Am Fuße des Fleckbergs ertönen drei mächtige Schläge. Die symbolische Sprengung, die am Montag in der Nähe von Katzhütte (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) die Erde erzittern lässt, läutet den letzten großen Bauabschnitt der ICE-Trasse durch den Thüringer Wald ein. Mit dem Anstich am Fleckbergtunnel haben am letzten der 14 Tunnel auf Thüringer Gebiet die Bauarbeiten begonnen.
Baubeginn am Fleckbergtunnel
Katzhütte (dapd-lth). Am Fuße des Fleckbergs ertönen drei mächtige Schläge. Die symbolische Sprengung, die am Montag in der Nähe von Katzhütte (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) die Erde erzittern lässt, läutet den letzten großen Bauabschnitt der ICE-Trasse durch den Thüringer Wald ein. Mit dem Anstich am Fleckbergtunnel haben am letzten der 14 Tunnel auf Thüringer Gebiet die Bauarbeiten begonnen. Ab 2017 sollen insgesamt 29 Brücken und 22 Tunnel auf der Neubaustrecke zwischen dem oberfränkischen Ebensfeld und Erfurt den Bahnverkehr deutlich beschleunigen.
Auf weniger als vier Stunden soll sich die Reisezeit mit dem ICE zwischen Berlin und München dann verkürzen. Wenn der tägliche Personenverkehr zur Ruhe kommt, werden die ganze Nacht über Hochgeschwindigkeits-Güterzüge mit sogenannten Flüsterbremsen Tausende Tonnen Waren durch den Thüringer Wald transportieren, wie der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn in Thüringen, Volker Hädrich, sagt.
Angesichts der erwarteten Steigerung des Verkehrsaufkommens in den kommenden Jahren sei das rund zehn Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8 eine gute Investition in die Zukunft, sagt Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU). "Vor allem für die nächsten Generationen wird dieses Projekt immens wichtig sein."
Bereits in sieben Monaten - so sieht es der ehrgeizige Plan vor - könnte der 1.490 Meter lange Tunnel durchbrochen werden. Momentan seien die Tunnelbauarbeiter dem Zeitplan sogar eineinhalb Monate voraus, sagt der Geschäftsführer der Tunnelbau-Firma Swietelsky GmbH, Johann Keil. Weil das Gestein den Vortrieb mit Sprengungen erlaube, kämen die Arbeiten zügig voran. "Doch vor Komplikationen ist man nie gefeit", sagt Keil.
Traditionsgemäß wird der Tunnelanstich von einer Messe und einem Gebet zur Schutzheiligen der Bergarbeiter, der heiligen Barbara, begleitet. Zudem wurde ein großes Schild mit der Aufschrift "Glück auf" über dem Eingang des Bauwerks angebracht, das inoffiziell "Tunnel Birgit" getauft wurde.
Namensgeberin ist die Tunnelpatin, Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU). "Solche Traditionen sind uns immer noch sehr wichtig", sagt Bergarbeiter Roman Thaler. Denn die Arbeit unter Tage sei immer mit einem gewissen Risiko verbunden.
Bis Anfang 2012 müssen die Männer rund 220.000 Kubikmeter Gestein abbauen. 200.000 Kilogramm Sprengstoff und eine Million Liter Diesel werden dafür gebraucht. 4.000 Tonnen Eisen und 100.000 Kubikmeter Beton sollen die Tunnelkonstruktion stützen. Das fertige Bauwerk wird 14 Meter breit sein und bietet damit genug Raum für zwei Gleise.
Trotz der Belastung, die die Bauarbeiten für Natur und Umwelt darstellen, weist Carius Kritik an dem Vorhaben zurück. So sei die Trasse ökologisch sinnvoll, weil sie durch die schnelle Verbindung viel Güter- und Personenverkehr auf die Schiene bringen könne. Auch stehe außer Zweifel, dass nicht nur die Knotenpunkte der künftigen ICE-Strecke von dem Neubau profitieren werden, sondern der Freistaat Thüringen insgesamt.
dapd
