Die Bauwirtschaft hat den langen Winter überstanden und entwickelt sich wieder positiv. Wenn es nach dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie geht, sollte die öffentliche Hand aber mehr in Infrastrukturprojekte investieren.
Karin Birk
Nach einem langen Winter holt die Bauwirtschaft jetzt wieder auf. „Der witterungsbedingten rückläufigen Baukonjunktur im ersten Quartal wird im zweiten Quartal eine deutlich bessere Umsatzentwicklung folgen“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Hans-Hartwig Loewenstein, mit Blick auf die gute Auftragslage. Bei „nachhaltig positiver Auftragsentwicklung im Bauhauptgewerbe“ könne für das Gesamtjahr durchaus noch ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent erreicht werden, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.
Kritik an Steuerplänen der Opposition
2012 war der Branchenumsatz um 0,5 Prozent auf 92,63 Milliarden Euro gestiegen. Dabei hatte sich die Zahl der Beschäftigten um 1,5 Prozent auf knapp 745.000 erhöht. Für dieses Jahr erwarten die Verbände eine stabile Beschäftigungslage.
Deutliche Kritik übten die Verbandsvertreter an den Steuerplänen der Opposition. „Finger weg“, sagte Thomas Bauer, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie zu den bestehenden Plänen von SPD, Grünen und Linken zur Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer. Damit könne man die Zukunft der Wirtschaft abwürgen, warnte er. Auch die Pläne der Grünen, die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Krankenversicherung auf das Niveau der Rentenversicherung zu erhöhen, lehnten sie ab. Dies sei weder für Arbeitgeber noch für Arbeitnehmer richtig.
Seite 2: Warum die öffentliche Hand mehr in Infrastrukturprojekte investieren sollte.
Ein Dorn im Auge sind der Bauwirtschaft auch die dauerhaft niedrigen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Bauer verwies auf eine jährliche Investitionslücke von rund 7,2 Milliarden Euro. Damit fehlten nicht nur der Branche Aufträge, damit werde auch volkswirtschaftliches Vermögen zerstört beziehungsweise die Basis für künftiges Wachstum beschränkt.
„Deutschland lebt seit Jahren von der Substanz“, warnte auch Loewenstein. Und nicht nur das: Wer die Schäden nicht rechtzeitig oder nur unzureichend behebe, zahle unter dem Strich deutlich mehr. Beide erinnerten daran, dass die öffentliche Hand jährlich aus Mineralölsteuer samt Umsatzsteuer, Kfz-Steuer und LKW-Maut rund 55 Milliarden Euro an „Wegeentgelt“ einnähmen. Diesen Einnahmen stünden aber nur Investitionen im Straßenbau in Höhe von rund 17 Milliarden Euro gegenüber.
Privater Wohnungsbau entwickelt sich am stärksten
Dies spiegelt sich auch in den Zahlen für den öffentlichen Bau wider. Das für den öffentlichen Bau für 2013 insgesamt prognostizierte Umsatzplus von 1,5 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro werde allein vom Tiefbau getragen, hieß es. Dort hätten die Auftragsbestände zu Jahresanfang mit 15 Prozent im Plus gelegen. Ganz anders dagegen im Hochbau. Dort wurde ein Rückstand von 12,5 Prozent zum Vorjahr verzeichnet.
Auch im Wirtschaftsbau ist die Entwicklung gespalten. Hier rechnet die Branche im Hochbau mit weiteren Wachstum, während der Tiefbau gegenüber dem Vorjahr an Umsatz verlieren werde. Unter dem Strich wird ein Umsatzplus von einem Prozent auf 34,46 Milliarden Euro prognostiziert.
Angesichts der nach wie vor günstigen Rahmenbedingungen wie robuster Arbeitsmarkt und günstige Finanzierungskosten wird der private Wohnungsbau am stärksten zulegen. Hier erwarten die Verbände ein Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 33,56 Milliarden Euro.
