Datenbanken werden zum wichtigsten Werkzeug Bauen mit BIM

Die Baubranche steht vor einem gewaltigen Umbruch. Mit dem Building Information Modeling, kurz BIM, hält die Digitalisierung Einzug auf den Baustellen.

Ulrich Steudel

Building Information Modeling ermöglicht die virtuelle Simulation des gesamten Bauprozesses, bevor der erste Handgriff geschieht. - © BRZ

BIM auf der IH

Ob Bauherr oder Planer, ob Handwerker oder Dienstleister: Für alle Glieder der Wertschöpfungskette bleibt kein Stein auf dem anderen – von der Planung bis zum Abriss.

Bei BIM handelt es sich um eine Arbeitsmethode, die auf der Vernetzung aller relevanten Daten eines Bauwerks basiert. In mehrdimensionalen Zeichnungen werden Bauteile mit Daten zu Lieferanten, Preisen oder Terminen verknüpft. Über Datenbrillen bekommen Handwerker gezeigt, wie sie bestimmte Arbeiten auszuführen haben. Virtuelle Nachunternehmerschulung nennen das die Experten. Facility Manager können abrufen, wann ein Bauteil gewartet oder ausgetauscht werden muss. Vieles klingt nach Zukunftsmusik.

BIM-Experten auf der Bau in München

"Aber die Visionen rücken näher und die Zeit der Umsetzung wird kürzer", sagte Hinrich Münzner vom Tragwerksplaner Boll und Partner, wo BIM schon seit 2008 angewendet wird, zur Messe Bau in München. Auf der Fachveranstaltung "Digitales planen, bauen und betreiben" warnte Münzner gleichzeitig davor, bei der Einführung von BIM in die Arbeitsprozesse zu viel zu wollen.

Für ihn ist BIM nicht einfach ein neues CAD, sondern eine ganz neue Methode, die nur Schritt für Schritt umgesetzt werden könne. Denn BIM baut auf Datenbanken auf, die befüllt und gepflegt werden müssen. Ehe die Unternehmen von Bibliotheken voller digitaler Bauteile profitieren können, müssen sie viel akribische Fleißarbeit investieren.

Aufgrund der Komplexität von BIM rät auch Sebastian Hollermann von der Zimmerei Sieveke in Lohne interessierten Handwerksbetrieben, nicht alles auf einmal zu wollen. "Lieber klein anfangen und später erweitern", sagt Hollermann.

Aber sein wichtigster Tipp lautet, sich bei seinen Lösungen nicht von einem speziellen Format oder einer Softwarefirma abhängig zu machen. Schließlich brauchen Datenbanken Übergabepunkte, um sich mit anderen Partnern eines Bauprojektes verbinden zu können. Ohne Vernetzung kein Building Information Modeling.

Zimmerei Sieveke: Mit Tradition in die Zukunft

Die 1912 gegründete Zimmerei Sieveke liefert ein Beispiel dafür, wie sich ein traditionsreicher Handwerksbetrieb den Herausforderungen der Zukunft stellt. Das Unternehmen hat sich auf Pfosten- Riegel-Kons­truktionen in Hybrid- und Holzbauweise spezialisiert und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter.

Schon vor Jahren wurden hier die eigenen Arbeitsprozesse klar definiert und anschließend Abläufe von der Planung über Arbeitsvorbereitung, Vorfertigung, Montage bis hin zur Abnahme nach und nach auf BIM umgestellt. Dabei werden auch die Lehrlinge einbezogen, die schon mal dem Polier erklären, wie die App zur digitalen Zeiterfassung funktioniert. Sogar ihre Urlaubsanträge stellen die Mitarbeiter via Smartphone.

Sebastian Hollermann. - © privat

"Das Vordenken ist digital geworden", benennt Christian Buhr den Unterschied zur traditionellen Arbeitsweise im Zimmererhandwerk. Der Sieveke-Geschäftsführer hat mit Sebastian Hollermann einen ehemaligen Lehrling des Unternehmens nach dessen Studium und Promotion wieder zurück ins Handwerk geholt, um hier BIM voranzutreiben.

Mit Erfolg: Gemeinsam mit Jens Bille vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik und Olaf Peters von der TU Dresden hat Hollermann für das Projekt BIM@work den zweiten Preis im Wettbewerb "Auf IT gebaut" gewonnen. Bei BIM@work handelt es sich um ein webbasiertes Lernangebot für Handwerker und Dozenten von Bildungseinrichtungen der Handwerkskammern, das am Beispiel der Zimmerei Sieveke aufzeigt, wie sich kleine Betriebe der BIM-Methode nähern können.

Jungmeister bauen auf BIM

Das Angebot stieß bei Meistervorbereitungskursen der Handwerkskammern Leipzig und Hannover bereits auf positive Resonanz. 80 Prozent der Meisterschüler gaben an, in Zukunft mit BIM arbeiten zu wollen. Die Gegenwart sieht freilich anders aus, wie eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zur Digitalisierung der Bauwirtschaft zeigt.

Demnach wird die Bedeutung digitaler Abläufe zwar von 93 Prozent der 40 befragten Bauunternehmen und Zulieferer erkannt, doch die wenigsten handeln entsprechend. Weniger als 6 Prozent der Firmen würden durchgehend digitale Planungstools einsetzen, dabei könnten allein bei der Beschaffung bis zu 10 Prozent der Kosten eingespart werden.

Noch kommt BIM auf deutschen Baustellen nur langsam voran, aber auf der Messe Bau in München war das Interesse an allen Veranstaltungen zum Thema riesig. Zeichen eines Aufbruchs.

BIM auf der IHM

BIM ist keine Zukunftsmusik. Ab 2020 gilt die Technik für Infrastrukturprojekte laut Bundesverkehrsministerium als Standard. Die Fachtagung "Baustelle 4.0 – Der Digitale Wandel im Bau- und Ausbauhandwerk" auf der Internationalen Handwerksmesse zeigt, wie Handwerker mit dieser Herausforderung umgehen. Samstag, 11. März, 10 bis 12 Uhr, ICM Saal 5.