Das deutsche Baugewerbe muss wegen eines unerwartet starken Rückgangs im öffentlichen Bau seine Jahresprognose nach unten korrigieren. Wie der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) Hans-Hartwig Loewenstein sagte, rechnet er jetzt mit einem Plus beim Jahresumsatz von 2,3 Prozent auf gut 94 Milliarden Euro. Im Frühjahr war der Verband dagegen noch von einem Umsatzzuwachs von 3,8 Prozent ausgegangen.
Im öffentlichen Bau hatte Loewenstein im April noch mit einer "schwarzen Null" für das laufende Jahr gerechnet. "Per Juni schlagen hier aber minus 8,4 Prozent ins Kontor", räumte er ein. Im öffentlichen Hochbau habe es bei Auftragseingängen ab dem Frühjahr einen "regelrechten Sinkflug" gegeben. Dagegen zeigten die Aufträge im öffentlichen Tiefbau eine positive Entwicklung. Für das Gesamtjahr erwarte er jetzt einen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent auf 26,84 Milliarden Euro. Selbst diese Prognose stehe aber noch unter dem "Damoklesschwert der Eurokrise", sagte er. Sollte diese wider Erwarten stärker auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen, stünden Bauinvestitionen zur Disposition. Schon jetzt gebe es Berichte über "auf Eis gelegte" Projekte.
Im privaten Wohnungsbau läuft es dagegen nach wie vor gut. Nicht zuletzt wegen eines Auftragszuwachses von zwölf Prozent im ersten Halbjahr hält der Verband deshalb an seiner bisherigen Jahresumsatzprognose fest. Für das Gesamtjahr erwartet er ein Plus von 6,7 Prozent auf 33,02 Milliarden Euro. Schon im ersten Halbjahr hat der Umsatz um 6,5 Prozent auf 14 Milliarden Euro zugelegt. Wie Loewenstein sagte, ist der Umsatzzuwachs vor allem einer höheren Arbeitsproduktivität und höheren Preisen zuzurechnen. Die Preise für Bauleistungen an Wohngebäuden seien im ersten Halbjahr um knapp drei Prozent gestiegen. Die erhöhten Material- und Arbeitskosten hätten so im Wesentlichen an die Kunden weitergegeben werden können. Die Bauleistung selbst habe auf Vorjahresniveau gelegen.
Im Wirtschaftsbau hat sich das Wachstumstempo etwas abgeschwächt. Für das Gesamtjahr hat der Verband seine Umsatzprognose deshalb von ursprünglich 4,1 Prozent auf 2,5 Prozent oder 34,49 Milliarden Euro zurückgeschraubt. Im ersten Halbjahr konnte der Wirtschaftsbau vor allem wegen eines deutlichen Zuwachses im Hochbau seine Umsätze um knapp zwei Prozent erhöhen.
Die abgeschwächten Erwartungen machen sich auch bei den Mitarbeitern bemerkbar. So rechnet der Verband im Jahresdurchschnitt mit rund 745.000 Beschäftigten. Das wäre ein Plus von rund 1,5 Prozent. Im Frühjahr hatte er noch ein Plus von 2,2 Prozent auf 750.000 Mitarbeitern erwartet. bir
