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Fachkräftemangel im Handwerk Bald mehr Fachkräfte aus Südost-Europa

Ein Pilotprojekt soll Fachkräften aus Bosnien-Herzegowina den Weg ins deutsche Handwerk ebnen. Hintergrund ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das zum 1. März 2020 in Kraft tritt.

Am Beispiel der Zuwanderung von Fachkräften aus Bosnien-Herzegowina wollen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und die Bundesagentur für Arbeit Erfahrungen über die Personalgewinnung in Nicht-EU-Ländern sammeln. "Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit unseren bosnischen Partnern", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer zum Start des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Pilotprojektes.

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung in Bosnien-Herzegowina soll sich die Personalsuche vorerst auf Handwerksberufe mit ausgewiesenem Fachkräftemangel konzentrieren: auf Elektroniker, Metallbauer sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Angestrebt wird die "exemplarische" Vermittlung von rund 120 Fachkräften.

Begleitmaßnahme zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Hintergrund des Pilotprojektes ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das zum 1. März 2020 in Kraft tritt. Danach sollen Fachkräfte und angehende Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland arbeiten können. Dies gilt etwa dann, wenn sie einen Arbeitsplatz, ausreichend Deutschkenntnisse und entsprechende berufliche Qualifikationen nachweisen können.

Noch ist aber nicht klar, wie das Gesetz in der Praxis umgesetzt werden kann. Hier soll das Projekt helfen. "Damit können wir ganz gezielt für den Bedarf deutscher Handwerksbetriebe die Gewinnung von Fachkräften erproben und wertvolle Erkenntnisse für die Zuwanderung nach Deutschland gewinnen", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Als Schwerpunkt-Kammern Koblenz, München und Potsdam ausgewählt

So geht es etwa um die Frage, wie die Berufsabschlüsse anerkannt und mögliche Nachqualifizierungen effizient organisiert werden können. Denn nur so haben die Betroffenen eine Chance auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland. Schwerpunktmäßig werden sich die Kammern in München, Koblenz und Potsdam sowie die zuständigen Branchenverbände der ausgewählten Berufe um die anstehenden Fragen kümmern, fügte ZDH-Geschäftsführer Karl Sebastian Schulte hinzu.

Kontakt zur bosnischen Arbeitsvermittlung aufgebaut

Wie es in der gemeinsamen Mitteilung weiter heißt, finden schon jetzt intensive Gespräche über die Kooperation mit der Arbeitsverwaltung ARZ in Bosnien-Herzegowina statt. Handwerkspräsident Wollseifer sieht in der Kooperation noch weitere Chancen: "Mit diesem Pilotprojekt leistet das Handwerk nicht nur Pionierarbeit bei der Gewinnung ausländischer Fachkräfte für kleine und mittlere Unternehmen", sagte er. "Zugleich ergeben sich neue Perspektiven für einen Austausch beider Länder in der beruflichen Bildung", fügte er hinzu. Im Handwerk fehlen nach Schätzungen des ZDH schon jetzt rund 250.000 Fachkräfte. Bereits die Hälfte der Betriebe klagen, dass offene Stellen nicht besetzt werden könnten.

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