Konjunktur Baugewerbe korrigiert Umsatzerwartung nach oben

Die Stimmung im deutschen Baugewerbe ist gut. Der Verband korrigierte seine Umsatzprognose vom Jahresanfang damit um knapp einen Prozentpunkt nach oben. Weitere Impulse erwartet die Branche durch die von der Politik angekündigte Energiewende.Von Karin Birk, Berlin

Baugewerbe korrigiert Umsatzerwartung nach oben

"Wir erwarten einen Umsatz im Bauhauptgewerbe von 83,5 Milliarden Euro. Ein Plus von 1,9 Prozent“, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein. Zumindest in den vom Hoch- und Ausbau geprägten Betrieben sei die Stimmung deutlich gestiegen, sagte Loewenstein. Die Zahl der Beschäftigten werde trotz der guten Aussichten um 0,8 Prozent auf 710.000 zurückgehen. Getragen werde der Aufschwung vor allem vom Wirtschaftsbau und vom privaten Wohnungsbau, während die Bautätigkeit im öffentlichen Bau zurückgehe.

Schon jetzt profitiert nach den Worten Loewensteins der private Wohnungsbau und hier insbesondere der Neubau von der anhaltend stabilen Situation am Arbeitsmarkt, von steigenden Einkommen, niedrigen Zinsen und einem moderaten Wachstum der Baukosten. Nach einer weiteren Zunahme der Baugenehmigungen hat der Verband deshalb seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr von plus 3,0 – wie noch zu Jahresanfang erwartet – auf 4,4 Prozent damit auf 27,5 Milliarden Euro nach oben korrigiert.

Mehr Investitionen in Fabrikhallen und Handelsgebäude

Auch im Wirtschaftsbau geht es deutlich aufwärts. Die Firmen investierten aufgrund der guten Wirtschaftslage insbesondere wieder mehr in Fabrikhallen und Handelsgebäude. Der Verband konnte auch hier angesichts der gestiegenen Auftragseingänge seine Umsatzerwartungen von Plus 2,7 Prozent auf 4,0 Prozent oder 30,8 Milliarden Euro nach oben schrauben.

Kritisch sieht Loewenstein dagegen die Entwicklung im öffentlichen Bau und hier insbesondere im Tiefbau. Ingesamt rechnet er in diesem Segment mit einem Umsatzminus von drei Prozent auf 25,3 Milliarden Euro. Der anhaltende Rückgang der Investitionen in die Infrastruktur sei für den Wirtschaftsstandort Deutschland hoch gefährlich, warnte Loewenstein. "Der anhaltende Substanzverzehr der Infrastruktur muss beendet werden“, fügte er hinzu. Das in die Haushaltsplanung veranschlagte Budget von zehn Milliarden Euro für Investitionen in Verkehrsträger müsse mindestens gehalten werden und dürfe nicht Investitionen in Klimaschutzziele gegen gerechnet werden.

KfW-Förderung für Gebäudesanierung aufstocken

Mit Blick auf die Energiewende unterstrich Loewenstein seine Forderung, KfW-Födergelder für die Gebäudesanierung mindestens auf zwei Milliarden Euro pro Jahr zu halten und dann sukzessive auf fünf Milliarden Euro pro Jahr aufzustocken, sowie den Energie- und Klimafonds bald mit einer Milliarde Euro auszustatten. Anders, so Loewenstein, sei eine Sanierungsrate von zwei Prozent nicht zu erreichen.

Da bei mancher älterer Immobilie die Sanierung weniger Sinn mache als ein Neubau, sollten auch Ersatzneubauten gefördert werden. Um Investitionen in energieeffiziente Immobilien anzukurbeln, seien neben dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm auch steuerliche Anreize notwendig. Für Selbstnutzer schlägt der Verband deshalb eine degressive Klimaschutzabschreibung von zehn Prozent auf zehn Jahre vor.