Die Krise am Bau breitet sich aus: Das Baugewerbe rechnet weiter mit hohen Umsatzeinbußen und Beschäftigungsabbau. Grund ist vor allem die schwierige Lage im Wohnungsbau.

Die Krise am Bau bleibt nicht ohne Folgen. Das Deutsche Baugewerbe rechnet dieses und nächstes Jahr mit einem realen Umsatzrückgang und einem Abbau der Beschäftigten. "Für 2024 erwarten wir einen deutlichen Rückgang um 30.000 Beschäftigte, bei weiterem Abwärtspotenzial", warnte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Nach einem Jahrzehnt des Beschäftigungsaufbaus auf rund 926.660 rechne er dieses Jahr mit einem Rückgang auf 920.000 Beschäftigte. Als Grund nannte Schubert-Raab vor allem die Krise am Wohnungsbau. Insgesamt rechnet der Verband für 2023 mit einem realen Umsatzminus von 5,3 Prozent auf 162,5 Milliarden Euro und für 2024 um 3,0 Prozent auf 154,4 Milliarden Euro.
Schubert-Raab: Es fehlt an Aufträgen
Schubert-Raab rief die Politik auf, möglichst schnell für "Planungssicherheit" und "grünes Licht für Investitionen" zu sorgen. Um die Beschäftigten zu halten, sei auch eine Verlängerung des saisonalen Kurzarbeitergeldes ab April 2024 wichtig. Wie der ZDB-Präsident weiter sagte, fehlt es dem Baugewerbe angesichts maroder Infrastruktur und fehlender Wohnungen nicht an Aufgaben, wohl aber an Aufträgen. Dies unterstreicht auch die ZDB-Herbstumfrage. Danach sehen sich rund 60 (Vorjahr: 23) Prozent der Befragten wegen fehlender Aufträge in ihrer Bautätigkeit behindert. Insgesamt wird die Geschäftslage von 45 (Vorjahr: 25) Prozent kritisch bewertet. Im Wohnungsbau sind es 70 Prozent. Sollte der Einbruch im Wohnungsbau weitergehen, stünden Insolvenzen bevor, warnt Schubert-Raab.
Bessere Wohnbauförderung gefordert
Insgesamt rechnet der Verband für 2023 im Wohnungsbau angesichts des Mixes aus stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten mit 271.000 (Vorjahr: 295.300) neu gebauten Wohneinheiten und für 2024 nach den derzeitigen Investitionsbedingungen noch mit 235.000 Wohneinheiten. "Wir brauchen die schnelle komplette Umsetzung des 14-Punkte-Maßnahmen-Paketes und ein Zinsstützungsprogramm beim EH 55 Standard", betonte Schubert-Raab. Dazu zähle etwa die Möglichkeit, einfacher – im Sinne des Gebäudetyps E – bauen zu können. Bisher habe man nur die Einkommensgrenzen bei der Wohneigentumsförderung erhöht und auf den EH 40 Standard als Neubaustandard ab 2025 verzichtet. Insgesamt rechnet er im Wohnungsbau für 2023 mit einem realen Umsatzminus von 10,6 Prozent auf 58,7 Milliarden Euro und für 2024 mit einem Minus von 13 Prozent auf 49,9 Milliarden Euro.
Zweigeteilte Entwicklung im Wirtschaftsbau
Im Wirtschaftsbau entwickelt sich der Wirtschaftshochbau und der Tiefbau unterschiedlich. Während der Hochbau durch die hohen Zinsen und Energiepreise eingebremst wird und deutlich weniger Büro-, Lager- und Hotelgebäude nachgefragt werden, kommen im Tiefbau Projekte der Mobilitäts- und Energiewende an den Markt. Dabei bleibe zu hoffen, "dass die Bundesregierung bei ihren Plänen für 2024 bleibt." Unterm Strich sei dann für 2024 mit einem realen Umsatzplus von 2,7 Prozent auf 60 Milliarden Euro zur rechnen. Für 2023 erwartet der Verband ein reales Umsatzminus von zwei Prozent auf 59,6 Milliarden Euro.
Ungewissheit im öffentlichen Bau
Im öffentlichen Bau ist die Entwicklung im Hoch- und Tiefbau ebenfalls unterschiedlich. Während der Hochbau von einigen Großprojekten profitieren konnte, gab es im Tiefbau weniger Impulse. Insgesamt rechnet der Verband für 2023 mit einem realen Umsatzrückgang von 1,8 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro. Für 2024 könnte sogar ein reales Umsatzplus von drei Prozent oder 44,5 Milliarden herauskommen, vorausgesetzt dass die Investitionslinien für die Infrastruktur – etwa im Bereich Straßen – wie in der Haushaltsplanung 2024 bisher veranschlagt, gehalten werden.
Weiter hohe Ausbildungsbereitschaft
Mit Blick auf die Beschäftigung im Baugewerbe spricht Schubert-Raab von einem echten Dilemma: "Das Bauhauptgewerbe bewegt sich zwischen Fachkräftesuche einerseits und drohender Kurzarbeit andererseits", sagte er. Während im Wohnungsbau die Lage immer schwieriger werde, würden in den Ausbaubereichen und im Ingenieur- und Tiefbau weiter Fachkräfte gesucht. Erfreut zeigt sich Schubert-Raab, dass die Bereitschaft der Unternehmen, wie bisher auszubilden, hoch bleibe.