Einige Unternehmen haben im vierten Vierteljahr 2022 ihre Verkaufspreise stärker erhöht als es durch die Entwicklung der Einkaufspreise gerechtfertigt war. Nach dem Ifo-Institut zählt hierzu auch das Baugewerbe.

"Diese Firmen haben die Lage genutzt, um ihre Gewinne kräftig zu steigern", sagte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Ifo-Niederlassung in Dresden. Das gelte vor allem für Unternehmen im Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie im Baugewerbe. In der Land- und Forstwirtschaft, die im Sommer zu den Inflationsgewinnern zählte, hatten dagegen zuletzt die steigenden Kosten verstärkt durchgeschlagen. In fast allen großen Wirtschaftszweigen seien die Bruttobetriebsüberschüsse stark gestiegen. Das sind die Unternehmensgewinne zuzüglich Abschreibungen und sonstigen Nettoproduktionsabgaben.
"Auch wenn die Rate weiterhin hoch ist, hat sich die Dynamik der Preisanhebungen gegenüber dem dritten Quartal etwas abgeschwächt. Für die Verbraucher besteht damit Hoffnung, dass der Höhepunkt der Inflation überschritten ist", sagte Ragnitz.
Wettbewerb und staatliche Entlastungen als Strategien gegen die Inflation
Nach dem Ifo-Institut helfe gegen überzogene Preisanhebungen nur mehr Wettbewerb. Die Regierung könne zur Senkung der Inflation beitragen, indem sie auf breit angelegte Entlastungen zugunsten aller Haushalte verzichte und sich auf besonders arme Haushalte beschränke. Des Weiteren würde die Gefahr eines neuerlichen Inflationsschubs bestehen, falls sich Gewerkschaften mit ihren hohen Lohnforderungen durch setzten.
Ein falsches Bild von der Realität?
Die Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Phase. Von Mitte bis Ende Februar 2023 hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine Umfrage unter 2.339 Betrieben durchgeführt. Laut der ZDH-Umfrage sind für die Mehrheit der Betriebe bestehende Aufträge unwirtschaftlich.
ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte dem "handwerk magazin": "Von immer mehr Betrieben hören wir, dass momentan deutlich weniger Neuaufträge ankommen." Das gelte auch für das Baugewerbe, bei dem die gewerbliche Nachfrage zugleich durch die unsicheren Konjunkturaussichten gebremst würde. Besonders drastisch ist der Rückgang im Wohnungsbau. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind die Aufträge im Dezember 2022 real um rund 32 Prozent zurückgegangen. "Wie befürchtet, sehen wir die Auftragserteilung im Wohnungsbau weiter im freien Fall", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB).
Bereits im Dezember vergangenen Jahres war das Ifo-Instritut zu dem Schluss gekommen, dass das Baugewerbe dennoch zu den Inflationsgewinnern gehöre. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, kommentierte damals: "Anders als das Ifo-Institut kürzlich einschätzte, könne man die Branche nicht als Inflationsgewinner darstellen – auch wenn der Umsatz 2022 nominal noch im Plus ist und das reale Minus auf überdurchschnittliche Preissteigerungen für Bauleistungen zurückzuführen ist." gsa