Das Bad könnte ein Schlüssel zum selbständigen Wohnen im Alter sein. Vorausgesetzt, es ist Barrierefrei und altersgerecht. In einem Forschungsprojekt haben nun erstmals Handwerker, Senioren und Studenten einen Entwurf für das Bad der Zukunft erarbeitet.
Für Elmar Esser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), ist eines klar: "Die Menschen möchten im Alter solange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben." Auch vor dem Hintergrund des steigenden Bedarfs an altersgerechtem Wohnraum sei es an der Zeit, Bäder zu entwickeln, die für Senioren keine Hindernisse beinhalten. Vor allem leicht zugänglich sollen sie sein.
Ein vom ZVSHK angestoßenes Forschungsprojekt hatte die Schaffung eines solchen altersgerechten Badezimmers zum Ziel. Erstmals kamen Handwerker, Senioren und Studenten der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main (HfG) zusammen, um neue und vor allem Praxistaugliche Badentwürfe zu erarbeiten. Im Mittelpunkt standen dabei Ästhetik, Komfort, Sicherheit, Hygiene, Lebensqualität und Nutzerfreundlichkeit. Die Zielgruppe war möglichst breit angelegt. Es sollte nicht bestehendes überarbeitet, sondern neue Lösungen gefunden werden.
Effiziente Raumausnutzung
Im ersten Schritt wurden die Anforderungen an ein modernes Bad untersucht: Ergonomie, Praktikabilität, Soziologie, Psychologie, Marktrelevanz, Technologie und Innovation. Dabei wurden verschiedene Interessengruppen befragt; etwa Senioren oder Menschen mit Behinderung. Die besonderen Bedürfnisse dieser Gruppen wurden thematisiert, um daraus die Anforderungen an neue Systeme und Prozesse abzuleiten .
Ausgangspunkt der Untersuchungen war ein Raum mit einer Fläche von sechs bis acht Quadratmetern. In dem Konzeptraum wurden alle relevanten Anforderungen umgesetzt und getestet. Besonders Fragen zu einer weitgehenden Modularisierung und einer effizienten Raumausnutzung konnten hier direkt überprüft werden.
Komplett neue Konzepte
Herausgekommen ist unter anderem das komplett neue Konzept einer sogenannten Badeliege, die als Mischung aus Liegestuhl und Badewanne dient. Dazu gibt es ein Sitz- und Haltesystem, das eher einem Möbelstück als einem Geländer ähnelt. Auch ein Duschvorhang, der "eigentlich einem Haltesystem für den Kreissaal gleicht" wurde entwickelt. Einen Eindruck von dem Raum können Sie sich in unserer Bildergalerie machen:
An der HfG waren acht Studenten an dem Projekt beteiligt. Am Lehrstuhl für technisches Design wurden über ein Jahr lang Produkt- und Gebrauchskonzepte gestaltet und entwickelt. Als Kooperationspartner waren bekannte Hersteller wie FSB Brakel, hansgrohe, HEWI, HSK oder KERAMAG an dem Projekt beteiligt.
Hier geht es zur offiziellen Seite des Projekts. Einen Blick in die komplette Projektdokumentation können Sie ebenfalls werfen. jr
