Wohnen im Alter Barrierefrei wohnen: Handwerk ist gefragt

Die Deutschen werden immer älter. Laut einer Studie des Bundesverkehrsministeriums wird im Jahr 2030 mehr als jeder vierte Bundesbürger älter als 65 Jahre sein. Die Zahl der über 80-Jährigen wird bis 2050 sogar auf zehn Millionen steigen. Ein großer Markt also, der auf das Handwerk setzt. Doch unvorbereitet sollten die Betriebe nicht sein.

Christoph Ledder

Von der hohen Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen und Häusern profitieren Handwerks-Betriebe. Neben fachlichen Kenntnissen ist allerdings auch Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Zielgruppe gefragt. - © Foto: tdx/Kaldewei

Der demografische Wandel stellt Wohnungseigentümer vor neue Herausforderungen. Denn immer mehr Menschen haben den Wunsch, in den eigenen vier Wänden alt zu werden. Für sich genommen gibt es nichts, was diesem Wunsch im Wege steht.

Doch mit zunehmendem Alter steigen die körperlichen Einschränkungen, die den Alltag erschweren. Eine Alternative zum Pflegeheim ist daher die altersgerechte Anpassung der eigenen Wohnung. Allerdings ist in Deutschland derzeit nur rund ein Prozent der Wohnungen altersgerecht ausgestattet.

Angesichts der demografischen Entwicklung ist es ratsam, sich früh Gedanken um die altersgerechte Umgestaltung und um barrierefreies Wohnen zu machen. "Es ist wichtig, sich früh Gedanken zu machen, ob und wie man in der eigenen Wohnung alt werden kann", so Jan Neubauer vom Online-Portal pflege.de. Dementsprechend sollte man die Umbaumaßnahmen in Angriff nehmen, solange man noch körperlich und geistig fit ist.

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Handwerk kann profitieren

Ob unterfahrbare Küchenzeilen, barrierefreie Bäder oder komfortable Treppenlifts – die Nachfrage, Wohnungen altersgerecht und barrierefrei umzubauen ist in der Handwerksbranche deutlich gestiegen. "Am Deutlichsten macht es sich im Sanitärbereich bemerkbar. Hier ist die Nachfrage nach barrierefreien Duschen und WCs besonders groß", so Neubauer.

Auch in Küchen finden häufig Umbaumaßnahmen statt. So werden beispielsweise Backöfen höher gesetzt, Treppenlifte eingebaut und Bäder barrierefrei gestaltet. Allerdings sind diese Aufträge kein Selbstläufer, denn Handwerker müssen noch andere Fähigkeiten mitbringen.

Das Heruntersetzen von Backöfen ist eine Umbaumaßnahme, die die barrierefreie Umgestaltung des Wohnraumes mit sich bringt. - © Foto: corbisrfsomos/fotolia
Rollstuhlfahrer

"Neben fachlichen Kenntnissen müssen Handwerker ein gewisses Feingefühl mitbringen und es ist wichtig, dass sie mit den Bewohnern gut umgehen", so Gunnar Dittmer, Handwerker und Experte für behindertengerechtes Bauen. Handwerksbetriebe sollten sich mit der Zielgruppe auseinandersetzen.

Fortbildungen und Förderungen

Handwerksbetriebe, die sich auf Barrierefreiheit in Wohnungen und Häusern spezialisieren möchten, haben die Möglichkeit, an Weiterbildungen teilzunehmen. Darüber hinaus können Handwerker die Bildungsprämie des Bundes in Anspruch nehmen, mit der sie die Hälfte Seminarkosten abdecken können.

Auch Kunden können Hilfe von staatlicher Seite in Anspruch nehmen. Denn vor jedem Umbau steht die Finanzierung. Dabei muss die altersgerechte Anpassung der Wohnung nicht gänzlich aus eigener Tasche bezahlt werden. Verschiedene staatliche Förderungen auf Bundes- und Landesebene unterstützen Wohneigentümer bei der Finanzierung des Umbaus. So stellt beispielsweise die KfW-Bank den Eigentümern Darlehen bis zu 50.000 Euro zur Verfügung.