Die Bahn hat nach einem knapp zweieinhalb Monate dauernden Baustopp am Dienstag die Arbeiten am umstrittenen Bahnprojekt "Stuttgart 21" wieder aufgenommen. Rund 300 Gegner hatten zuvor die Zufahrten zu den Baustellen auf beiden Seiten des Bahnhofs blockiert. Die Polizei musste zahlreiche Demonstranten wegtragen. Es kam zu keinen Ausschreitungen.
Bahn nimmt "Stuttgart 21"-Bauarbeiten wieder auf
Stuttgart (dapd). Die Bahn hat nach einem knapp zweieinhalb Monate dauernden Baustopp am Dienstag die Arbeiten am umstrittenen Bahnprojekt "Stuttgart 21" wieder aufgenommen. Rund 300 Gegner hatten zuvor die Zufahrten zu den Baustellen auf beiden Seiten des Bahnhofs blockiert. Die Polizei musste zahlreiche Demonstranten wegtragen. Es kam zu keinen Ausschreitungen.
Ende März hatte die Bahn angesichts des Regierungswechsels in Baden-Württemberg einen Bau- und Vergabestopp bis zur Konstituierung der neuen Landesregierung verhängt. Grüne und SPD haben zwar unterschiedliche Auffassungen zu "Stuttgart 21", einigten sich aber auf eine Volksabstimmung über das Projekt im Herbst. Bis dahin dürften keine weiteren Fakten geschaffen werden, so die Forderung.
Nach der Bildung der neuen Landesregierung im Mai drang Grün-Rot auf eine Verlängerung des Baustopps, die Bahn bekräftigte, dass dadurch Kosten von 410 Millionen Euro anfielen. Die Landesregierung zweifelte die Kosten an und lehnte den offiziellen Antrag auf einen Baustopp ab, nachdem der Konzern keine genauere Aufschlüsselung geliefert hatte. Die Bahn kündigte daraufhin an, die Bauarbeiten für "Stuttgart 21" wieder anzufahren.
Die neuerlichen Bauarbeiten führten am Dienstag zu einer etwas stärkeren Beteiligung an den Baustellenblockaden. Rund 300 Projektgegner forderten mit "Baustopp jetzt"- und "Oben bleiben"-Rufen ein Ende von "Stuttgart 21".
Zunächst versammelten sich die Gegner vor der Baustelle am Grundwassermanagement nahe des Bahnhofs-Südflügels. Mit der Blockade verweist die Gegnerorganisation der selbsternannten Parkschützer auf ein Rechtsgutachten des Umweltministeriums, nach dem die Bahn für einen Weiterbau des umstrittenen Bahnhofsprojekts zunächst ein neues Planfeststellungsverfahren beantragen müsste. Vor kurzem war bekannt geworden, dass die Bahn die doppelte Menge Grundwasser beim Bau von "Stuttgart 21" abpumpen müsste.
Am Nordflügel blockierten mehrere Demonstranten einen Lastwagen, der Baumaterial auf das Gelände schaffen sollte. Die Polizei löste beide Blockaden auf, indem sie Platzverweise aussprach und die Demonstranten wegtrug.
Ob die Proteste durch den Weiterbau erneut an Massivität zunehmen, ist noch nicht abzuschätzen. Eine Großdemonstration sei derzeit nicht geplant, sagte der Sprecher der Parkschützer, Matthias von Herrmann. Zunächst wolle man abwarten, wie sich die Bahn verhalte. Auch das Aktionsbündnis hat nach Angaben der BUND-Landesvorsitzenden Brigitte Dahlbender noch nicht über eine Großdemonstration entschieden.
Am Mittwoch (15. Juni) wollte das für "Stuttgart 21" zuständige Kommunikationsbüro über den weiteren Gang der Bauarbeiten informieren. Bis zum Abschluss des sogenannten Stresstests im Juli will die Bahn keine unumkehrbaren Fakten schaffen. Das Aktionsbündnis gegen "Stuttgart 21" hat für den Mittwoch ebenfalls eine Pressekonferenz angekündigt.
dapd
