Bauwirtschaft vorsichtig optimistisch – Nach einem schwachen Jahr 2024 setzt die Branche auf neue Impulse. Doch ohne klare politische Weichen bleibt der Aufschwung wacklig.

Die Bau- und Ausbauwirtschaft blickt nach Umsatzrückgängen im Vorjahr mit verhaltenem Optimismus in das laufende Geschäftsjahr. "In den Gewerken der Bundesvereinigung Bauwirtschaft zeigt sich erste Zuversicht", sagte ihr Vorsitzender Marcus Nachbauer. Dieser Stimmungsaufschwung brauche jetzt Rückenwind durch die Politik. Insgesamt werde für 2025 ein leichtes Umsatzplus von 0,5 bis 1,0 Prozent auf 428 Milliarden Euro erwartet. 2024 waren die Umsätze um rund drei Prozent auf 425 Milliarden Euro gesunken.
Nullwachstum für Bauhauptgewerbe erwartet
Im Bauhauptgewerbe, zu dem auch der Wohnungsbau zählt, erwartet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) 2025 ein "Nullwachstum" nach einem Einbruch von vier Prozent im vergangenen Jahr. Im ersten Quartal sei ein Auftragsplus von 12,5 Prozent verzeichnet worden. Besonders erfreulich sei ein Auftragsplus im Wohnungsbau von 16 Prozent, sagte Nachbauer. Allerdings sei das Ausgangsniveau hier insgesamt niedrig und auch die Genehmigungszahlen blieben schwach.
Klarheit über Verwendung des Sondervermögens nötig
Im Tiefbau liegt die Auslastung nach den Worten Nachbauers weiterhin lediglich bei zwei Dritteln. "Die Auftragslage bleibt weiter angespannt." Damit die dringend benötigten Investitionen anrollen könnten, brauche es noch vor der Sommerpause Klarheit über die konkrete Verwendung der Mittel aus dem Sondervermögen. Auch Kommunen sollten davon profitieren, forderte er. Nötig sei auch eine "solide Verankerung" der Infrastrukturmittel im Bundeshaushalt 2025/2026.
Unternehmen halten an Beschäftigten fest
Viele Unternehmen der 370.000 in der Bundesvereinigung vertretenen Unternehmen haben nach den Worten von BVB-Hauptgeschäftsführer Felix Plakeppa versucht, selbst bei geringerer Auslastung die Zahl der Beschäftigten zu halten. "Auf Dauer sei das aber nicht durchzuhalten", fügte Unternehmer Nachbauer hinzu. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass die Politik jetzt liefere. Dies gelte auch für den von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) noch vor der Sommerpause angekündigten Bau-Turbo.
Nachbauer: Bauturbo allein reicht nicht
Dieser muss nach Auffassung Nachbauers das Bauen nicht nur schneller machen. Er müsse auch klare investive Impulse setzen. Nötig seien entsprechende Förderprogramme. Angesichts der nur noch knapp 252.000 fertiggestellten Wohnungen im vergangenen Jahr, bleibe Deutschland deutlich hinter dem prognostizierten Bedarf von 320.000 bis 340.000 Wohnungen zurück. Für 2025 rechnet die BVB angesichts der rückläufigen Baugenehmigungen der vergangenen zwei Jahren allerdings nur mit 225.000 fertig gestellten Wohnungen.
Klare Regelungen für Heizungseinbau gefordert
Klare Rahmenbedingungen sowie eine unbürokratische Förderung fordert Nachbauer auch für die Neuausrichtung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). "Es gilt die Reform mit Augenmaß bis Mai 2026 umzusetzen", betonte er. Noch gibt es nach den Worten Pakleppas aus den beteiligten Ministerien Wirtschaft und Umwelt keine Informationen zu möglichen Änderungen des Paragrafen 71 GEG, der den Heizungseinbau regelt.
Gebäudetechnik erwartet leichtes Umsatzplus
2024 hatten die hohen energetischen Anforderungen, eine unstete Förderpolitik sowie die insgesamt schwierige konjunkturelle Lage für viel Verunsicherung im Markt zu einem Umsatzminus von jeweils zwei Prozent im SHK- und im Elektrohandwerk geführt. Für 2025 erwartet die BVB für den Bereich Gebäudetechnik, der auch die Rollladenbauer und die Gebäudereiniger umfasst, ein Umsatzplus von rund einem Prozent auf 183 Milliarden Euro. Gestützt werde das leichte Plus durch leicht steigende Umsätze bei den Gebäudereinigern.
Dachdecker mit deutlicherem Umsatzplus
Wo wenig gebaut oder saniert wird, werden auch die Gerüstbauer und die Ausbauhandwerke (Metallbau, Maler, Tischler, Raumausstatter) wenig gebraucht. Entsprechend gering fällt das von der BVB prognostizierte Umsatzplus von 0,5 Prozent für die Ausbauhandwerke – mit Ausnahme der Tischler – aus. Bei den Gerüstbauern ist der Rückgang mit einem Umsatzminus von zwei Prozent noch stärker. Besser sind die Umsatzaussichten nach BVB-Angaben im Dachdeckerhandwerk, mit einem Plus von drei Prozent und bei den Garten- und Landschaftsgärtnern mit 2,5 Prozent.