Brüssel greift bei Banken hart durch. Leidtragende sind kleine Sparkassen und Volksbanken. Das ist auch fürs Handwerk ein Problem.
Steffen Range

Der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof sieht die Regionalbanken in Gefahr. Sparkassen und Genossenschaftsbanken würden durch Gesetze und Regulierung auf europäischer Ebene geschwächt. "Wenn es nur noch Großbanken gibt, ist das für Mittelständler ein Problem", sagte Burghof bei einem Diskussionsabend des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und von Europe Direct in Stuttgart.
Nach Ansicht Burghofs destabilisiert die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank die deutschen Regionalbanken. „Diese Zinspolitik ist unerfreulich.“ Geschädigt würden vor allem Institute, deren Geschäftsmodell auf Einlagen gründet, also Volksbanken und Sparkassen. Die Abermilliarden an Kundengeldern belasten die kleinen Institute derzeit, angesichts von Minuszinsen zahlen sie praktisch drauf. Denn mit dem Verleih von Geld gegen Zinsen lässt sich derzeit kaum noch etwas verdienen, der Unterhalt von Filialen dagegen ist unvermindert kostspielig. Vor allem die Regionalbanken haben nach wie vor ein dichtes Netz an Geschäftsstellen.
Angelsächsisches Denken
Burghof kritisierte, dass die Aufsichtsbehörden und auch die Europäische Kommission nicht genug von den Besonderheiten des deutschen Bankensystems verstünden. "Wir haben einen Mainstream geprägt von angelsächsischen Schulbüchern."
In den meisten Ländern dominieren wenige große Finanzinstitute, ein kleinteiliges Bankensystem nach deutschem Vorbild ist unbekannt. Burghof kritisierte, dass Brüssel keine Rücksicht nehme auf kleine Regionalbanken. "Wir brauchen ein diversifiziertes Bankensystem. Homogenität ist nicht das Merkmal eines stabilen Systems." Die Aufspaltung des Bankensystems in Deutschland habe seinen Grund: Viele kleine und mittelständische Unternehmen benötigten für ihre Geldgeschäfte Partner vor Ort. "Wir dürfen uns nicht einfach unser Bankensystem verändern lassen."
Erdrückende Kosten
Der Stuttgarter Professor kritisierte, dass kleine Sparkassen dieselben Richtlinien zu erfüllen hätten wie große Finanzkonzerne. Die " absoluten Regulierungskosten" seien gewaltig und bescherten den Banken "erhebliche Rentabilitätsprobleme".
Der Europaabgeordnete Andreas Schwab (CDU) verteidigte Regulierung als politische Antwort auf eine große Krise. Allerdings sei der Bogen überspannt worden: "Es war von allem ein bisschen zu viel." Gerhard Brandstätter, Präsident des Verwaltungsrats der Südtiroler Sparkasse, pflichtete ihm bei: "Man hat übersehen, wie wichtig Regionalbanken für regionale Kreisläufe sind." Auch der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider sprach von einer "gewaltigen Regulierungsflut“. Durch den "Datenhunger" entstünde ein „unkalkulierbares Kostenrisiko". Joachim Menze, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in München, sagte, diese Botschaft sei in Brüssel angekommen. Die EU-Kommission orientiere sich am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und folge dem Prinzip „Einheit in Vielfalt“.
Sparkassen und genossenschaftliche Institute sind die wichtigsten Partner des Handwerks. Bei Krediten ans Handwerk erreichten Sparkassen und Landesbanken im vergangenen Jahr einen Marktanteil von 74,5 Prozent. Die meisten Handwerker führen ihr Konto bei einer Sparkasse oder Volks- und Raiffeisenbank.