Bauwirtschaft Baubranche will auch 2018 wieder wachsen

Die gute Konjunktur und die niedrigen Zinsen beflügeln weiterhin die Bauwirtschaft. Jetzt muss nur noch die Politik mitziehen.

Karin Birk

Die Baubranche blickt positive in die Zukunft. - © christian42 - stock.adobe.com

Die Bauwirtschaft will auch 2018  weiter wachsen und noch mehr Personal einstellen. „Wir gehen mit Zuversicht in das laufende Jahr“, sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, zu der gemeinsamen Prognose von Bauindustrie und Baugewerbe. So dürften die Umsätze im Bauhauptgewerbe um nominal vier Prozent auf gut 117 Milliarden Euro zulegen. Dabei sei mit einer leichten Zunahme der Baupreise auf 3,5 Prozent zu rechnen. Um das leichte reale Umsatzwachstum zu stemmen, will die Branche die Zahl der Beschäftigten um knapp zwei Prozent auf rund 820.000 Mitarbeiter erhöhen. Allerdings könnte eine zu späte Regierungsbildung zu Umsatzeinbußen führen, warnen die Bauverbände.

Wachstum in allen Bausparten

Wie im Vorjahr rechnet die Branche in allen Bausparten mit steigenden Umsätzen. Für den Wohnungsbau erwarten die Verbände ein nominales Umsatzplus von 3,5 (Vorjahr: 4,0) Prozent auf 43,1 Milliarden Euro. „Für 2018 rechnen wir mit der Fertigstellung von circa 320.000 Wohneinheiten“, sagte ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein. Allerdings blieben Produktion und Fertigstellungen auf den weiterhin boomenden Geschosswohnungsbau beschränkt. Mittlerweile entfielen rund 60 Prozent der Neubaugenehmigungen auf den Mehrfamilienhausbau, vornehmlich in Ballungszentren.

Flaschenhals bleibt das Bauland

Der klassische Eigenheimbau werde dagegen auf Vorjahresniveau stagnieren. Entsprechend geringer fielen schon im Vorjahr die Umsätze kleinerer Baubetriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern aus, die sich vornehmlich auf den Ein- und Zweifamilienhäuser konzentrieren. Damit der jährliche Bedarf von rund 350.000 neuen Wohneinheiten gedeckt werde könne, müsse ausreichend bezahlbares Bauland zur Verfügung gestellt werden, forderten Hübner und Loewenstein.

Gut gefüllte Auftragsbücher im Wirtschaftsbau

Im Wirtschaftsbau geht die Branche angesichts des weiter steigenden Auslastungsgrades der Industrie und der gut gefüllten Auftragsbücher von einem Wachstum von nominal 4 (Vorjahr: 6) Prozent auf 41,2 Milliarden Euro aus. Auch im öffentlichen Bau profitieren die Bauunternehmen noch von den schon in der vergangenen Legislaturperiode angestoßenen höheren Investitionen. Insgesamt werde hier mit einem Wachstum von 4,0 (Vorjahr: 5,5) Prozent auf 32,9 Milliarden Euro gerechnet. Allerdings könnte manche Neubaumaßnahme 2018 nicht mehr in Angriff genommen werden, sollte sich die Regierungsbildung zu lange hinziehen.

Verbände fordern ein Ministerium für Bau und Infrastruktur

Mit Blick auf anstehende Koalitionsverhandlungen forderten die Verbandsvertreter künftig wieder ein gemeinsames Ministerium für die Bau- und für die Verkehrsinfrastrukturpolitik. Die bisherige Lösung sei zu oft zulasten des Baus gegangene, bemängelten beide. Dies gelte etwa für die Entsorgung von Bauabfällen. Die Politik müsse außerdem dafür sorgen, dass nicht nur genügend Geld, sondern auch genügend baureife Projekte zur Verfügung stünden.

Solo-Selbständige besser in Sozialversicherungen einbinden

Angesichts der zunehmenden Zahl von rund 150.000 Solo-Selbständigen forderten die Spitzenverbände der Bauwirtschaft eine obligatorische Altersversorgung in die gesetzliche Rentenversicherung oder in die privaten Versorgungswerke. Außerdem sei darüber nachzudenken, Solo-Selbständigen „eine Kranken- und Unfallversicherung“ zu ermöglichen, betonte Loewenstein. Kritik äußerten die Verbände an den bisherigen Plänen zur Revision der EU-Entsenderichtlinie. Die Branche brauche praxistaugliche Lösungen, zumal die Finanzkontrolle Schwarzarbeit schon heute an ihre Grenzen stoße.