Zentralverband des Deutschen Baugewerbes Bauhandwerker fürchten die Konkurrenz aus dem Osten

Das deutsche Baugewerbe rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,1 Prozent, fürchtet aber zugleich die ausländische Konkurrenz. Mit der vollen Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den meisten östlichen EU-Staaten könnten zwischen 100.000 und 150.000 Bauarbeiter von dort auf den deutschen Markt drängen. Von Karin Birk

Bauhandwerker fürchten die Konkurrenz aus dem Osten

Das Baugewerbe erwartet durch eine höhere Nachfrage im Wohnungs- und Wirtschaftsbau einen leichten Umsatzzuwachs für das laufende Jahr. "Der Umsatzrückgang im öffentlichen Bau wird durch die erwarteten Steigerungen beim Wohnungsbau und Wirtschafbau kompensiert“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbe (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein. Ingesamt rechnet er für 2011 mit einem Zuwachs beim Gesamtumsatz von 1,1 Prozent auf 82,65 Milliarden Euro. Im Vorjahr war der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um 0,6 Prozent auf 81,725 Milliarden Euro zurückgegangen.

Trotz der verbesserten Umsatzerwartungen bleibt die Ertragslage weiter schwierig: "Da in 2011nur mit einer geringen Ausweitung der Produktion zu rechnen ist, ist keine durchgreifende Verbesserung der Ertragssituation der Unternehmen im laufenden Jahr zu erwarten", sagte Loewenstein. Als Grund nannte der Verbandspräsident eine deutliche Steigerung der Kosten von Baumaterialien und Löhnen, der nur einem geringen Anstieg der Baupreise gegenüber gestanden hatte. Auch 2011 würden die Betriebe weiter rationalisieren, so dass mit einem leichten Rückgang der Beschäftigten um 0,5 Prozent auf 710.000 Beschäftigten zu rechnen sei.

Bauqualität könnte leiden

Verstärkt wird nach Ansicht des Verbandes der Wettbewerbsdruck für inländische Baubetriebe und ihre Beschäftigten, wenn zum 1. Mai 2011 die Arbeitnehmerfreizügigkeit und die Dienstleistungsfreiheit für mittel- und osteuropäische Staaten – mit Ausnahme von Bulgarien und Rumänien – ganz freigegeben wird. "Das daraus folgende Preisdumping wird Arbeitsplätze kosten und zulasten der Bauqualität gehen“, warnte Loewenstein und forderte, die Rahmenbedingungen für in- und ausländische Unternehmen für den deutschen Markt weiter anzugleichen. Ausländische Unternehmen, die hier tätig seien, sollten früher als erst nach 24 Monaten in Deutschland der Steuer- und Sozialversicherungspflicht unterliegen, fordert er.

Eine Gefährdung für die mittelständische deutsche Bauwirtschaft fürchtet Lowensein auch durch einen von der EU-Kommission Mitte 2010 vorgelegten Richtlinienentwurf für die konzerninterne Entsendung von Fachkräften aus Drittsaaten. Danach sollen Konzerne in Drittsaaten Fachkräfte in eine europäische Niederlassung entsenden können. Dies würde nach Ansicht Loewensteins zu einer "Verschärfung des Lohnkostendrucks führen“. Denn die jeweiligen Konzerne wären zunächst nur verpflichtet, die in Deutschland geltenden Mindestlöhne zu bezahlen. Und nicht nur das: Die Richtlinie erlaube Drittstaatenangehörigen auch die Mobilität innerhalb der EU. Konkret bedeute dies, dass etwa ein ukrainischer Bauarbeiter in einer Konzernniederlassung in Rumänien zum dortigen Mindestlohn von 170 Euro im Monat beschäftigt und zu den gleichen Bedingungen in eine weitere Niederlassung in Europa geschickt werden könne. Um die mittelständischen Strukturen des Baugewerbes hierzulande nicht zu gefährden, müsste das Baugewerbe aus dem Anwendungsbereich der Richtlinie herausgenommen werden.

Umsatzrückgang am öffentlichen Bau

Kritisch äußerte sich Loewenstein auch zum Zustand der Straßen. "Wir fahren unsere Straßen seit Jahren auf Verschleiß“, sagte er. Hier müsste auf allen Ebenen mehr investiert werden. Doch nach den Prognosen des Verbandes ist 2011 im öffentlichen Bau mit einem weiteren Umsatzrückgang von 2,7 Prozent auf 25,5 Milliarden Euro zu rechnen. Schon 2010 waren die Umsätze hier den Prognosen zufolge um 1,9 Prozent auf 26,2 Milliarden Euro zurückgegangen. Minus von 2, 7 Prozent. Anders dagegen im Wirtschaftsbau: Hier rechnet der Verband für 2011 mit einem Zuwachs von 2,7 Prozent auf 30,25 Milliarden Euro, nach einem Rückgang von 4,5 Prozent auf 29,45 Milliarden Euro im Vorjahr. Nach wie vor günstig entwickelt sich der private Wohnungsbau. Nach den vorläufigen Zahlen prognostiziert der Verband für 2010 einen um 5,7 Prozent auf 26,1 Milliarden Euro und für 2011 einen weiteren Umsatzzuwachs von 3,2 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Hier machten sich die Stabilität des Arbeitsmarktes, die erwarteten Einkommensverbesserungen und ein nach wie vor günstiges Zinsniveau bemerkbar.