Baugewerbetag Bauwirtschaft dringt auf schnelle Hilfe der Politik

Das Baugewerbe sieht sich in der Klemme. Die Betriebe rufen nach rascher Unterstützung durch die Politik, um Pleiten und Entlassungen abzuwenden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte positive Nachrichten für die gebeutelte Branche.

Wolfgang Schubert-Raab ist neuer ZDB-Präsident. - © privat

Die Bauwirtschaft verlangt schnelle Hilfe der Politik. "Wir müssen gucken, dass wir über das nächste Jahr kommen. Dann können wir wieder richtig Gas geben", sagte Wolfgang Schubert-Raab, neu gewählter Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). "Wir kommen in die Klemme", so Schubert-Raab auf dem Baugewerbetag in Berlin.

Hintergrund ist die anhaltende Krise am Bau. Hohe Zinsen, gestiegene Materialpreise, höhere Lohnkosten haben dazu geführt, dass vor allem im Hochbau die Aufträge weggebrochen sind. Häuser sind vielen Kunden zu teuer geworden. Seit einem Jahr ist die Zahl der Baugenehmigungen rückläufig. Manchen kleineren Bauunternehmern auf dem Land droht die Arbeit auszugehen. Bauwillige geben Grundstücke zurück, Projektentwickler stoppen Bauvorhaben. Einige Beobachter prophezeien dem Baugewerbe sogar einen "Gastro-Effekt". Dahinter steht die Furcht, dass Mitarbeiter der Bauwirtschaft ihre Betriebe in der Krise dauerhaft verlassen könnten, ähnlich wie es die Gastronomie in der Corona-Zeit erlebte,

Angst vor dem "Gastro-Effekt"

Vertreter der Bauwirtschaft wollen deshalb unbedingt verhindern, dass bedrängte Bauunternehmer sich von Mitarbeitern trennen oder sogar die Geschäftstätigkeit aufgeben könnten. Tatsächlich lassen sich die ehrgeizigen Ziele beim Wohnungsbau und der Energiewende nur mit einer leistungsfähigen Bauwirtschaft verwirklichen. Wenn jetzt in großer Zahl Baufirmen aufgeben sollten, würde es Jahre dauern, diese Kapazitäten wieder aufzubauen. Einige Beobachter fühlen sich an das Ende des Baubooms Mitte der 1990er-Jahre erinnert. "Wir wissen, was wir an Ihnen haben. Wir werden Sie noch verdammt brauchen in Deutschland. Die Hand bleibt ausgestreckt", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Heil spielte damit auf die Regelungen zum Kurzarbeitergeld an, die der Bauwirtschaft in der Krise zugutekommen könnte, um Personalabbau zu vermeiden. "Das Instrument der Kurzarbeit wird Ihnen weiterhin zur Verfügung stehen", versprach der Arbeitsminister.

Gebäudedämmung abspecken

Heil sprach sich zudem dafür aus, auf "überzogene Standards" bei der Gebäudedämmung zu verzichten und eine "vernünftige Wärmewende" zu machen. Außerdem mahnte Heil die öffentliche Hand, weiterhin in die Erneuerung der Infrastruktur zu investieren.

Dafür plädierte auch ZDB-Präsident Schubert-Raab aus. Er warb für ein "ausgewogenes Verhältnis" zwischen Klimaschutz und Bezahlbarkeit. Der EH-40-Standard müsse verschoben werden, EH-55 sollte bis auf weiteres der Standard für staatliche Förderungen sein. Der Präsident sprach von einem "Paradoxon": In Zeiten größter Wohnungsnot gebe es einen Nachfrageinbruch. "Das kann eigentlich nicht sein."  

Viel Zeit verloren

Das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, sei nach wie vor richtig. Derzeit gelte es aber vordringlich zu verhindern, "dass Personal von Bord geht". Schubert-Raab: "Wir haben viel diskutiert. Wir haben 16 Monate verloren." Der Baupräsident forderte mehr Tempo, "Bremsklötze" müssten gelöst werden. "Wenn wir das nicht schnell hinbekommen, gefährden wir den sozialen Frieden."

14-Punkte-Plan umsetzen

Am Montag hatte die Bundesregierung ein 14-Punkte-Papier veröffentlicht, das der Bauwirtschaft wieder aufhelfen soll. Bei diesem Papier sei "mehr herausgekommen als wir gedacht haben", sagte Schubert-Raab. Nun gelte es, die angekündigten Maßnahmen tatsächlich auch umzusetzen. Dem schloss sich Arbeitsminister Heil an:  Die Bundesregierung stehe im Wort, "dass das, was wir am Montag beschlossen haben, nicht auf dem Papier bleibt".

Wolfgang Schubert-Raab zum ZDB-Präsidenten gewählt

Die Mitgliederversammlung des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) hat Wolfgang Schubert-Raab einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Der 65-jährige Diplom-Ingenieur Schubert-Raab stammt aus Ebensfeld in Oberfranken und ist seit 1991 Geschäftsführer der Raab Baugesellschaft. Zusammen mit seiner Frau Gisela Raab und Cousin Joachim Raab führt er das Familienunternehmen mit 225 Beschäftigten in vierter Generation. Die Leistungsbreite des 1898 gegründeten Unternehmens umfasst Hochbau, Tiefbau, Straßenbau, Brückenneubau und Instandsetzung, Ingenieurbau, Rohrleitungsbau, Wasserbau, Altbausanierung und Schlüsselfertiges Bauen. Nach seiner Wahl kommentierte Schubert-Raab das einstimmige Ergebnis: "Ich sehe es nicht als Bürde, sondern als Sprungbrett."