Der Medienkonzern Axel Springer konzentriert sich weiter auf den Ausbau seines Internet-Geschäfts. In spätestens sieben Jahren solle etwa die Hälfte des Umsatzes jeweils aus Print und Online erwirtschaftet werden, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin.
Axel Springer setzt weiter aufs Internet
Berlin (dapd). Der Medienkonzern Axel Springer konzentriert sich weiter auf den Ausbau seines Internet-Geschäfts. In spätestens sieben Jahren solle etwa die Hälfte des Umsatzes jeweils aus Print und Online erwirtschaftet werden, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. Die Aktionäre stimmten der von Aufsichtsrat und Vorstand vorgeschlagenen Rekorddividende von 4,80 Euro je Papier zu.
Axel Springer sei hervorragend positioniert, in besonderer Weise im internationalen Wettbewerb, und befinde sich in "historischer Bestform", sagte Döpfner. Die Unternehmensstrategie sei die "digitale Fortsetzung dessen, was der Konzern vor 60 Jahren im Zeitungsgeschäft" geleistet habe: "Wir kaufen oder gründen marktführende Inhalteplattformen und Vermarktungsfirmen." Drittes Standbein sei das erfolgreiche Rubrikengeschäft.
Angst vor "Selbstkannibalisierung" sei an dieser Stelle aber falsch, sagte Döpfner weiter. Es sei besser, selbst im digitalen Geschäft zuzukaufen, als dass es andere täten. "Solange wir online mehr gewinnen, als wir im Printgeschäft verlieren, ist das eine gute Entwicklung."
Der Konzern verdiene sein Geld darüber hinaus nicht mit dem Bedrucken von Papier, sondern mit Inhalten, erklärte der Vorstandschef weiter. "Wir sind Inhalteexperten." Es gebe somit keine Printredakteure mehr, "nur noch Redakteure: Menschen, die ihr Wissen allen Kanälen zur Verfügung stellen."
Beim Ausbau der Online-Strategie setze Springer weiter auf das Ausland. Das Unternehmen sei gerade im vergangenen Jahr internationaler geworden, sagte Döpfner. Ab dem dritten Quartal 2010 kam dem Berliner Konzern hier das Osteuropa-Gemeinschaftsunternehmen mit Ringier zugute. Die Deutschen und das Schweizer Medienhaus bündelten in einem Joint Venture ihre Aktivitäten in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Serbien.
Diese "Hochzeit" habe die Ergebniserwartungen in allen Märkten noch übertroffen, sagte Döpfner. "In der Kombination konnten wir in den Märkten stark werden, in denen wir vorher schwach waren." Das gelte umgekehrt auch für Ringier. Die Zusammenarbeit habe beiden Konzernen in allen fünf Ländern die Marktführerschaft bei Boulevardzeitungen gebracht. "Gleich fünfmal 'Bild' in Osteuropa", sagte Döpfner.
Besonders erfreulich sei die Entwicklung des Aktienwerts, sagte der Springer-Chef. Die jährliche Rendite im Zeitraum 2002 bis 2010 lag im Durchschnitt bei 11,1 Prozent, die jährliche durchschnittliche Ausschüttung bei 89 Millionen Euro. Für 2010 stimmte die Hauptversammlung am Donnerstag der von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossenen Ausschüttung von 157 Millionen Euro zu. Das entspricht einer neuen Rekorddividende von Euro 4,80 Euro je Papier.
Daneben beschloss die Hauptversammlung einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3. An die Stelle jeder Stückaktie mit einem Anteil am Grundkapital von 3,00 Euro treten damit drei Stückaktien zu je 1,00 Euro.
An der Börse wurden die Ankündigungen mit Wohlwollen aufgenommen: Die Axel-Springer-Aktien stiegen gegen den Trend im MDAX um einen halben Prozentpunkt.
Im vergangenen Jahr verdiente Springer operativ so viel wie noch nie: Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stand ein Gewinn von 510,6 Millionen Euro, 53 Prozent mehr als 2009. Wachstumstreiber war dabei vor allem das digitale Geschäft mit einer Einnahmensteigerung von mehr als 50 Prozent. Dagegen gingen die Erlöse aus deutschen Zeitschriften wie "Hörzu" oder "Auto Bild" um 6,1 Prozent zurück, mit Zeitungen wie "Bild" oder "Welt" setzte der Konzern 1,6 Prozent weniger um als 2009. Im internationalen Printgeschäft stiegen die Einnahmen indes um 28,6 Prozent.
Obwohl der Gesamtumsatz des Konzerns dadurch um 10,8 Prozent auf 2,89 Milliarden Euro zulegte, blieb unter dem Strich weniger: Der Gewinn sank gegenüber dem Vorjahr um 12,7 Prozent auf 274,1 Millionen Euro.
dapd
