125 Jahre Deutsches Baugewerbe Baugewerbe fordert mehr Schützenhilfe

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes feiert 125-jähriges Bestehen. Doch die schlechte wirtschaftliche Lage trübt die Stimmung. Immerhin: Kanzler Olaf Scholz und Bauministerin Klara Geywitz machen Hoffnung, dass die degressive Abschreibung bald kommt.

Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, beim Festakt zu "125 Jahre Deutsches Baugewerbe" im Humboldt Forum im Berliner Schloss. - © picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes hat in seiner Geschichte schon viele Höhen und Tiefen erlebt. "Wir nehmen jede Herausforderung an, wir sind sturmerprobt im wahrsten Sinne des Wortes", sagte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes bei der Festveranstaltung zum 125-jährigen Bestehens des Verbandes in Berlin. Damit die vielen im Verband vertretenen mittelständischen Unternehmen aber ihre ganze Stärke ausspielen könnten, brauche es die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Hier habe es in den vergangenen Monaten ordentlich gehapert.

Scholz: Wir investieren, fördern und machen Tempo

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versicherte, die Krise im Wohnungsbau in dreifacher Hinsicht anzugehen: "Wir investieren, wir fördern, wir machen Tempo", fasste Scholz die Strategie zusammen. Scholz wies auf die verschiedenen Förderprogramme des Bundes für bezahlbares Wohnen hin. Auch würden Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt. Zudem sei das Bürokratie-Entlastungsgesetz IV jüngst vom Kabinett beschlossen worden. Der Bundeskanzler zeigte sich zuversichtlich, dass die degressive Abschreibung kommen und das Wachstumschancengesetz in veränderter Form bald beschlossen werde.

Schubert-Raab: Da muss schneller was passieren

Nach den Worten Schubert-Raabs hat die Politik zwar mittlerweile die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen verstanden. Was bisher gerade im Wohnungsbau angekommen sei, reiche aber nicht aus. "Es gibt zu viel politisches Hickhack um existenziell wichtige Maßnahmen", betonte er. Diese könne man keinem Bauunternehmer mehr erklären, der um Aufträge und Beschäftigung kämpfe. "Da muss mehr, da muss schneller was passieren", forderte er nicht nur mit Blick auf die lang versprochene degressive Abschreibung und eine entsprechende Abstimmung im Bundesrat am 22. März.

Branche fordert niedrigere Steuern und Abgaben

Nötig sind nach den Worten Schubert-Raabs auskömmliche Förderprogramme nicht nur für die höchsten Baustandards. Darüber hinaus müsse die Politik den Bürokratieabbau ernster nehmen. Zu den vernünftigen Rahmenbedingungen gehören für Schubert-Raab auch konkurrenzfähige Steuern, eine Sozialabgabenlast von maximal 40 Prozent und wettbewerbsfähige Energiepreise.

Große Herausforderung: Fachkräftesicherung

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass die degressive Abschreibung bald kommen werde. Zudem forderte sie erneut die Länder auf, durch niedrigere Grunderwerbsteuern das Bauen günstiger zu machen. Sowohl Geywitz als auch IG-Bau-Chef Robert Feiger und ZDB-Präsident Schubert-Raab sehen in der Fachkräftesicherung eine der größten Herausforderungen des Baugewerbes. Die Branche werde sich angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels die Frage stellen müssen, wie mit weniger Personal mehr gebaut werden könne, sagte Schubert-Raab. Die Themen Künstliche Intelligenz, Robotik, Digitalisierung und Verfertigung müssten dafür noch stärker in den Fokus rücken.