Der dramatische Rückgang der Baugenehmigungen sorgt für Alarmstimmung in der Bauwirtschaft. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes fordert nach der Bundestagswahl entschlossene Maßnahmen zur Belebung des Wohnungsbaus.

Angesichts der niedrigen Baugenehmigungen im vergangenen Jahr fordert der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) durchgreifende Gegenmaßnahmen. "Fakt ist, wir brauchen den Bauturbo – und zwar schnell", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa zu den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach wurden im vergangenen Jahr 215.900 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt – ein Rückgang um 43.700 Wohnungen oder 16,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Verband warnt vor Rückgang der Fertigstellungen
Die Entwicklung verheißt nichts Gutes für die Bautätigkeit. "Fehlende Baugenehmigungen von heute sind die fehlenden Wohnungen von morgen", warnte Pakleppa. Für 2025 rechnet er mit der Fertigstellung von 225.000 bis 230.000 Wohnungen (Vorjahr: 255.000 prognostiziert). Sollte es keinen "entschlossenen Investitionsschub im Wohnungsbau durch die nächste Bundesregierung geben", drohe für 2026 ein weiterer Rückgang. Notwendig seien Maßnahmen zur Senkung von Bau- und Baunebenkosten sowie eine auskömmliche und planbare Förderpolitik.
Bauministerium sieht Trendwende in Sicht
Das Bundesbauministerium zeigt sich optimistischer: "Der Rückgang der Baugenehmigungen insgesamt hat sich bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2024 abgeschwächt. Wir erwarten in diesem Jahr die Trendwende", sagte ein Ministeriumssprecher. Zudem seien die Zinsen für Wohnungsbaukredite gesunken, der Anstieg der Baukosten habe sich verlangsamt, und die Auftragslage am Bau verbessere sich. Der Bund wolle bis 2028 insgesamt 21,65 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Allein 2024 seien rund 55.000 Sozialwohnungen gefördert worden – allerdings waren ursprünglich deutlich mehr geplant.
ZDB kritisiert unstete Förderpolitik
Neben Preis- und Zinssteigerungen infolge des Ukraine-Krieges sieht der ZDB auch politische Fehlentscheidungen als Ursache für den Rückgang der Baugenehmigungen. "In der entscheidenden Phase zu Beginn der Legislaturperiode – als sich die Finanzierungskosten verdreifachten – wurde die Neubauförderung ausgesetzt", erklärte Pakleppa. Danach habe es eine unstete und angesichts verschärfter Effizienzstandards unzureichende Förderpolitik gegeben. Die später eingeführten steuerlichen Anreize wie die degressive Abschreibung und die Sonder-AfA seien zwar Schritte in die richtige Richtung gewesen, aber zu spät gekommen und hätten nur dem Mietwohnungsbau genutzt.