Das Baugewerbe rechnet trotz dem wirtschaftlichen Aufschwung dieses mit rückläufigen Umsätzen. "Die Entwicklung im öffentlichen Bau ist eine herbe Enttäuschung", sagt der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Hans-Hartwig Loewenstein. Von Karin Birk
Baugewerbe sieht auch 2011 keine Erholung
Viele Kommunen hätten ihre Investitionen außerhalb des Konjunkturpaketes zurückgefahren. Anders als im Frühjahr noch erwartet, werde der Umsatz im öffentlichen Bau 2010 nicht um knapp sieben Prozent zulegen, sondern um 0,4 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro schrumpfen. Im nächsten Jahr werde der Umsatz wegen der angespannten öffentlichen Haushaltslage sogar um knapp vier Prozent auf 25,6 Prozent zurückgehen.
Delle im öffentlichen Bau
Selbst der anziehende Wohnungsbau werde die Delle im öffentlichen Bau und im Wirtschaftsbau weder dieses, noch nächstes Jahr ausgleichen können. Ingesamt werde der Branchenumsatz den Prognosen zufolge 2010 um 1,5 Prozent auf 81 Milliarden Euro und im kommenden Jahr ebenfalls um 1,5 Prozent auf 79,7 Milliarden Euro zurückgehen. Dagegen zeigten die Zahlen für die Bauinvestitionen, also für Ausbau- und Planungsleistungen sowohl 2010 und 2011 nach oben. Dies mache deutlich, wie sehr sich die Bautätigkeit vom Neubau auf Sanierung und Modernisierung verlagert habe. Insgesamt werde die Zahl der Mitarbeiter im Baugewerbe in diesem Jahr um ein Prozent auf 698.000 sinken. Nächstes Jahr könnten möglicherweise nochmals rund 5.000 Stellen wegfallen.
Zu schaffen machten den Unternehmen auch die zunehmende Knappheit mancher Rohstoffe wie etwa Bitumen oder Betonstahl mit entsprechend steigenden Preisen. Da die höheren Preise nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden, seien die Renditen der Unternehmen weiter gesunken. Für Lohnerhöhungen sieht er deshalb nur einen sehr geringen Spielraum.
Mit Sorge beobachte die Branche auch die wachsende Konkurrenz chinesischer Unternehmen. "Dies gilt vor allem für den osteuropäischen und den südosteuropäischen Markt“, sagte Loewenstein. Hier müsse die Politik handeln.
Lichtblick privater Wohnungsbau
Einziger Lichtblick ist der private Wohnungsbau: Hier mache sich die bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt, das niedrige Zinsniveau und die Suche nach wertstabilen Anlagen von Selbstnutzern und Investoren bemerkbar. In den Wachstumsregionen, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, sei mit einer anhaltend positiven Entwicklung der Baugenehmigungen zu rechnen, so dass diese Sparte 2010 den Prognosen zufolge beim Umsatz um 1,3 Prozent auf 25 Milliardenund 2011 um 2,4 Prozent auf 25,6 Milliarden Euro wachsen werde.