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Bewerbung mal anders Azubi-Speed-Dating: In zehn Minuten zum Ausbildungsvertrag

Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend Azubis. Viele Jugendliche wissen nicht, wohin ihre berufliche Reise gehen soll. Mit Azubi-Speed-Dating-Events bieten Handwerkskammern beiden Seiten die Möglichkeit, sich unverbindlich zu beschnuppern. Eine gute Vorbereitung erhöht die Erfolgschancen.

Oliver Bartels erfuhr in einer Weiterbildung von der Chance, bei einem so genannten Azubi-Speed-Dating innerhalb von nur einer Stunde verschiedene Arbeitgeber aus seiner Region persönlich zu treffen. Sein Lehrer unterstützte ihn bei der Vorbereitung. Der junge Mann erinnert sich: "Wir sahen uns die Profile der teilnehmenden Betriebe im Ausstellerverzeichnis an, um zu entscheiden, welche Arbeitgeber interessant für uns sein könnten. Über diese Unternehmen informierten wir uns dann genauer. Wir bereiteten Bewerbungen vor, machten uns Gedanken dazu, welche Fragen wir den Arbeitgebern stellen und wie wir auf typische Fragen von ihnen antworten könnten. Wir sprachen in der Klasse aber auch darüber, was bei der Veranstaltung von uns erwartetet wird, und übten gemeinsam, wie man Firmen anspricht: Wie fest sollte der Händedruck sein? Was gilt es bei der Wortwahl zu beachten? Was sollte ich erwähnen, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um mich vorzustellen?" Bartels interessierte sich besonders für den Beruf des Mechatronikers und wollte mit Unternehmen sprechen, die diese ausbilden.

Liebe auf den ersten Blick?

Am Tag des Azubi-Speed-Datings fuhr Bartels gemeinsam mit seiner Klasse zur Handwerkskammer Hannover. Um warm zu werden, sprach er zunächst mit Firmen, die weniger interessant für ihn waren. Trotzdem war er zunächst aufgeregt, als er in die Gespräche mit den besonders spannenden Betrieben ging. "Ich war im ersten Moment unsicher, wie ich anfangen sollte. Aber als die Vertreter der Unternehmen mich dann fragten, wie es bisher so lief, gab mir das einen Anstoß. Und dann konnten wir uns richtig austauschen", erzählt er. Wie auch bei Vorstellungsgesprächen üblich, wurde der Bewerber gefragt, welche Hobbys er hat, wo er seine Stärken und Schwächen sieht, wie er sich den Beruf vorstellt und warum er sich dafür interessiert. Im Gespräch mit dem Ausbilder und zwei Gesellen des Unternehmens Roter Kältetechnik in Garbsen erfuhr er mehr über den Beruf des Kältemechatronikers. "Ich habe danach gefragt, seit wann die Firma ausbildet, wie die Ausbildung abläuft und welche Möglichkeiten geboten werden", sagt Bartels. Der erste positive Eindruck bestätigte sich in einem Praktikum.

Ob der auch wirklich will?

Das Unternehmen Roter Kältetechnik nimmt seit drei Jahren regelmäßig am Azubi-Speed-Dating teil, um Kontakt zu Jugendlichen zu bekommen und Gesellen zu finden. Wenn dabei ein Ausbildungsvertrag mit einem jungen Menschen wie Bartels zustande kommt, ist das auch für Geschäftsführer Timm Kröger ein Glücksgriff. "Viele junge Leute, die das Azubi-Speed-Dating besuchen, wissen schon, dass sie Mechatroniker werden möchten. Manche sind dann überrascht, dass es auch den Fachbereich Kältetechnik gibt", erzählt er. Wenn Bewerber sich beim Azubi-Speed-Dating vorstellen, legt Roter viel Wert darauf, dass die jungen Leute angemessen auftreten, vernünftig kommunizieren und wissen, was sie wollen. Dabei hört der Geschäftsführer auch auf sein Bauchgefühl: "Man merkt schnell, ob jemand wirklich Lust auf eine Ausbildung hat, oder ob er nur da ist, weil er muss."

Eine einzigartige Chance

In Hannover findet das Azubi-Speed-Dating zweimal jährlich statt. Vertreten sind mehr als dreißig verschiedene Berufe vom "klassischen Handwerk" wie Zimmermann oder Bäcker bis zu medizinischen oder künstlerischen Berufen vom Friseur oder Raumausstatter bis zum Augenoptiker oder Konditor. Auch wer in einem Handwerksunternehmen zum Beispiel eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement oder zur Automobilkauffrau machen möchte, ist hier richtig. "Natürlich sollten Bewerber sich ein bisschen auf den Besuch vorbereiten. Aber man kann hier auch mit dem Charakter, der Motivation und dem Auftreten punkten, wenn man sich schriftlich noch nicht so gut ausdrücken kann. Manchmal passt die Chemie einfach", sagt Carolin Elseg von der Handwerkskammer. Weiterer Vorteil aus Bewerbersicht: Man muss nicht lange auf eine schriftliche Antwort warten, sondern bekommt direkt ein Feedback vom potentiellen Arbeitgeber. Handwerksbetriebe, die am Azubi-Speed-Dating teilnehmen, sollten sich darauf einstellen, dass einige der Bewerber zunächst etwas schüchtern sind, meint Elseg. Wichtig sei aber auch, in der kurzen Kennenlernzeit die wichtigsten Fragen zu stellen: "Die Arbeitgeber sollten eine angenehme Atmosphäre herstellen – ein freundliches Lächeln hilft immer! – und trotzdem schnell zum Punkt kommen. Aber nach ein bis zwei Runden kommt man da erfahrungsgemäß schnell rein."

Flirtcoach: So überzeugen Azubis beim Speed-Dating

Die KAUSA-Servicestelle, ein Projekt des Bildungsministeriums, bietet als offizieller Partner der Handwerkskammer Hannover beim Azubi-Speed-Dating Trainings an, in denen junge Menschen für den Besuch des Speed-Datings fit gemacht werden. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund profitieren von diesen Trainings. Die so genannten Flirt-Coaches dauern drei Stunden und finden in Schulen oder bei Bildungsträgern statt. Dina de Haas führt diese Veranstaltungen durch und hat hier die wichtigsten Tipps zusammengefasst:

Im Vorfeld

  • Gut Informieren: Wer sich den Ausstellerkatalog angesehen, die Websites der Betriebe durchforstet, Informationen über die Berufe nachgelesen und die Gesprächssituation geübt hat, kann sich entspannter auf das Kennenlernen einlassen.
  • Ordentlich anziehen: Anzug und Krawatte müssen nicht sein, aber die ausgetretenen Sportis dürfen heute auch im Schrank bleiben.
  • Nichts vergessen: Ein paar ausgedruckte Lebensläufe sowie Stift und Papier sollten Bewerber dabeihaben.

Vor Ort

  • Handy ausschalten: Ein vibrierendes oder klingelndes Smartphone lenkt ab und hinterlässt einen schlechten Eindruck.
  • Notizen machen: Kaum jemand kann sich nach sechs aufregenden Gesprächen noch an alle Details erinnern. Deshalb sollten Bewerber sich nach jedem "Date" die wichtigsten Informationen und den Namen der Ansprechperson aufschreiben.
  • Offen sein: Es spricht nichts dagegen, sich vor Ort spontan noch Betriebe anzusehen, die im Vorfeld vielleicht weniger attraktiv erschienen. Erstens ist das eine gute Übung und zweitens eröffnet es neue Perspektiven.

Im Nachhinein

  • Den Überblick wahren: Der Geschäftsführer von Firma x wollte sich bis Ende des Monats zurückmelden? Dann sollte der Bewerber erreichbar sein oder sich zumindest zeitnah zurückmelden. Der Ausbilder von Unternehmen y hat um einen Anruf in der nächsten Woche gebeten? Dann soll er ihn natürlich auch bekommen.

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