Angesichts des geplanten Atomausstiegs Deutschlands hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beim russischen Regierungschef Wladimir Putin für eine Energiepartnerschaft geworben.
Bayerns Ministerpräsident vom russischen Regierungschef empfangen
Nowo-Ogarjowo (dapd). Angesichts des geplanten Atomausstiegs Deutschlands hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beim russischen Regierungschef Wladimir Putin für eine Energiepartnerschaft geworben. Für eine beschleunigte Abkehr von der Kernkraft werde es notwendig sein, dass Deutschland und Russland bei Energiegewinnung und -transport "noch ein ganzes Stück enger zusammenrücken als in der Vergangenheit", sagte Seehofer am Mittwoch nach seinem Treffen mit Putin in Nowo-Ogarjowo bei Moskau.
Wenn es weniger Kernkraftwerke geben solle, dann gehe das nicht ohne Gas, betonte der CSU-Vorsitzende. Denn so schnell lasse sich eine Umstellung auf erneuerbare Energien nicht realisieren. Bayern wolle daher eine deutsch-russische Energiepartnerschaft anstoßen.
Putin habe sich "sehr tiefe Gedanken gemacht", wie diese Partnerschaft gelingen könnte, wie der Transport gewährleistet werden könnte. Seehofer kündigte an, diese Gedanken auch beim Gespräch der Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin mit einzubringen.
Neben Putin nahmen auch der russische Energieminister Sergej Schmatko, Industrieminister Viktor Christenko sowie der Vizegeneraldirektor der russischen Atomagentur Rosatom, Alexander Lokschin, an dem Treffen teil. Seehofer wurde begleitet von Landeswirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), Siemens-Chef Peter Löscher und BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt.
Weiteres zentrales Thema des Gesprächs war die Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Bayern und Russland, insbesondere bei den neuen Technologien und in der Automobilindustrie. Putin verwies auf die positive Entwicklung des Handelsvolumens zwischen Russland und Deutschland. Einen wesentlichen Beitrag dazu hätten bayerische Unternehmen geleistet. Laut Seehofer bekundete die russische Seite Interesse an einer Fabrik von BMW in Russland. "Und BMW wird das auch ins Auge fassen", sagte der bayerische Ministerpräsident.
Das Gespräch sei von einem kooperativen und konstruktiven Geist geprägt gewesen, betonte Seehofer. Er habe Putin gesagt, dass Bayern zwar Partner auf der ganzen Welt habe, aber die Beziehungen zu Russland werde der Freistaat "strategisch mit größter Priorität vorantreiben". Durch seinen Moskau-Besuch habe die bayerisch-russische Freundschaft einen zusätzlichen Impuls bekommen. In den zweieinhalb Tagen sei mehr angestoßen und erreicht worden, als er erwartet habe. Seehofer hatte sich in den vergangenen Tagen auch mit Präsident Dmitri Medewedew und mehreren russischen Ministern getroffen.
Am Nachmittag wollten Seehofer und Zeil nach St. Petersburg fliegen, wo am Abend die Deutsche Woche eröffnet werden sollte, deren Partner-Bundesland in diesem Jahr der Freistaat ist.
dapd
