Baumaschinenversteigerung in München Auktion: Baumaschinen zum Schnäppchenpreis

Maschinen kann man auf unterschiedlichstem Weg kaufen. Auktionen haben besonderes Schnäppchen-Potenzial und bieten ein bisschen Nervenkitzel. Mit Land- und Baumaschinenmechaniker Matthias Hierl unterwegs auf der Baumaschinenauktion von Ritchie Brothers in München.

Mirabell Schmidt

© Foto: Mirabelle Schmidt

Matthias Hierl geht unruhig um die rote Hebebühne herum. Einmal, zweimal – bleibt stehen und schaut nach oben, auf die ausgefahrene Arbeitsplattform. Das ist das Objekt der Begierde. Immer wieder setzt er sein weißes Cap auf und ab. Maximal 10.000 Euro wird sie wohl wert sein. Misstrauisch beäugt der Land - und Baumaschinenmechaniker einen Konkurrenten, der die Maschine genau begutachtet.

Drei Fußballfelder voller Bau- und Landwirtschaftsmaschinen, aufgereiht in Reih und Glied stehen hier auf dem Freigelände der Messe München. Alle sind mit einer Nummer versehen - von eins bis 366. So viele Maschinen sind es, die heute bei der Auktion von der kanadischen Firma Ritchie Brothers zur Versteigerung stehen. Rund 700 Interessenten aus fast 80 Ländern haben sich registriert, um online oder vor Ort mitzubieten.

Von der Erfahrung profitieren

Die Versteigerungen finden im Minutentakt statt, sieben Stunden ohne Pause. Drei Auktionatoren rufen abwechselnd das aktuelle und nächsthöhere Gebot auf Englisch so schnell und laut ins Mikrofon, dass sie nicht länger als etwa zehn Minuten am Stück durchhalten. Mehrere Helfer heizen die Bieter zwischendurch an, klatschen und fordern sie per Handzeichen auf, ihr Gebot nochmals zu erhöhen. Ein kurzer Stromausfall bringt Bietern und Auktionatoren eine kleine Verschnaufpause.

Der 29-jährige Matthias Hierl ist zusammen mit Ludwig Reisinger, einem Bekannten seines Vaters, und dessen Tochter zur Auktion nach München gekommen. Reisinger ist rund 30 Jahre älter als er und hat seit Jahren einen Land- und Baumaschinen-Handel. Er war schon auf unzähligen Auktionen. Von ihm möchte sich Hierl etwas abschauen, denn er hat sich gerade erst selbstständig gemacht. Um seinen Betrieb weiter aufzubauen ist er heute hier, er braucht Maschinen für Ersatzteile oder zum Verkauf. Es ist die zweite gemeinsame Auktion für die beiden. "Das letzte Mal war ich noch zu langsam, oder?", sagt er lachend. Sein Lehrmeister schmunzelt: "Ja mei." Heute klappt es besser. Einen Rasenmäher hat er bereits ersteigert, das aber für den Eigengebrauch.

Auch Neugeräte werden versteigert

Gegenüber der Hebebühne rollt eine Schlange von Baumaschinen voran. Bagger, Gabelstapler, Transporter und Kräne werden der Reihe nach vorgefahren. Quietschend langsam schiebt sich eine Planierraupe auf die Rampe vor dem Auktionszelt. Maschinen, die nicht gefahren werden können, werden auf dem Freigelände versteigert. Ein Truck, mit Lautsprechern ausgestattet führt den Auktionstrupp an. Dort, wo eigentlich die Ladefläche wäre, ist die Auktionatoren-Kabine, aus der weiter laut und schnell der aktuelle Stand der Gebote schallt. Dahinter laufen etwa 60 Bieter. Gemeinsam ziehen sie von einem Versteigerungsstück zum nächsten. Fast alle der 200 Maschinen, die hier noch zu versteigern sind, werden einzeln verkauft.

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Die Geräte, die zur Auktion stehen, sind gebrauchte Maschinen von Bauunternehmen oder kommen aus Überproduktion direkt von Herstellern. Ob und wie viel die Bieter bei Auktionen sparen können, hängt vor allem vom Publikum ab. Mal sind es 20 Prozent, mal mehr, manchmal aber auch weniger.

Heute sind die Bieter eher ruhig, konzentriert und abgeklärt. Sie wissen, was die Maschinen wert sind und lassen sich vom Auktionsfieber, das die Auktionatoren verbreiten, kaum anstecken. Sieben Tage haben Käufer Zeit zu zahlen, drei Wochen, um die Maschinen abzuholen. Vor Beginn der Auktion konnten die Bieter sich die Maschinen zwei Tage lang ansehen und testen. Auch Reisinger und Hierl haben sich die Maschinen vor der Auktion genauer angeschaut, Probe gefahren sind sie allerdings nicht.

10.000 Euro gespart

Reisinger war heute bei den Auktionen bereits erfolgreich. Einen Radlader, einen Bagger und einen Teleskoplader, hat er bisher gekauft. Genau wie geplant. Gemeinsam mit Hierl inspiziert er nun Auktionsstück 216 – eine Rundballenpresse. Das Preisniveau ist heute niedrig, Reisinger steigt in die Auktion ein. Er verzieht keine Miene, schaut nur den Auktionator an. Ein anderer Bieter ist auch an der Maschine interessiert. Reisinger wirkt aber so entschlossen, dass der schnell aussteigt. Reisinger grinst breit. "Das war billig. Die wäre mindestens 10.000 Euro mehr wert gewesen", sagt er zu seiner Tochter und Hierl. Am Ende des Auktionstages stehen auf seiner Rechnung mehr als 90.000 Euro. "Die Mama wird sagen: 'Ihr spinnt’s ja'!"

Die Hebebühne, auf die es Hierl abgesehen hat, ist Auktionsstück 228. Eine elf Jahre alte Auslegerbühne. 4.000 bis 6.000 Euro will er dafür bieten: "Sie wäre eigentlich so um die 8.000 bis 10.000 Euro wert", sagt er. Kurz bevor der Auktionstrupp dort angekommen ist, erinnert ihn Reisinger: "Aber 10.000 sind die maximale Obergrenze". Dann geht es los und Hierl wird ganz ruhig. Das Einstiegsgebot liegt bei 4.000 Euro. Der Bieter, der die Maschine zuvor ebenfalls inspiziert hat, hält gegen die Gebote von Hierl: "7.500". Hierl setzt noch einen drauf: "8.000". In letzter Sekunde überbietet ihn sein Konkurrent aber doch noch einmal: 8.250 Euro. Das ist dem jungen Selbstständigen zu viel. Der Handwerkermeister zuckt enttäuscht mit den Schultern. "Ich bin halt noch nicht so flüssig wie du", sagt er fast entschuldigend zu Reisinger.