Positiver Trend im Tiefbau Baubranche mit weniger Aufträgen ins Jahr gestartet

Im Wohnungsbau ist der Einbruch besonders deutlich. Das Baugewerbe fordert weitere staatliche Unterstützung.

Schwere Zeiten im Wohnungsbau. - © Lichtwolke99 - stock.adobe.com

Die seit Monaten geschwächte deutsche Bauwirtschaft kommt nicht aus der Talsohle. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe fiel nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Januar 2024 inflationsbereinigt um 7,4 Prozent geringer aus als im Dezember 2023. Im Hochbau – zu dem auch der Wohnungsbau zählt – seien die Auftragseingänge um zwölf Prozent zurückgegangen. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) fordert deshalb weitere staatliche Hilfen.

Größtes Sorgenkind: Wohnungsbau

Nicht nur der Blick auf den Vormonat, auch der Vergleich zu den Vorjahreszahlen ist ernüchternd: "Für den Wohnungsbaumarkt beginnt das neue Jahr fatalerweise, wie das alte endete", sagte ZDB Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Im Wohnungsbau seien die Auftragseingänge real um 17,5 Prozent zurückgegangen. "Diese Entwicklung macht uns große Sorgen", fügte er hinzu. Insgesamt sei der Auftragseingang im Hochbau im Vergleich zum Vorjahresmonat real um sechs Prozent zurückgegangen. Für die Wohnungsbauunternehmen werde es immer schwerer, die in den Vorjahren neu an Bord geholten Mitarbeiter zu beschäftigen.

Wirtschaftsbau legt zu 

Im Tiefbau verzeichnete der Bauverband dagegen einen positiven Trend. Hier haben die Auftragseingänge real um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Dies gelte insbesondere für den Wirtschaftsbau. "Es sind weiter vor allem Großprojekte bei der Energie- und Verkehrsinfrastruktur, die hier zu Buche schlagen", sagte Pakleppa. Allerdings partizipiere der Baumittelstand hier nicht adäquat.

Pakleppa: Für Wohnungsbau mehr Hilfen nötig

Für das Deutsche Bauhauptgewerbe machen die Zahlen eines deutlich: "Früher oder später wird die Bundesregierung um eine Entscheidung nicht herumkommen: entweder senkt sie die Anforderungen im Wohnungsneubau oder sie erhöht die Förderungen", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Denn bei hohen Bauzinsen und Materialpreisen sowie den energetischen Anforderungen sei eine Zinsstütze für viele Bauherren die letzte Möglichkeit, überhaupt noch zu bauen. "Die Förderprogramme müssen auf den EH 55-Standard ausgerichtet werden und sind langfristig budgetsicher auszustatten", forderte er.

ZDB:  Wachstumschancengesetz allein reicht nicht

Das am 22. März beschlossene Wachstumschancengesetz ist nach den Worten Pakleppas ein wichtiges Signal. Bauherren und Branche seien froh, dass die Union dem Gesetz zugestimmt habe. Im Wohnungsbau schaffe es samt der degressiven Abschreibungsmöglichkeit bei den Wohngebäuden mehr Investitionssicherheit. "Damit allein ist die deutsche Wohnungskrise aber noch nicht gelöst", unterstrich Pakleppa seine Forderung.

Weniger Umsatz im Vergleich zum Vorjahr

Insgesamt ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe nach Angaben des ZDB im Januar 2024 im Vergleich zum Vorjahresmonat um nominal 3,7 Prozent beziehungsweise real um 5,3 Prozent auf rund fünf Milliarden Euro zurückgegangen. Dabei sank der Umsatz im Wohnungsbau um nominal 16 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der gewerbliche Bau konnte dagegen mit rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz das Vorjahresniveau halten und im Öffentlichen Bau wurden rund 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. Ein Plus von nominal drei Prozent.