Tag des Ausbildungsplatzes Azubi-Suche: Betriebe müssen mehr "Spätzünder" ausbilden

Für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, können die Chancen nicht besser sein. Viele Betriebe suchen nach Nachwuchskräften. Angesichts der sinkenden Schülerzahlen, wird diese Suche jedoch schwieriger. Beim diesjährigen "Tag des Ausbildungsplatzes" steht die Integration lernschwacher und benachteiligter Jugendlicher im Fokus. Was Ausbilder im Handwerk dafür tun können, zeigt das Projekt "Stark für Ausbildung".

Jana Tashina Wörrle

Beim diesjährigen "Tag des Ausbildungsplatzes" stehen die schwächeren Jugendlichen im Vordergrund. Ausbilder sollen sich auf die verschiedenen Probleme der jungen Leute einstellen. - © Foto: auremar/Fotolia

Mit 15.000 frei gebliebenen Lehrstellen, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für Ende 2012 meldete, war der Nachwuchsmangel im Handwerk so stark wie noch nie zuvor. "Berufsorientierung voranbringen, Schulabgänger für die berufliche Bildung interessieren, Betriebe und Bewerber zusammenführen und 'Spätzündern' in den Beruf verhelfen – nennt der ZDH deshalb die Ziele zum "Tag des Ausbildungsplatzes", der jedes Jahr am 17. April stattfindet.

Besonders die Integration lernschwacher und benachteiligter Jugendlicher steht 2013 im Fokus. Doch wie kann man schon vor der Ausbildung herausfinden, welcher Azubi am besten zum Betrieb passt? Und wie kann man den Auswahlprozess auch auf die Potenziale der auf den ersten Blick schwächeren Jugendlichen ausrichten? – Mit diesen Fragen beginnt die Rubrik "Auszubildende gewinnen" der Website stark-fuer-ausbildung.de .

Und natürlich stellen die Projektmitarbeiter von "Stark für Ausbildung" nicht nur diese und andere Fragen, die auch viele Unternehmer im Handwerk in diesen Zeiten beschäftigen. Sie bieten auch umfassende Antworten und viel Informationsmaterial zum Thema an. Daneben wird es bald auch eine spezielle Weiterbildung geben, die Ausbilder gezielt auf die Ausbildung von schwächeren Jugendlichen vorbereitet. Sie wird als sogenanntes Blended-Learning-Programm angeboten, mit einzelnen Präsenzphasen und E-Learning-Modulen.

Mit Problemen umgehen können

"Die Suche nach neuen Azubis war für Handwerksbetrieb noch nie so schwer", sagt auch Berit Martens von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) und damit von einem der beiden Verbundpartner. Zusammen mit der DIHK-Bildungs-GmbH führt die ZWH seit November 2011 das Projekt durch, dessen Ziel es ist, mehr Ausbildungsbetriebe im Umgang mit schwächeren Jugendlichen zu unterstützen.

Dabei geht es sowohl um sogenannte Altbewerber, also Jugendliche, die bereits seit dem vergangenen Jahr eine Lehrstelle suchen als auch um Jugendliche mit Migrationshintergrund und um sozial benachteiligte und lernbeeinträchtigte Jugendliche. "Wir  wollen Betrieben zeigen, dass es sich lohnen kann, auch auf Jugendliche mit schwierigeren Startbedingungen zuzugehen  und damit auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken", sagt Berit Martens.

Seite 2: Tipps zur Azubi-Suche und welche Förderprogramme es gibt.>>>

Handwerksbetriebe werden sich darauf einstellen müssen, dass die Suche nach Nachwuchskräften aufwendiger wird, denn der demografische Wandel ist auch nach Ansicht der Azubi-Expertin nun kein reines Zahlenkonstrukt mehr und die Betriebe müssten darauf einstellen: "Sich jetzt vom Ausbilden zurückzuziehen und darauf zu hoffen, dass man qualifizierte Gesellen von anderen Betrieben abwerben kann, ist der falsche Weg", sagt sie.

Fünf Tipps zur Azubi-Suche

Der "Tag des Ausbildungsplatzes" bietet deshalb eine gute Chance für die beteiligten Verbände auch die Arbeitgeber über die bereits vorhandenen Unterstützungsprogramme zu informieren. Zusätzlich sollten diese:

  1. Offene Stellen unbedingt bei der Bundesagentur für Arbeit und den Kammern melden und aktives Ausbildungsmarketing betreiben.
  2. Sich auf Bewerber einlassen, die auf den ersten Blick nicht die optimalen Voraussetzungen mitbringen.
  3. Neue Arbeitsformen ausprobieren wie zum Beispiel Teilzeitausbildungen, damit auch junge Eltern eine Chance bekommen, einen Beruf zu erlernen.
  4. Kontakt zu Beratungsstellen aufnehmen wie Bundesagentur für Arbeit, Kammern und Berufsverbände.
  5. Die Ausbildungsstrukturen den individuellen Bedürfnissen der Zielgruppe anpassen und auf unterstützende und förderne Angebote zurückgreifen.

Wer sich als Arbeitgeber entschließt, einem jungen Menschen eine Chance zu geben, der vielleicht auf den ersten Blick noch nicht die passenden Qualifikationen mitbringt, kann nach Ansicht von Berit Martens doppelt punkten: "Oft bekommen die Betriebe dann treue und engagierte Fachkräfte".

Zusätzlich können Betriebe für Lehrlinge mit besonderem Förderbedarf ausbildungsbegleitende Hilfen durch sozialpädagogische Begleitung und Nachhilfestunden beantragen. Die Ausbildung von Menschen mit Behinderungen wird in vielen Fällen auch von den Agenturen für Arbeit und den Integrationsämtern durch Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung und anderen Förderungen unterstützt.

Tipp: Weitere Informationen hat das Projekt in einem Ausbilderhandbuch zusammengestellt. Hier gibt es Tipps zu allen wichtigen Themen nach alphabetischen Stichpunkten sortiert – von A wie Aufmerksamkeitsdefizit bis Z wie Zielvereinbarung. Das Ausbilderhandbuch finden Sie unter stark-fuer-ausbildung.de. Zusätzlich gibt es einen Überblick über die verschiedenen Förderprogramme .