Während der Ausbildung -

Elektronischer Ausbildungsnachweis Azubis dürfen Berichtsheft digital führen

Entlastung für Azubis: Der Bundesrat hat das bestehende Berufsbildungsgesetz angepasst. Für künftige Ausbildungsverträge gilt: Der Ausbildungsnachweis muss nicht mehr verpflichtend schriftlich erfolgen, sondern darf auch digital erstellt werden. Was dies für Auszubildende und Betriebe bedeutet.

Der Bundesrat hat am 10. März 2017 dem "Gesetz zum Abbau verzichtbarer Anordnungen der Schriftform im Verwaltungsrecht des Bundes" zugestimmt. Insgesamt 68 Gesetze und 114 Verordnungen wurden überarbeitet. Darunter auch das bestehende Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung. Und das dürfte vor allem Azubis freuen: Mit der Neuregelung ist es Auszubildenden ausdrücklich erlaubt, ihr Berichtsheft digital zu führen.

Entsprechend der neuen Gesetzgebung sind für die Erstellung des Ausbildungsnachweises nun beide Varianten zulässig: Schriftform und elektronische Form. Beachtet werden sollte, dass die Neuregelung nur für neu abgeschlossene Ausbildungsverträge ab dem 1. Oktober 2017 gilt (§ 125 HwO). Azubis, die ihre Ausbildung vorher begonnen haben, müssen das Berichtsheft weiterhin schriftlich führen.

Berichtsheft digital führen bringt Vorteile

Mussten die Berichte bislang regelmäßig ausgedruckt werden, sind für die elektronische Variante weder Papier noch Ordner nötig. Sollte der Ausbilder bei der Durchsicht der Unterlagen Anmerkungen haben, können etwaige Fehler direkt im digitalen Dokument verbessert werden. Auch dem Problem schwer lesbarer Schreibschriften kann mit dem digitalen Berichtsheft begegnet werden.

Ausbildungsbetrieb entscheidet über Zulassung eines elektronischen Ausbildungsnachweises

Bevor der Ausbildungsnachweis zur abschließenden Prüfungsmeldung vorgelegt wird, muss das Berichtsheft weiterhin vom Auszubildenden und Ausbildenden abgezeichnet werden. Hier ist zu beachten, dass nun auch der Einsatz einer elektronischen Signatur zugelassen ist.

In welcher Form das Berichtsheft vom Auszubildenden geführt werden soll, muss von den Betrieben beim Ausbildungsbeginn im Ausbildungsvertrag festgelegt werden. Ob das Berichtsheft digital oder schriftlich geführt werden muss, liegt also im Entscheidungsspielraum des jeweiligen Ausbildungsbetriebs.

Digitales Berichtsheft nicht gänzlich neu

Für Otto Pömmerl, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, ist das angepasste Gesetz keine wirkliche Überraschung: "Auf Dauer führte kein Weg daran vorbei." Ohnehin sei ein in digitaler Form geführtes Berichtsheft keine wirkliche Neuerung: "Wir stellen bereits seit über zehn Jahren ein Berichtsheftmuster auf unserer Homepage zum Download bereit, das von den Auszubildenden am PC ausgefüllt werden kann."

Teils seien Ausbilder und Prüfer sogar froh, wenn das Berichtsheft in gedruckter Form vorliegt, da es so für alle leserlich ist. An seine Grenzen stößt das digitale System seiner Meinung nach, sobald Zeichnungen und Skizzen erforderlich werden.

Neu sei, dass der Ausbildungsnachweis nun auch in digitaler Form unterschrieben und dem Prüfungsausschuss vorgelegt werden darf. Hier kann sich Pömmerl vorstellen, dass dies nicht bei allen auf große Freude stoßen wird. "Die Prüfer blättern während der Prüfung nun mal gerne im ausgedruckten Berichtsheft."

BLok: Staatlich gefördertes Online-Berichtsheft

Ein praktisches Tool für Betriebe und Azubis ist das staatlich geförderte Online-Berichtsheft BLok. Die durch den Bund und die Europäische Union unterstützte Software kann von Auszubildenden kostenfrei zur Erstellung der Ausbildungsnachweise genutzt werden. Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und Kammern haben so die Möglichkeit, das Berichtsheft unabhängig von Zeit und Ort einzusehen.

Die Nutzung des Online-Berichtshefts BLok ist für Azubis und Berufsschullehrer komplett kostenfrei. Auch Ausbildungsbetriebe können das Tool kostenlos nutzen, sofern es von ihrer zuständigen Kammer oder anderen zentralen Anbietern wie Verbänden oder Interessengemeinschaften zur Verfügung gestellt wird. Andernfalls müssen Unternehmen einen einmaligen Betrag in Höhe von 49,95 Euro zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer entrichten. Des Weiteren fällt für jeden angemeldeten Auszubildenden eine Gebühr je Ausbildungsjahr in Höhe von 9,95 Euro zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer an.

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