Tarifverhandlungen Baugewerbe: Nicht alle Gewerke erhalten neuen Tarifvertrag

Arbeitgeber und die Industriegewerkschaft IG Bau haben den Tarifvertrag für das Bauhauptgewerbe unterzeichnet. Er ist damit verbindlich. Für Maler und Lackierer, die im Baunebengewerbe beschäftigt sind, gibt es momentan noch keine Einigung auf einen neuen Tarifvertrag.

Michael Krabs

Beschäftigte im Baugewerbe erhalten nun mehr Geld. - © Sondem/Fotolia.com

Beschäftigte im Bauhauptgewerbe können sich freuen. Die Löhne und Gehälter steigen. Die vierte Tarifverhandlung hat ergeben, dass die Entgelte in zwei Stufen angehoben werden. Das bereits am 17. Mai 2016 für die rund 760.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe erzielte Verhandlungsergebnis wurde innerhalb der Erklärungsfrist von den Arbeitgeber und der Industriegewerkschaft IG Bau unterzeichnet und ist damit verbindlich.

Offen war zu Letzt noch die Frage, ob das Verhandlungsergebnis auch in Berlin gelten wird. Da der Bundesverband der Deutschen Bauindustrie kein Mandat für die Hauptstadt besitzt, muss der Berliner Landesverband dem Tarifergebnis eigenständig zustimmen. Die Zustimmung gilt nach Recherchen der Deutschen Handwerks Zeitung als höchstwahrscheinlich. Es fehlt noch die Einwilligung eines Gremiums. Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es daher einen bundesweit gültigen neuen Tarifabschluss mit Ausnahme von Berlin. Mit der Entscheidung des Stadtstaats Berlin wird bis Anfang nächster Woche gerechnet.

So sieht das Ergebnis der Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe aus

Die Löhne und Gehälter sollen in den alten Bundesländern am 1. Mai 2016 um 2,4 Prozent und am 1. Mai 2017 um 2,2 Prozent und in den neuen Bundesländern zu denselben Zeitpunkten um 2,9 Prozent und 2,4 Prozent steigen. Dies entspricht einer Gesamterhöhung von 4,6 Prozent im Westen und 5,3 Prozent im Osten bei einer Laufzeit von 22 Monaten.

Für die Tätigkeit auf auswärtigen Baustelle n wurde folgende Vereinbarung getroffen:
Die Arbeitgeber werden künftig (ab 1. Januar 2017) die Unterkünfte stellen. Anstelle der bisherigen Auslösung erhalten die Arbeitnehmer bei auswärtiger Übernachtung zukünftig einen Verpflegungszuschuss von arbeitstäglich 24 Euro.

Mehr Geld für Azubis im Baugewerbe ab 1. Juni 2016

Für die Auszubildenden wird die Ausbildungsvergütung nach den Ausbildungsjahren degressiv gestaffelt zum 1. Juni 2016 und 1. Juni 2017 erhöht.

Übersicht

  1. Stufe Anstieg 2. Stufe Anstieg
Alte Bundesländer 1. Mai 2016 um 2,4 Prozent 1. Mai 2017 um 2,2 Prozent
Neue Bundesländer 1. Mai 2016 um 2,9 Prozent 1. Mai 2017 um 2,4 Prozent
Auszubildende 1. Juni 2016 nach den Ausbildungsjahren degressiv gestaffelt 1. Juni 2017 nach den Ausbildungsjahren degressiv gestaffelt

Frank Dupré, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, und Andreas Schmieg, Vizepräsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, sagten zum Ende der Verhandlungen: „Mit diesem Abschluss sind wir der Gewerkschaft weit entgegen gekommen. Unsere Mitarbeiter erhalten aufgrund der niedrigen Inflationsrate eine deutliche Reallohnsteigerung und einen angemessenen Anteil an der Branchenentwicklung. Auch die Lohnangleichung Ost-West schreitet voran. Insbesondere durch die Erhöhung der Ausbildungsvergütungen wird die Attraktivität der Branche weiter gesteigert.“ 

Das Verhandlungsergebnis steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Gremien der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaft.

Kein Tarifabschluss für Maler und Lackierer – Schlichtung gestartet

So positiv der Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe auch ist, im Baunebengewerbe stehen die Zeichen derzeit auf Arbeitskampf. Für die rund 140.000 in Deutschland beschäftigten Maler und Lackierer gab es auch nach der vierten Verhandlungsrunde keine Einigung. Arbeitgeber und Gewerkschaften konnten sich am 03. Juni 2016 nicht auf einen für beide Seiten tragfähigen Kompromiss einigen.

Die Vorstellungen beider Tarifpartner liegen hier weit auseinander.

Das fordert die IG Bau:

  • ein Plus von 5,9 Prozent für zwölf Monate
  • der 24. und 31. Dezember sollen bei vollen Bezügen arbeitsfrei sein
  • Ostlöhne sollen schrittweise an die Westlöhne angepasst werden.

Das bieten die Arbeitgeber:

  • Tarifvertrag soll für 24 Monate abgeschlossen werden
  • pro Jahr ein Plus von einem Prozent.

Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz sowie die IG Bau haben die Verhandlungen jetzt abgebrochen und beantragt das Schlichtungsverfahren durchzuführen. Danach muss innerhalb von 10 Tagen die erste Schlichtungsverhandlung stattfinden. Binnen weiterer 10 Tage muss ein Schlichtungsergebnis vorliegen. Gelingt dies nicht, endet die Friedenspflicht und es folgt ein tarifloser Zustand. Der erste Schlichtungstermin findet am 16. Juni 2016 in Wiesbaden statt.