Die gute wirtschaftliche Entwicklung könnte die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland bald unter drei Millionen sinken lassen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet damit, dass sie schon im Mai unter diese Marke fällt.
Bald weniger als drei Millionen Arbeitslose
Nürnberg (dapd). Die gute wirtschaftliche Entwicklung könnte die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland bald unter drei Millionen sinken lassen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet damit, dass sie schon im Mai unter diese Marke fällt.
"Das ist wirklich zu erwarten", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag in Nürnberg bei der Vorlage der Arbeitsmarktdaten für April. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ist sogar überzeugt, dass die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr erstmals seit 1992 auch im Jahresdurchschnitt die drei Millionen unterschreiten wird. "Der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt ist nicht zu stoppen", sagte Brüderle in Berlin.
Die Zahl der Menschen ohne Job ging nach Angaben der BA im April im Vergleich zum Vormonat um 132.000 auf 3,078 Millionen zurück. Das ist der niedrigste April-Stand seit 1992. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,3 Punkte auf 7,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitslosenzahl um 321.000.
"Mit dem konjunkturellen Aufschwung hat sich die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt fortgesetzt", sagte Weise. So habe die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nach BA-Hochrechnungen im Februar bei 27,93 Millionen gelegen und damit um 699.000 über dem Vorjahr. Dabei habe die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 457.000 und der Teilzeitbeschäftigten um 239.000 zugenommen.
"Der Beschäftigungsaufbau betrifft alle Bundesländer und nahezu alle Branchen", erklärte Weise. Besonders florierten das Gesundheits- und Sozialwesen sowie Zeitarbeit und wirtschaftliche Dienstleistungen. Jobs abgebaut wurden dagegen bei den sonstigen Dienstleistungen.
Allerdings profitieren nach wie vor nicht alle Arbeitssuchenden von dieser erfreulichen Entwicklung: Während die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen deutlich gesunken sei, liege sie bei den über 58-Jährigen noch über dem Durchschnitt, sagte Weise.
Auch sei die Struktur der neuen Beschäftigung nicht zufriedenstellend: In den vergangenen zehn Jahren seien vor allem viele befristete Jobs und Teilzeitstellen entstanden sowie Arbeitsplätze in eher nicht so gut bezahlten Dienstleistungsbereichen, kritisierte der BA-Chef.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen bezeichnete angesichts der steigenden Zahl offener Stellen die volle Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt ab 1. Mai als "große Chance" für Deutschland. Im Augenblick sei der Arbeitsmarkt "aufnahmefähig wie ein Schwamm", sagte die CDU-Politikerin in Berlin.
Den erneuten Rückgang der Arbeitslosigkeit im April bezeichnete von der Leyen als "unspektakulär, aber solide". Die Arbeitslosenzahlen seien stärker gesunken als in einem April erwartbar. Trotzdem sei dies kein Grund zur Euphorie, sagte sie und verwies auf mögliche Risiken: Deutschland sei stark vom globalen Markt abhängig, und damit bleibe abzuwarten, ob die Ereignisse im Euro-Raum, in Nordafrika und der arabischen Welt, aber auch in Japan die deutsche Wirtschaft betreffen.
Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies darauf, dass viele Betriebe zunehmend Probleme haben, freie Arbeitsplätze zu besetzen. Der zunehmende Arbeitskräftemangel ziehe Auftragsverluste nach sich und sei eine Wachstumsbremse. Die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit allein reiche aber nicht aus, um den demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials auszugleichen.
Der DGB beklagte derweil "zunehmende Ungerechtigkeit auf einem stark gespaltenen Arbeitsmarkt". Vorstandsmitglied Claus Matecki sagte, die Arbeitslosenzahlen gingen zwar zurück, aber immer mehr Menschen fielen wegen Leiharbeit und Minijobs in die "Niedriglohnfalle". "Existenzsichernde Löhne und armutsfeste Renten gibt es nur mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung", sagte Matecki.
dapd
