Agentur für Arbeit schriftlich mitteilen. So entfällt diese Pflicht seit diesem Jahr. Laut Bundesarbeitsagentur müssen für den Bezug des Saison-Kurzarbeitergeldes (Saison-KuG), egal durch welchen Ausfall verursacht, künftig nur noch die entsprechenden Abrechnungsunterlagen eingereicht werden. Aufzeichnungen, die Gründe für die Arbeitsausfälle belegen, sind jedoch auch weiterhin aufzubewahren.
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Welche Leistungen gibt es in der Schlechtwetterzeit?

Die Leistungen der Agentur für Arbeit beinhalten das Mehraufwand-Wintergeld, das Zuschuss-Wintergeld, das Saison-Kurzarbeitergeld und die Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Arbeitnehmer erhalten die für sie bestimmte Leistung durch ihren Arbeitgeber ausgezahlt.

Arbeitgeber müssen die Leistungen innerhalb einer Ausschlussfrist von drei Monaten bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dort gibt es auch die entsprechenden Vordrucke. Welche Arbeitsagentur der richtiger Ansprechpartner ist, hängt vom Firmensitz ab.

Höhe des Saison-Kurzarbeitergelds

Das Saison-Kurzarbeitergeld beträgt für Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind 67 Prozent und für die übrigen 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohnes. Es wird ab der ersten Ausfallstunde geleistet, sofern nicht noch angesparte Arbeitszeitguthaben aufzulösen sind. Gerüstbauer haben bei ausschließlich witterungsbedingten Arbeitsausfällen die tarifliche Ausgleichsleistung von 150 Ausfallstunden einzubringen. Saison-Kurzarbeitergeld wird hier erst ab der 151. Ausfallstunde gewährt.

Wenn durch Auflösung von Arbeitszeitguthaben Arbeitsausfall vermieden wird, haben Arbeitnehmer Anspruch auf Zuschuss-Wintergeld in Höhe von 2,50 Euro für jede ausgefallene Arbeitsstunde. Im Gerüstbau beträgt das Zuschuss-Wintergeld 1,03 Euro.

Vom 15. Dezember bis Ende Februar wird ein Mehraufwands-Wintergeld in Höhe von 1,00 Euro je geleistete berücksichtigungsfähige Arbeitsstunde gezahlt. Das Mehraufwands-Wintergeld wird im Dezember für maximal 90 Arbeitsstunden, im Januar und Februar für maximal 180 Arbeitsstunden überwiesen.

Diese Leistungen sind sowohl steuer- als auch sozialversicherungsfrei, werden also netto ausgezahlt. Den Arbeitgebern werden die von ihnen alleine zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge für Bezieher von Saison-Kurzarbeitergeld in voller Höhe erstattet (nicht im Gerüstbauerhandwerk). So ist die Saison-Kurzarbeit fast kostenneutral. dhz

Weitere Informationen zum Thema gibt es direkt bei der Bundesagentur für Arbeit unter arbeitsagentur.de >>>

Infos bietet auch das Bundesarbeitsministerium unter bmas.de.>>>

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