Die guten Leute wegzuschicken und durch schlechtere zu ersetzen, das sollte man in der Fußball-Bundesliga tunlichst unterlassen. Den Bayern scheint dieses Missgeschick im Sommer gleich mit mehreren Personen passiert zu sein. Man nehme zum Beispiel Trainer Jupp Heynckes, meint Stefan Galler in der DHZ-Bundesliga-Kolumne.
Bayerische Fußballer laufen aus der Spur
Meisterbetrieb: Die magische dritte Minute
Das erste richtige Spitzenspiel dieser Saison fand am Sonntag in der Wolfsburger VW-Arena statt und unterstrich, dass beim HSV die Uhren ganz exakt gehen: Im dritten Spiel der Saison erzielten die Hamburger zum dritten Mal in der dritten Minute das 1:0. Deshalb gleich mal der Tipp an den nächsten Gegner Köln: Am besten wäre, wenn einer der Geißböcke in der zweiten Minute eine Verletzung simuliert und erst in der vierten wieder aufsteht. Zumindest ein Gegentor lässt sich dadurch ganz sicher verhindern.
Allerdings dürfte es damit nicht getan sein, denn die Nordlichter sind richtig gut. Selbst als Wolfsburg zu Beginn der zweiten Halbzeit den 0:2-Pausenrückstand egalisiert hatte, behielt das Team von Labbadia kühlen Kopf und schoss in der Schlussphase den 4:2-Sieg heraus. Und ausgerechnet Mladen Petric markierte das vorentscheidende 2:3, den hätte der Meister im Sommer liebend gerne verpflichtet, schickte per Fax ein Neun-Millionen-Euro-Kaufgebot. Zu wenig, prompt bestrafte der Kroaten-Knipser die sparsamen Niedersachsen.
Ihre letzten 16 Heimspiele hatten die Wölfe allesamt gewonnen, doch diese Hamburger waren einfach zu stark, obwohl sie unter der Woche einen wahren Horrortrip nach Frankreich zu absolvieren hatten: In der Europa League-Quali ging’s zu Pokalsieger Guingamp, sportlich kein Problem, mit 5:1 setzte sich der Bundesliga-Dino durch. Dafür wurde die Rückreise unkomfortabel, die Chartermaschine der Ostfriesischen Lufttransport GmbH musste in Paris notlanden, einige Profis hatten Angst um ihr Leben. Gut, dass man von Hamburg nach Wolfsburg entspannt mit dem Bus fahren kann.
Gesellenstück: Der unbesiegbare Jupp
Die guten Leute wegzuschicken und durch schlechtere zu ersetzen, das sollte man in der Fußball-Bundesliga tunlichst unterlassen. Den Bayern scheint dieses Missgeschick im Sommer gleich mit mehreren Personen passiert zu sein. Man nehme Jupp Heynckes, der im vergangenen Frühjahr die Scherben der gescheiterten Klinsmann-Posse zusammenkehrte und den krisengeschüttelten Rekordmeister relativ cool noch auf direktem Weg in die Champions League führte. Über ein längerfristiges Engagement in München wurde gar nicht erst gesprochen, schließlich dreht man an der Säbener Straße ja immer das ganz große Rad – und da kann der bescheidene "Don Jupp" heute nicht mehr mithalten. Letztlich kam der betagte Fußballtrainer in Leverkusen unter – und macht dort den Bayern vor, wie man erfolgreich Fußball spielt: Tabellenführer nach zwei Siegen und einem Unentschieden, womit Heynckes saisonübergreifend seit dem kurzfristigen Amtsantritt beim FCB in neun Partien unbesiegt ist.
Dass es am Samstag einen 5:0-Auswärtssieg in Freiburg gab, war allerdings ziemlich kurios. "Der Gegner war viel besser als wir", sagte Heynckes nach dem Gastspiel beim Aufsteiger. Klingt nach Hohn, doch in Wahrheit setzte sich Leverkusen nur durch, weil die Breisgauer an diesem Tag vermutlich nicht einmal die chinesische Mauer getroffen hätten. Sie vergaben Chancen am Fließband, während Bayers Offensivfraktion aus sechs Gelegenheiten fünf Treffer machte.
Und so staunt man vermutlich nicht nur in München über den unschlagbaren Jupp. Und dessen effiziente Methoden: Er untersagte dem Offensivtrio Derdiyok, Kießling und Barnetta, zu viel Laufarbeit zu verrichten. Die ausgeruhten Bayer-Bomber machten ihre Buden – und Heynckes happy.
Erstes Lehrjahr: Kein Mut zur Lücke
Auch auf die Gefahr hin, in einer verschwindenden Minderheit zu sein: Wir von deutsche-handwerks-zeitung.de sind total traurig, dass Jens Lehmann im kommenden Sommer seine Torwarthandschuhe endgültig an den Nagel hängt. Das liegt allerdings auch nur daran, dass der Torwart-Methusalem jedes Jahr für mindestens drei größere oder kleinere Skandälchen gut ist, über die man sich an dieser Stelle trefflich lustig machen kann.
Am Wochenende im Spiel gegen seinen Ex-Verein Borussia Dortmund hat der VfB-Keeper mal wieder zugeschlagen – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Per Ellbogencheck wehrte er sich gegen BVB-Verteidiger Subotic, der reagierte ebenfalls nicht zimperlich, was Lehmann eine aufgeplatzte Oberlippe und einen dicken Hals einbrachte. Er habe sogar Angst um seine Zähne gehabt, gab der Stuttgarter Schlussmann später zu Protokoll. Diese Aussage überraschte Dortmunds Geschäftsführer Watzke nicht: "Dass die Zähne lockerer sind, kann mittlerweile auch am Alter liegen", spottete der Borussia-Boss treffsicher.
Da haben wir auch noch einen: Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt ja nun gegen die beiden Streithähne. Für den Fall, dass Lehmann gesperrt wird, kann der Liga-Oldie die Zeit ja zu einer Frischzellenkur nutzen – damit sein Gebiss auch ohne Haftcreme bis zum Ende der Saison durchhält.
Zwei linke Hände: Planlos wie nie zuvor
Wenn’s bei der ersten Mannschaft nicht läuft, dann greift so mancher Fußballtrainer mal gerne auf junge, hungrige Akteure aus der Reserve zurück. Dumm nur, wenn man die zweite Garnitur schon vor Saisonbeginn geplündert hat und das, was dort nun noch rumläuft, nicht den Ansprüchen genügt. Da geht es der SpVgg Putlos in der Kreisliga Ostholstein nicht anders als dem FC Bayern München. Dessen Amateurteam ziert das Tabellenende in Liga drei und Coach Mehmet Scholl ist ebenso ratlos wie der neue Trainer der Bundesligaprofis, Louis van Gaal. Der Holländer macht schon zu Saisonbeginn eine tiefe Krise durch, nach drei Spielen hat der Rekordmeister zwei Punkte – schlechtester Bundesligastart seit 43 Jahren. Die 1:2-Pleite in Mainz am Samstag zeigte, dass sich im Vergleich zur Klinsmann-Ära nicht viel geändert hat: Zuvor hatten die Münchner einen Trainer, der gar keine Taktik ausgab, nun haben sie einen, dessen Taktik die Spieler nicht verstehen.
Einige Entscheidungen des "Tulpengenerals" sind aber auch nur schwer nachzuvollziehen, so weiß van Gaal vermutlich als Einziger, was Miroslav Klose befähigt, in die Spielmacherrolle zu schlüpfen. Dass die Innenverteidigung aus dem letztjährigen Dauerreservisten van Buyten und Amateur Badstuber besteht, ist für die beiden Jungs zwar toll, aber eben auch für die gegnerischen Sturmreihen. Und warum van Gaal Edson Braafheid nach München geholt hat, weiß man nicht, vielleicht kann er gut kochen oder tanzen, mit dem Kicken hat er jedenfalls nicht so.
Planlos und total desolat liefen die Bayern in der ersten Halbzeit in Mainz übers Feld. Der Coach wechselte schon vor der Pause zweimal, er hätte aber auch alle elf austauschen können. In Halbzeit zwei lief es zwar besser, doch Mainz-Keeper Heinz Müller hielt den Sieg für sein Team fest. Der hatte früher schon mal einen Werbespot gedreht, in dem er mit verbundenen Augen Bälle abwehrt. Nur, dass es keine Missverständnisse gibt: Bayerns Torwart Rensing hatte beim ersten Mainzer Tor durch Ivanschitz definitiv keine Augenbinde auf.
