Der ehemalige SPD-Chef Kurt Beck setzt mit Mutmaßungen über seinen Sturz die neue Parteiführung unter Druck. Zugleich brachte er heftige Kritik am Umgang in seiner Partei vor.
Beck mutmaßt über seinen Sturz
"Ich weiß nicht, ob mein Rücktritt beabsichtigt war oder nur in Kauf genommen wurde", sagte Beck dem Magazin "Stern" in einem Interview. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident brachte zugleich heftige Kritik am Umgang in seiner Partei vor: "Wir duzen uns, wir nennen uns Genossen, aber wir verhalten uns nicht so." Das müsse "wieder anders werden".
Beck bemängelte, manche Parteifreunde hätten ihm während seiner Amtszeit "Backsteine statt Brot in den Rucksack gepackt". Am Ende habe er eine "unerfüllbare Mission" gehabt. "Aus heutiger Sicht" werde er eher nicht am SPD-Sonderparteitag zur Wahl seines designierten Nachfolgers Franz Müntefering am 18. Oktober in Berlin teilnehmen. Er wolle "nicht für irgendwelche geheuchelten Bilder herhalten", sagte Beck zur Begründung.
Schröder: Intrige ist Quatsch
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wies derweil den Verdacht von sich, er habe zum Rücktritt Becks beigetragen. "Intrige? Das ist Quatsch", sagte Schröder der "Zeit". Erst am 10. September, also drei Tage nach dem Rücktritt Becks, habe er mit dem "Spiegel" über die Vorgänge in der SPD gesprochen. "Zu dem Zeitpunkt war die Messe am Schwielowsee bereits gelesen", betonte Schröder. Am Rücktrittstag selbst habe er zusammen mit seiner Frau Doris die Ereignisse am Fernsehen verfolgt. "Und wir wussten nicht, was los ist", sagte Schröder weiter.
In seinem Buch "Ein Sozialdemokrat" schreibt Beck, über die "Kandidatenfrage" sei vor der offiziellen Verkündung in Einzelheiten berichtet worden, "die neben Beteiligten auch auf Gerhard Schröder verwiesen". In der "Zeit" sagte Schröder dazu, Beck habe ihm am 10. September einen Brief geschrieben. Von einer Spur, die zu ihm führe, sei darin nicht die Rede gewesen. Vielmehr habe Beck "für die Unterstützung und den Rat" gedankt.
In seinem "Stern"-Interview wollte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident den Alt-Kanzler nicht als großen Drahtzieher hinter den Kulissen darstellen: "Ich traue Gerhard manches flapsige Wort zu, aber ich glaube nicht, dass da bewusst Drähte gezogen worden sind", betonte Beck.
Schröder widersprach seinerseits Vermutungen, sein Comeback stehe bevor: Die "operative Politik ist vorbei, für alle Zeiten definitiv". Auch in den kommenden Bundestagswahlkampf werde er nur sehr zurückhaltend eingreifen. Wenn jemand Rat haben wolle, bekomme er ihn, "aber ich dränge mich keinem auf".
Beck antwortete auf die Frage, ob er für SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Wahlkampf machen werde: "Wenn ich gefragt werde, werde ich meinen Teil beitragen". Er wolle sich aber jetzt in erster Linie als Ministerpräsident um die Fragen kümmern, "die mein Land angehen".
Nikolaus Sedelmeier/ddp
