Konjunktur Bauwirtschaft wird zum Hoffnungsträger

Die Sparkassen-Volkswirte erwarten eine leichte konjunkturelle Erholung. Doch das Wachstum wird vor allem durch staatliche Sonderausgaben getragen – ohne Reformen bleibt der Aufschwung fragil.

Der Wohnungsbau soll zum Wachstumstreiber werden. - © Astrid Gast - stock.adobe.com

Die konjunkturelle Erholung in Deutschland kommt nach Einschätzung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) langsam voran. Der Aufschwung bleibe aber fragil, sagte DSGV-Präsident Ulrich Reuter bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturprognose. "Für dauerhaften Erfolg brauchen wir Strukturreformen", forderte er. Insgesamt erwartet der Verband für 2026 ein Wachstum von 1,0 Prozent (Vorjahr: 0,2 Prozent) und für 2027 von 1,5 Prozent.

Erholung vor allem wegen staatlichen Sonderausgaben

Wie der Chef-Volkswirt der Sparkasse Hannover, Tim Plaga, erklärte, gehen rund 0,4 Prozentpunkte des diesjährigen Wachstums auf die staatlichen Sonderausgaben für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie Verteidigung zurück. Im nächsten Jahr könnten es 0,5 Prozentpunkte sein. Hinzu komme für 2026 noch ein kalendarischer Effekt in Höhe von 0,3 Prozentpunkten, da mehr gesetzliche Feiertage auf das Wochenende fallen. Die Inflationsrate liegt nach Einschätzung der zehn Chef-Volkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe, die die Prognose erstellt haben, für 2026 und 2027 bei 2,2 Prozent.

Bauinvestitionen kommen in Gang

Getragen wird der leichte Aufschwung vor allem durch erhöhte Bauinvestitionen. Hier erwarten die Chef-Volkswirte ein Plus von 1,7 Prozent für dieses Jahr und 2,8 Prozent im nächsten Jahr. Im vergangenen Jahr waren sie dagegen noch um 0,9 Prozent zurückgegangen. Dabei legen nach den Worten Plagas vor allem die Investitionen im privaten Wohnungsbau zu, weniger hingegen im gewerblichen Bau.

Ausrüstungsinvestitionen legen zu

Bei den Ausrüstungsinvestitionen erwarten die Chef-Volkswirte ein Plus von rund drei Prozent in diesem und im nächsten Jahr, nachdem sie 2025 noch um 2,3 Prozent zurückgegangen waren. Auch scheiterten Investitionen nach den Worten Reuters nicht an fehlendem Kapital. "Die Kreditvergabebereitschaft ist da", betonte er. Nötig seien jetzt klare politische Rahmenbedingungen und das Zustandekommen internationaler Handelsabkommen.

DSGV-Präsident fordert mehr internationale Partnerschaften

Die erneute Verzögerung des Mercosur-Abkommens mit den südamerikanischen Ländern im EU-Parlament ist nach den Worten Reuters ein "herber Schlag". Deutschland brauche neue Partnerschaften. Mit einem solchen Abkommen würde eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern entstehen. "Deshalb wäre es richtig, das Abkommen vorläufig anzuwenden." In diesen Zeiten brauche es ein Zeichen europäischer Handlungsfähigkeit, sagte er auch mit Blick auf die schwierigen Wirtschaftsbeziehungen zu den USA.

Grundlegende Reformen angemahnt

Von der schwarz-roten Bundesregierung erwartet Reuter mehr Tempo:  Die Sparkassen-Finanzgruppe setze auf die "kommenden Monate" und auf "grundlegende Reformen" bei den Sozialversicherungssystemen und beim Bürokratieabbau. Lohnnebenkosten müssten begrenzt und die Rentenlücke geschlossen werden. "Es geht darum, mehr und länger zu arbeiten", sagte er. Daneben müsse die Infrastruktur - Straßen, Brücken, Energie- und Kommunikationsnetze - modernisiert werden.