In Deutschland herrsch Azubi-Mangel. Auch 2013 sind wieder viele Lehrstellen unbesetzt geblieben. Im Handwerk ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge um fünf Prozent gesunken. Die Gründe dafür liegen nicht nur in den sinkenden Schülerzahlen.

Die Arbeitslosenquote ist im Oktober weiter gesunken. Nur noch 2.801.000 Deutsche waren in diesem Monat arbeitslos gemeldet. Damit sank die Quote laut der Bundesagentur für Arbeit dank der Herbstbelebung auf 6,5 Prozent. Obwohl der saisonale Aufschwung im Vergleich zum Vorjahr 2013 niedriger ausfällt, wurden neue Spitzenwerte bei der Erwerbstätigkeit erreicht: Im September wurde zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung Deutschlands die 42 Millionen-Marke überschritten.
Azubi gesucht: Viele Lehrstellen sind noch frei
Doch die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich nicht auf dem Ausbildungsmarkt wider. Denn hier haben die Betriebe zunehmend Probleme ihre Stellen zu besetzen. Und so sinken die Ausbildungsquoten. Ende September gab es das sechste Jahr in Folge mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt noch 33.500 Lehrstellen frei. Ein Plus zum Vorjahr, wie die Partner des Ausbildungspaktes – darunter auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) – melden.
So sinkt auch die Zahl der neuen Ausbildungsverträge, die in Handwerksberufen abgeschlossen wurden. Sie liegt bei 130.600 Ausbildungsverträgen – ein Minus von fünf Prozent. Denn hier machen sich der demographische Wandel und die sinkenden Schülerzahlen eindeutig bemerkbar. Weniger Bewerber und diese neigen immer mehr dazu ein Studium der betrieblichen Ausbildung vorzuziehen, lautet das Resultat der Paktpartner. So werde es in den kommenden Jahren schwerer werden, Abiturienten für die duale Berufsausbildung zu gewinnen.
Ausbildungsbereitschaft grundsätzlich gut, aber ...
Doch so schwierig die Lehrstellenbilanz für die Betriebe im Handwerk ist, sei es nun falsch daraus den Schluss zu ziehen, dass die Bereitschaft auszubilden sinkt. "Die Ausbildungsbereitschaft der kleinen und mittleren Betriebe des Handwerks ist nach wie vor hoch", verteidigt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke die aktuellen Zahlen. So wurden allein in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 31. August rund 17.000 freie Ausbildungsplätze gemeldet. Das sind 2.000 mehr als im Vorjahr.
Ein-Mann-Unternehmen bilden selten aus
Schwierig ist vor diesem Hintergrund jedoch die steigende Zahl der Solo-Selbstständigen, die keine Kapazitäten für die Ausbildung haben. Zwischen 1991 und 2012 ist die Zahl der Solo-Selbständigen nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn in allen Branchen um 82,4 Prozent auf 2,523 Millionen gestiegen. Bei den Solo-Selbstständigen handle es sich um Existenzgründungen, die nicht darauf angelegt sind, mit der Zeit zu einem kleinen oder größeren Unternehmen heranzuwachsen. Sie seien verstärkt in den Bereichen der personenbezogene Dienstleistungen zu finden.
Weniger Schüler, weniger Azubis
Und natürlich wirkt sich der Bewerbermangel durch die sinkenden Schülerzahlen aus. "Die demografischen Entwicklung trifft vor allem kleine Betriebe. Aber sie nehmen den Wettbewerb mit bekannten und finanzstarken Großunternehmen an", sagt Schwannecke und weist auf die zahlreichen Anstrengungen der Betriebe hin. Ausbildungsmessen, Tage der offenen Tür und die Imagekampagne sind Beispiele dafür.
Zahlreiche Unternehmen würden aber auch zunehmend leistungsschwächeren Jugendlichen Chancen geben, melden die Verbände des Ausbildungspakts. Doch für diese Zielgruppe ist der Einstieg in Ausbildung häufig immer noch schwierig. Auch deshalb sei die verstärkte Förderung von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien wichtig. Doch auch schon heute würden viele Handwerksbetriebe eigenständig Nachhilfe organisieren und soziale Unterstützung während der Ausbildung gerade für schwächere Bewerber anbieten, sagt Schwannecke.
Um offene Lehrstellen womöglich doch noch besetzen zu können, haben Arbeitsagenturen, Jobcenter, Kammern und Verbände bereits im Sommer 2013 mit Nachvermittlungsaktionen begonnen. jtw
Arbeitsmarktzahlen
Gesamt
- Arbeitslosenzahl im Oktober: 2.801.000
- Arbeitslosenquote im Oktober: 6,5 Prozent
- Arbeitskräftenachfrage im Oktober: 439.000 offene Arbeitsstellen
- Im Berufsberatungsjahr 2012/2013 wurden den Agenturen für Arbeit und Jobcentern insgesamt 504.500 Ausbildungsstellen gemeldet, etwas weniger als im Vorjahr (-2,4 Prozent).
- Insgesamt meldeten sich 561.200 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle (-0,1 Prozent) im Ausbildungsjahr 2013/2014.
- Ende September waren mit 33.500 etwas mehr Ausbildungsstellen unbesetzt als im Vorjahr. Zugleich gab es mit 21.000 mehr unversorgte Bewerber.
- Die Zahl der Haupt- und Realschulabgänger – Hauptnachfrager nach Ausbildungsplätzen – verzeichnet in diesem Jahr +4,0 Prozent gegenüber 2012.
- Die Zahl der Jugendlichen, die sich bereits in früheren Jahren um eine Ausbildung bemüht haben (Altbewerberinnen und Altbewerber) ist wieder leicht gestiegen (+1,3 Prozent auf 165.800).