Azubis finden: Ideen und Tipps Azubis finden: Jugendliche offline erreichen bleibt wichtig

Social Media Recruiting ist wichtig, genauso wie ein überzeugender Webauftritt und eine Online-Präsenz, die den digitalen Generationen gerecht wird. Wer Azubis finden möchte, darf allerdings handfeste und persönliche Gespräche sowie das Kennenlernen der praktischen Arbeit nicht aussparen – vor allem im Handwerk. Ideen und Tipps, um Nachwuchs auch offline zu erreichen.

Azubis fürs Handwerk finden
Azubis zu finden, wird zur Herausforderung: Statt alleine auf Social Media und eine gute Website sollte man dabei als Betrieb auch gut gemachte Offline-Aktionen nicht vergessen. - © Monkey Business - stock.adobe.com

Schon seitdem die Generation Z im Fokus derjenigen steht, die händeringend um Nachwuchskräfte ringen, gelten Online-Kampagnen, Video-Formate oder andere digitalen Angebote und auch Social Media Recruiting als Schlüsselbegriffe bei der Azubi-Suche. Man sollte die Jugendlichen dort abholen, wo sie sich aufhalten, auskennen und ihre Zukunft sehen, lautet ein viel gehörter Ratschlag. Dabei spielt die Online-Welt eine sehr große Rolle. Allerdings behält auch das, was offline stattfindet, seine Bedeutung.

Wie die Schülerstudie 2023 von ausbildung.de zeigt, dürfen diejenigen, die sich auf die Suche machen, um Azubis zu finden und diese zu überzeugen, auch die Offline-Ansprache nicht komplett vergessen. Gerade dort, wo es gilt, konkret zu zeigen, was ein Beruf erfordert und auch bietet – das Handwerk ist dafür ein Musterbeispiel – sind handfeste und persönliche Gespräche sowie das Kennenlernen der praktischen Arbeit bei der Azubi-Suche weiterhin wichtig.

Azubis finden bitte mit persönlichem Kontakt

In der Umfrage unter über 1.800 Schülerinnen und Schülern antworteten zwar 96 Prozent, dass sie das Internet nutzen, um sich über Arbeitgeber und Ausbildungsberufe zu informieren. Von den Unternehmen, die sich online präsentieren und hier kundgeben, dass sie Azubis suchen, erwarten die Schülerinnen und Schüler allerdings sowohl eine informative Website, als auch, dass sie persönlich ansprechbar sind für Fragen.

40 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, dass sie sich gegen eine Bewerbung bei einem Unternehmen entschieden hätten, da sie sie Informationen auf deren (Karriere-)Website als zu wenig aussagekräftig empfanden. Gleichzeitig gaben 79 Prozent auch an, dass sie als Ansprechpartner bei Fragen zur Ausbildung in einem Chat eine echte Person erwarten und keinen digitalen Assistenten. 54 Prozent möchten am liebsten direkt mit der Ausbilderin oder dem Ausbilder sprechen oder sogar Erfahrungen von einem Azubi mitgeteilt bekommen, der gerade die Ausbildung dort absolviert.

Erfahrungsaustausch wichtig, um Azubis zu finden

Zwar kann auch dieser Informationsaustausch online geschehen, doch die Umfrageergebnisse zeigen, dass die persönliche Ansprache auch weiterhin wichtig ist. So einfach kann ein Erfahrungsaustausch zwischen echten Menschen nicht ersetzt werden. Geht es darum, den potenziellen angehenden Azubis zu zeigen, was künftig auf sie zukommt – welche Arbeiten, Materialien und Möglichkeiten – ist mit dem persönlichen Gespräch auch das handfeste Sehen, Mitmachen und Ausprobieren weiterhin wichtig. Und das geschieht bei der Azubi-Suche nach dem ersten Einholen an Informationen über das Internet und auch dem ersten Kontaktaufnehmen bestenfalls offline. Die Arbeit später erfolgt im Handwerk schließlich auch größtenteils vor Ort statt nur digital.

Sowohl Betriebe als auch Handwerksorganisationen setzen deshalb auch oftmals weiterhin darauf, offline und handfest zu zeigen, was das Handwerk bietet. So setzt etwa die Handwerkskammer Ulm am 20. Juni 2024 mit der "Nacht der Ausbildung" auf eine Azubi-Messe, bei der es ganz konkret um praktische Erfahrungen geht – und das in Form einer Art Schnitzeljagd. Hier können Betriebe mitmachen und zeigen, was ihren Beruf ausmacht. Besonders macht die Messe außerdem, dass sie zu vergleichsweise später Stunde stattfindet, von 16 bis 21 Uhr.

"Durch praktische Erfahrungen können Azubis Handwerksberufe besser kennenlernen als durch abstrakte Vorstellungen. Das schafft nicht nur ein tieferes Verständnis für den jeweiligen Handwerksberuf, sondern auch eine größere Motivation und Begeisterung für das Handwerk", teilt dazu ein Sprecher der Handwerkskammer mit. Letztendlich trage dies dazu bei, dass junge Menschen fundierte Entscheidungen über ihre berufliche Zukunft treffen können. Bei der "Nacht der Ausbildung – Deine Karrierechallenge!" in Ulm seien besonders auch intensive Gespräche an den Ausstellungsständen möglich.

Ideen für die Azubi-Suche: "Nacht der Ausbildung" und "Handwerker-Games"

Als "Nacht der Ausbildung" bekannt, sind allerdings noch weitere regionale Aktionen, die sowohl von einzelnen Unternehmen organisiert und genutzt werden, als auch von ganzen Städten oder Kommunen als Gemeinschaftsaktion in Sachen Ausbildungsplatzsuche bzw. -vergabe. Dabei geht es auch wiederum um das Erleben vor Ort und den Einblick hinter die Kulissen – eine Art "Nacht der offenen Tür", da auch diese Aktionen dann bis in die Nacht hinein andauern.

So machen beispielsweise im Oktober 2024 in der Stadt Isny im Allgäu sieben Firmen mit und zeigen den Jugendlichen, was sie erwartet, wenn sie sich für eine Ausbildung entscheiden. Bequem können die potenziellen Nachwuchskräfte per Bus von Betrieb zu Betrieb fahren. Im Kreis Borken machen Betriebe eines ganzen Landkreises mit und auch in vielen anderen Orten findet man 2024 derartige Events, die bereits seit Jahren erfolgreich stattfinden. Dabei soll der Eindruck der Ausbildungssuchenden weit über die reine Information hinausgehen. Sie sehen, wo und mit wem sie im Unternehmen arbeiten können und was sie als Auszubildende im Unternehmen erwartet.

Wettbewerb der Handwerksberufe

Bevor es allerdings um einen konkreten Betrieb geht, müssen Handwerksinteressierte als Erstes die Berufe kennenlernen. Die Kreishandwerkerschaft Ravensburg hat sich dazu eine – ebenfalls sehr handfeste – Offline-Kampagne ausgedacht. So treten bei den "Handwerker-Games" im Juli 2024 Schülerinnen und Schüler, die sich gerade in der Berufsorientierung befinden, in einen Wettbewerb und müssen Aufgaben aus verschiedenen Gewerken meistern. Die regionalen Innungen haben die Aufgaben ausgewählt, die mit viel Spaß den Jugendlichen die Handwerksberufe näherbringen.

Die "Handwerker-Games" gibt es bereits seit 2017. Das Konzept sieht vor, dass die Schüler in Teams antreten und beim handfesten Ausprobieren der Tätigkeiten verschiedener Handwerksberufe einerseits eigene Talente und Interessen entdecken. Aber andererseits kann man sie auch emotional begeistern für einen potenziellen späteren Beruf. Die Kreishandwerkerschaft begleitet das Ganze ausführlich über die sozialen Medien und verknüpft hier die Offline- mit der Online-Welt.