Unternehmen in Deutschland stehen derzeit mit rund 872 Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide. Während die Kunden immer mehr Auskünfte über sich preisgeben sollen, um weitere Kredite zu erhalten, wenden viele Banken für sich selbst eine defensive Informationspolitik an. Im Zuge von Basel III fordert Unternehmerberater Carl-Dietrich Sander mehr Transparenz.
Trotz Euro-Krise bekommen viele Betriebe in Deutschland derzeit noch relativ leicht Kredite von den Banken und Sparkassen, und das bei kaum steigenden Zinsen. Laut den jüngsten Ifo-Daten empfinden es 21,2 Prozent der befragten Unternehmen als schwierig, Zugang zu Krediten zu bekommen. Dies seien immer noch weniger Firmen als vor Jahresfrist, betonten die Ifo-Ökonomen. Am schwersten tut sich bei der Kapitalbeschaffung demnach noch das Bauhauptgewerbe. Dort liegt die Kredithürde den Angaben zufolge derzeit bei 26,7 Prozent.
Basel III könnte das Kreditgeschäft allerdings noch stärker treffen. Der Neusser Unternehmer-Berater Carl Dietrich Sander spricht von einer "Informations-Asymmetrie" zwischen Banken und Firmenkunden: Kreditinstitute verlangten von ihren Firmenkunden tiefgehende Auskünfte, um deren Kreditwürdigkeit im Rating beurteilen zu können. Selber würden Banken und Sparkassen aber so gut wie nicht darüber informieren, ob und wie die neuen Anforderungen aus Basel III ihre eigenen Möglichkeiten, weiterhin aktiv im Kreditgeschäft zu agieren, einschränken.
An Banken und Sparkassen stellt Sander deshalb die Anforderungen, aktiv über die eigene Kreditrisikostrategie zu sprechen und den Kunden alternative Finanzierungswege aufzuzeigen, um die Abhängigkeit von einer oder auch zwei Kreditgebern zu reduzieren. Gleichzeitig sollten die Kreditinstitute offen über die Bewertung (Rating) des Unternehmens sprechen und die Stellschrauben für weitere Verbesserungen aus Sicht des Kreditgebers klar benennen.
Nachhholbedarf
Natürlich, so Sander, würden diejenigen Banken und Sparkassen über dieses Thema informieren, die bereits heute die Anforderungen nach Basel III erfüllen. Auch das sei für deren Firmenkunden eine wesentliche Information. Viel wichtiger ist es aus Sicht des ehemaligen Bankers Sander, dass auch klar darüber kommuniziert wird, wenn Basel III an die Bank erhebliche zusätzliche Anforderungen stellt. Der heutige Unternehmensberater verweist in diesem Zusammenhang auf eine Aussage des ehemaligen Sparkassen-Präsidenten Hassis im Februar 2012 im Handelsblatt, dass gut 50 Prozent aller Sparkassen bereits heute Basel III erfüllen. „Das bedeutet aber eben auch, dass knapp 50 Prozent noch erheblich daran arbeiten müssen. Und das kann für deren Firmenkunden erhebliche Konsequenzen haben“, so Sander. sg/dapd/CD Sander