Studie für Bundesbauministerium Bauland für zwei Millionen Wohnungen steht kurzfristig bereit

Die Ampel-Regierung will pro Jahr 400.000 Wohnungen bauen. Eine Studie zeigt jetzt: Die Flächen dafür sind da, sogar ohne Bauen "auf der grünen Wiese". Doch sind sie auch dort, wo sie gebraucht werden?

Um den Wohnungsbedarf in Städten zu decken, müssten Gebäude aufgestockt, Dachgeschosse und Keller ausgebaut sowie Discounter über- und Innenhöfe bebaut werden. - © Gina Sanders - stock.adobe.com

In Deutschland gibt es einer Studie zufolge kurzfristig nutzbares Bauland für rund zwei Millionen Wohnungen. Etwa 53.000 Hektar Fläche im Innenbereich von Städten und Gemeinden sind ohne größeren Aufwand baureif, wie das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung und das Institut der deutschen Wirtschaft für das Bauministerium errechneten. Fast noch einmal so viel sei grundsätzlich auch erschlossen. "Es gibt ausreichend Bauland in Deutschland", sagte Bauministerin Klara Geywitz am Dienstag. Sie halte es für realistisch, auf der Fläche rund zwei Millionen Wohnungen zu bauen. Selbst bei konservativer Rechnung sei Platz für 900.000 Wohnungen.

Bauland auch in Städten

Die Ampel-Regierung hat sich vorgenommen, jedes Jahr 400.000 Wohnungen zu bauen, davon 100.000 öffentlich geförderte Sozialwohnungen. Dieses Ziel lasse sich erreichen, ohne dabei zu viel zusätzliche Fläche außerhalb von Siedlungen zu verbrauchen, sagte Geywitz. "Wir können es uns ökonomisch und ökologisch nicht leisten, Flächen zu verschwenden." Die SPD-Politikerin warb für eine kluge Nutzung von Brachflächen und Baulücken.

Laut Geywitz liegt das verfügbare Bauland sowohl in ländlichen Gegenden als auch in Ballungsräumen. "Wir haben Potenzial, vom Norden bis in den Süden, vom Osten aber auch bis in den Westen." Der Studie zufolge gibt es in Landkreisen mit höherem Bedarf tendenziell zwar seltener Städte und Gemeinden mit vielen freien Flächen. Generell lasse sich aber sagen: "Das vorhandene Potenzial ist auch da, wo es gebraucht wird", betonte Markus Eltges, Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Allein in den kreisfreien Großstädten könnten abhängig von der Bebauungsdichte zwischen 370.000 und 740.000 Wohnungen entstehen.

In Großstädten: Gebäude aufstocken oder ausbauen sowie Innenhöfe bebauen

"Umfangreich neue Flächen zu beanspruchen ist daher aus Sicht der Studie nicht notwendig", sagte Eltges. Auch der Heidelberger Oberbürgermeister und Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Eckart Würzner, betonte, Bauen auf der grünen Wiese außerhalb der Städte sei zunächst nicht nötig.

In Großstädten mit besonders hoher Nachfrage müsse man aber auch auf bereits genutzten Flächen bauen, sagte Eltges. Das bedeute Gebäude aufstocken, Dachgeschosse und Keller ausbauen, Discounter über- und Innenhöfe bebauen. So ließen sich noch einmal mehrere Hunderttausend Wohnungen realisieren. Geywitz wies darauf hin, dass durch die vermehrte Umstellung auf Homeoffice auch Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden könnten.

Baurecht "entrümpeln"

"Land zum Bauen ist da. Jetzt kommt es auf den gemeinsamen Willen an, so viel bezahlbares Wohnen wie möglich zügig auf den Wohnungsmarkt zu bringen", betonte Geywitz. Städtetagsvertreter Würzner forderte eine konsequente dauerhafte Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch Bund und Länder. Außerdem müsse das Baurecht "entrümpelt" werden. "Sofort nutzbare Bauflächen dürfen nicht aus Spekulationszwecken liegengelassen werden."

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen forderte die Kommunen auf, schnell und effizient Bauland auszuweisen und Baugenehmigungen zu erteilen. "Der digitale Bauantrag ist da ein gutes Instrument, wenn er denn tatsächlich kommt", sagte Präsident Andreas Ibel. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie forderte einen "Planungs- und Genehmigungsbooster". Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller wies darauf hin, dass Materialengpässe durch den Ukraine-Krieg zunehmend Probleme auf den Baustellen bereiteten. "Hier können wir Baustopps für eine Vielzahl von Projekten nicht mehr ausschließen." Internationale Lieferketten müssten dringend überprüft werden. dpa