Bauhauptgewerbe Tarifverhandlungen am Bau beendet: Das ist der Bautarif 2025

Die Streiks sind beendet, die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten am Bau steigen: Sowohl die Gewerkschaft als auch die Arbeitgeber haben einem Einigungsvorschlag zugestimmt. Dieser sieht eine dreistufige Erhöhung vor. Auch für die Auszubildenden gibt es mehr Geld.

Ein Mitarbeiter auf einer Bausstelle im Heidelberger Süden.
Baustelle im Heidelberger Süden. - © picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski

Gewerkschaft und Arbeitgeber der Bauwirtschaft haben sich 2024 im Tarifkonflikt auf einen Einigungsvorschlag verständigt.

Die Tarifgemeinschaft der Arbeitgeber setzt sich aus dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) zusammen. Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite und Vizepräsident ZDB, betonte, dass mit dem Tarifabschluss deutliche Verbesserungen erzielt werden konnten: "Positiv ist vor allem, dass die Unternehmen nun für eine lange Zeitspanne im Bereich der Löhne und Gehälter wieder Planungs- und Kalkulationssicherheit haben. Das ist auch mit Blick auf den hohen Bedarf an Bauleistungen in Deutschland und die schwierige Auftragslage unserer Wohnungsbauunternehmen wichtig. Gut, dass wir die Reihen wieder schließen konnten. Jetzt können sich endlich wieder alle auf das Bauen konzentrieren – dafür brauchen wir aber auch mehr Aufträge."

Aktueller Bautarif für 2024, 2025 und 2026

Bei einer Laufzeit von drei Jahren seit dem 1. April 2024 sieht der Tarifvertrag eine dreistufige Lohn- und Gehaltserhöhung vor.

  • 1. Stufe seit 1. Mai 2024: Die Löhne und Gehälter wurden mit Ausnahme der Lohngruppe 1 (Ost und West) im Westen um 1,2 Prozent und im Osten um 2,2 Prozent angehoben. Die Lohngruppe 1 wurde bundeseinheitlich um 2,2 Prozent erhöht. Alle Lohn- und Gehaltsgruppen erhielten zusätzlich einen tabellenwirksamen Festbetrag von 230 Euro monatlich.
  • 2. Stufe ab 1. April 2025: Es folgt eine weitere prozentuale Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,2 Prozent im Westen und 5,0 Prozent im Osten. In der 1. Lohngruppe erfolgt die Erhöhung bundeseinheitlich in Höhe von 5,0 Prozent.
  • 3. Stufe ab dem 1. April 2026: Erhöhung aller Lohn- und Gehaltsgruppen um 3,9 Prozent im Westen und Anhebung der Löhne und Gehälter im Osten auf das Niveau des Tarifgebietes West. Damit soll die Ost-West-Angleichung vollzogen werden.
  • Ausbildungsvergütung: Um die Attraktivität der Ausbildung zu steigern, wurde die Vergütung für das erste Ausbildungsjahr für alle Ausbildungsberufe bundeseinheitlich seit dem 1. Mai 2024 auf 1.080 Euro erhöht. Für die weiteren Ausbildungsjahre gab es ebenfalls Erhöhungen. Außerdem erfolgte eine stärkere Annäherung der Ausbildungsvergütung der technisch-kaufmännischen Ausbildungen an die der gewerblichen Ausbildungen. Zum 1. April 2026 werden die Ausbildungsvergütungen im Westen erneut um 3,9 Prozent angehoben und die Ost-West-Angleichung vollzogen werden.

Baubeschäftigte hatten bundesweit gestreikt

Mit lautstarken Protesten hatten die Bauarbeiter am 13. Mai 2024 ihre bundesweite Warnstreikwelle begonnen. Sie streikten für ihre ursprüngliche Forderung nach 500 Euro mehr im Monat für alle Beschäftigten. Den Auftakt hatte Niedersachsen gemacht. Anschließend hatte die IG BAU die Warnstreiks auf weitere Regionen ausgeweitet.

Arbeitgeber lehnten Schlichterspruch ab

Hintergrund des Streiks war das Scheitern der Tarifverhandlungen Anfang Mai. Anders als die IG BAU hatten die Arbeitgeber den Schlichterspruch des ehemaligen Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, abgelehnt. Dieser sah vor, dass die Einkommen ab Mai pauschal um 250 Euro und elf Monate später noch einmal um 4,15 Prozent im Westen und 4,95 Prozent im Osten steigen. Das Schlichtungsverfahren wurde nach drei ergebnislosen Verhandlungsrunden ausgelöst.

Was die Parteien in den Tarifverhandlungen gefordert hatten

In den Tarifverhandlungen forderte die IG BAU 500 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung pro Monat bei einer Laufzeit von einem Jahr. Die Bauwirtschaft legte der Gewerkschaft zuletzt ein Angebot vor, das eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent für 2024 und 3,2 Prozent für 2025 vorsah. Dieses Angebot wurde von der Gewerkschaft abgelehnt.

Uwe Nostitz vom ZDB argumentierte, Deutschland stecke in einer heftigen Baukrise: "Viele Bauunternehmen im Wohnungsbau, dem größten Bausektor, haben mit massiven Auftragsrückgängen zu kämpfen. Die Gewerkschaft ignoriert diese baukonjunkturelle Realität komplett und hält weiter an ihrer Hauptforderung fest".

IG-BAU-Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt erklärte: "Die Arbeitgeber waren nicht bereit, uns ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen. Zweimal etwas über drei Prozent mehr Einkommen auf 24 Monate gleichen die immens gestiegenen Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren und Monaten einfach nicht aus. Da muss noch deutlich etwas draufgelegt werden." Es sei nicht richtig, so Burckhardt weiter, dass es der Bauwirtschaft durchweg schlecht gehe. Der Tiefbau, der Infrastrukturbau und auch der öffentliche Bau seien im Aufwind, lediglich die Auftragslage im Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern sei eingebrochen.

Das Bauhauptgewerbe ist mit rund 916.000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, auch wenn es den ersten Jobabbau seit über zehn Jahren gab. Die nominalen Umsätze erreichten 2024 einen Wert von rund 160 Milliarden Euro – ein Rückgang von 1,7 im Vergleich zu 2023. Im Immobilienboom hatte die Branche jahrelang die Konjunktur gestützt, nun ist sie wegen der Krise im Wohnungsbau zum Sorgenkind geworden.

Mit Inhalten der dpa