Die aktuelle OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" lobt Deutschlands leistungsfähiges Ausbildungssystem und niedrige Jugendarbeitslosigkeit – warnt aber zugleich vor einer deutlich wachsenden Kluft bei den Bildungsabschlüssen und Grundkompetenzen.

Deutschland kann beim dualen Ausbildungssystem und der Beschäftigung junger Menschen weltweit überzeugen. Laut der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2025" ist die berufliche Bildung eine zentrale Stärke des deutschen Bildungssystems. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass viele Schulabsolventen nicht über ausreichende Grundkompetenzen verfügen – Bund und Länder müssen hier dringend gegensteuern.
ZDH: Fehlende Grundkompetenzen früh erkennen
ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke betont, dass junge Menschen nur dann für eine Ausbildung gewonnen und erfolgreich abgeschlossen werden können, wenn ihnen zuvor grundlegendes Wissen und Perspektiven vermittelt werden. Dafür sei nicht nur eine stärkere Berufsorientierung erforderlich, sondern auch ein flächendeckendes Diagnosesystem, das fehlende Grundkompetenzen möglichst früh erkennt und Gegenmaßnahmen ermöglicht.
ZDH: Fehlende Grundkompetenzen schneller erkennen
Nach der OECD-Studie liegen in Deutschland nur rund 10 Prozent der 18- bis 24-Jährigen weder in Bildung noch Beschäftigung – im OECD-Durchschnitt sind es rund 14 Prozent. Auch die Jugendarbeitslosigkeit bleibt mit 2,7 Prozent unter dem OECD-Schnitt. Deutschland steht im internationalen Vergleich besonders gut da, was berufliche Bildung und Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen angeht, so Mareike Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin im BMBFSFJ. Die Studie zeigt jedoch weiterhin deutliche Defizite bei Grundkompetenzen auf.
Mehr junge Erwachsene ohne Abschluss – und gleichzeitig mehr Hochqualifizierte
Laut OECD hat der Anteil der 25- bis 34-Jährigen ohne Fachhochschulreife oder Berufsabschluss in Deutschland inzwischen 15 Prozent erreicht – ein Anstieg um etwa 2 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2019. Parallel stieg der Anteil junger Erwachsener mit einem Hochschul-, Fachhochschul- oder Meisterabschluss von 33 Prozent (2019) auf 40 Prozent (2024). Die OECD warnt, dass die wachsende Kluft bei den Bildungsabschlüssen in Deutschland besonders besorgniserregend sei. Nirgendwo gebe es größere Kompetenzunterschiede zwischen jungen Erwachsenen mit Hochschulabschluss und jenen ohne Sekundarabschluss.
Politik will Nachqualifizierung und Übergänge stärken
Mit Blick auf die wachsende Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss kündigte Wulf an: "Wir werden nachqualifizierende Wege zu einem Berufsabschluss ausbauen und bekannter machen – mit der Standardisierung und dem Ausbau von Teilqualifikationen." Auch der Übergang von Schule zur Ausbildung soll gestärkt werden, etwa durch die Fortführung der "Bildungsketten" und den Ausbau des Berufsorientierungsprogramms, um die berufliche Bildung insgesamt zukunftsfest zu machen.