Schlankheitskur für die Ausbildung Azubis machen nur Arbeit? Diese Methode verspricht Besserung

Nachwuchsmangel, unmotivierte Azubis – vielen Handwerkern wird die Ausbildung zur Last. Wie ein Perspektivenwechsel neuen Schwung in die Ausbildung bringen kann.

Die "5-Warum-Methode" vertieft Fragen so lange, bis nicht mehr nur das Problem an sich offensichtlich ist, sondern auch die tiefer liegenden Ursachen. - © auremar - stock.adobe.com

Wenn Jascha Bürki seine Trainings beginnt, erlebt er immer wieder dasselbe: "Die Teilnehmer berichten, dass sie Ausbildung als Last empfinden. Sie fragen: Was bringt mir der Azubi überhaupt?"

Durch einen Perspektivenwechsel versucht Bürki, neuen Schwung in die Ausbildung zu bekommen. Der Medienpädagoge leitet im Netzwerk Q 4.0 Weiterbildungen zu Lean Management an.

Dieses Prinzip kommt ursprünglich aus der Automobilindustrie, lässt sich aber auch auf andere Bereiche anwenden, beispielsweise die Ausbildung."Beim Lean-Prinzip geht es immer darum, Prozesse zu verschlanken", erklärt Bürki.

Ausgangspunkt ist die Suche nach Verschwendung. Wo im Betrieb wird unnötig viel Energie für einen Prozess verbraucht? Bezogen auf die Ausbildung könnte das heißen:

  • Wo müssen Ausbilder immer von Neuem die immer gleichen Dinge erklären?
  • Scheitern Azubis immer an ähnlichen Fächern oder Anforderungen?
  • Gibt es unnötige Reibungsverluste im zwischenmenschlichen Umgang?

Ausbildung verbessern mit der 5-Warum-Methode

Viele Fragen zu stellen gehört zu Bürkis Vorgehensweise. Die "5-Warum-Methode" vertieft Fragen so lange, bis nicht mehr nur das Problem an sich offensichtlich ist, sondern auch die tiefer liegenden Ursachen. Im Berufsalltag würden Probleme oft oberflächlich gelöst und nur die Symptome beseitigt, so Bürki. Wenn aber der Ursprung des Problems weiter bestehe, tauche es immer wieder auf. Vertiefende Fragen helfen dabei, grundsätzliche Probleme im Ausbildungsablauf zu erkennen und den individuellen Problemen einzelner Azubis auf den Grund zu gehen.

Medienpädagoge Jascha Bürki. - © Netzwerk Q 4.0

"Letztlich geht es darum, dass wir das, was an Ressourcen da ist, besser nutzbar machen", erklärt Bürki die Idee. Dafür müssten die Beteiligten die Ausbildung als Prozess betrachten. Der Azubi hat dabei eine dreifache Rolle, er steht im Vordergrund.

  • Er ist Kunde und bekommt die Dienstleistung der Ausbildung.
  • Er ist das Rohprodukt, das durch die Ausbildung verfeinert wird.
  • Der ausgelernte Azubi ist das gefertigte Werkstück.

Mit diesem Perspektivenwechsel will Bürki seinen Teilnehmern helfen, das Potenzial ihrer Auszubildenden zu sehen. "Statt nur den Aufwand zu betrachten, rücken wir die Möglichkeiten in den Blick: Die Affinität vieler Jugendlicher für moderne Technik oder auch den zufriedenen Azubi, der in seinem Netzwerk Werbung für die Ausbildung im Betrieb macht", nennt Bürki zwei Beispiele.

Veränderungen in der Ausbildung immer mit dem ganzen Team anstoßen

Wichtig sei, dass nicht nur der Chef selbst, sondern auch die Gesellen ihre Einstellung zur Ausbildung neu ausrichten. "Der Chef sollte sein Team von Anfang an im Prozess mitnehmen. Es hat keinen Sinn, sich allein Gedanken zu machen und dann alle mit den Ergebnissen zu konfrontieren", warnt Bürki. Stattdessen sollten Chef, Gesellen und Azubi gemeinsam Lösungen entwickeln.

Wenn zum Beispiel ein Azubi in einer Prüfung schlecht abgeschnitten hat, können die Beteiligten fragen: War die Zusammenarbeit mit der Schule schlecht? Passten die Lehrpläne nicht? Fehlte die Zeit, um im Betrieb zu üben? Wo liegen die tieferen Ursachen des Problems?

Ishikawa-Diagramm im Lean Management
Weshalb scheitern Azubis immer wieder an einer Prüfung? Mit systematischen Fragen werden die Ursachen klarer. - © Netzwerk Q 4.0

Anhand dieser Fragen entwickeln die Beteiligten Lösungen, die für die Zukunft bessere, schlankere Ausbildungsabläufe versprechen. Solches Verändern von Prozessen brauche Zeit, gibt Bürki zu. Erst in der nächsten Azubigeneration zeige sich, ob die Veränderungen das Problem wirklich ausgelöscht haben oder weitere Anpassungen nötig sind.

"Wir reden in den Trainings viel über Prinzipien und Methoden, damit das Ausbildungspersonal selber lernt, wie es Probleme analysieren und Prozesse verbessern kann", erklärt Bürki. Deswegen gibt es neben Selbstlernphasen auch einen Austausch der Teilnehmer untereinander. Sie diskutieren in virtuellen Treffen, wie sie die Trainingsinhalte auf ihre Ausbildungsprobleme anwenden können. "Vorgefertigte Lösungen haben wir gar nicht. Aber am Ende sollte jeder etwas entwickelt haben, damit er das Problem bei sich anpacken kann."

Netzwerk Q 4.0

Das Netzwerk Q 4.0 hat die Aufgabe, Berufsbildungspersonal fit für die Herausforderungen der Digitalisierung zu machen. Die Inhalte der ­Weiterbildungen kommen vom Institut der deutschen Wirtschaft, den ­Bildungswerken der Wirtschaft und anderen Bildungsinstitutionen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Netzwerk.
Aktuell sind diese virtuellen Weiterbildungskurse kostenlos.
https://netzwerkq40.de