Der Azubi geht nicht sorgfältig mit Werkzeugen um, reagiert genervt auf zugeteilte Ausgaben und ist unhöflich zu bestimmten Kollegen – aber warum? So ein Verhalten kann ganz verschiedene betriebliche Gründe haben. Wie Ausbilder das Verhalten ihrer Lehrlinge verbessern können, zeigt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Ausbildungsserie.

Aversion bezeichnet die Abneigung oder den Widerwillen. Sie wird auch als Ekel oder Ablehnung bezeichnet. Die Verantwortlichen bemerken das, wenn bei den Lehrlingen nach und nach die Neigung entsteht, auf bestimmte Reize mit Unlust zu reagieren. Dabei kann es sich um jede Art von Reizen handeln. So zum Beispiel gegenüber manchen Tätigkeiten oder im Umgang mit bestimmten Geräten, Maschinen aber auch Gebrauchsgütern. Sigmund Freud meinte dazu: "Das Ich strebt nach Lust, will der Unlust ausweichen."
Auslöser kann auch ein demütigendes, kränkendes oder herabsetzendes Verhalten sein. So beispielsweise das Bloßstellen eines Lehrlings vor anderen. Wer kennt nicht Aussagen wie "Muss ich alles dreimal sagen?", "Hast du keine Ohren?".
Dauerhaft gefühlte seelische Verletzungen, die während der Lehrzeit stattfinden, können eine Abneigung ebenfalls auslösen.
Unter Umständen meckert der Lehrling auch still vor sich hin, wenn ihm eine Aufgabe übertragen wurde. Andere wiederum sind nachlässig oder unzuverlässig bei der Arbeit oder bei den zu erledigenden Tätigkeiten.
Es gibt Fälle, in denen sich die jungen Leute ganz von der Ausbildung abwenden oder versuchen, bestimmten Personen aus dem Weg zu gehen. Daraus kann sich unter Umständen sogar eine Feindseligkeit entwickeln, die sich natürlich negativ auf den Verlauf der Ausbildung und das Betriebsgeschehen auswirkt.
10 Möglichkeiten, warum der Azubi lustlos ist
Für eine Aversion gegen die gesamte Ausbildung gibt es ganz verschiedene Gründe, hier eine kleine Auswahl:
- Unterforderung oder einseitigen Arbeitsabläufe
- Der verantwortliche Geselle ist viel unterwegs, weil er zur Kundschaft fährt.
- Während der Arbeit gibt es oft nicht genügend Zeit für eine Betreuung.
- Probleme mit Autoritätspersonen und Hierarchien im Betrieb
- Schwierigkeiten in Bezug auf die Kommunikation
- der belastete Mangel an Freizeit
- Stress und Zeitdruck in der Arbeit werden zur Belastung.
- Es gibt nicht genug Freiraum, Gestaltungs- und Handlungsspielraum.
- Ein negatives Betriebsklima ist ein hoher Risikofaktor.
- Die falschen Berufsvorstellungen und falsche Berufswahl führen zu Belastungen.
Nach Meinung von Fachleuten handelt sich häufig um Gemengelagen, die möglicherweise auf das Erleben und Verhalten eingewirkt haben. Dabei spielt es eine Rolle, ob etwas gesehen, gehört oder gespürt wurde. Manchmal kann es sich um ein Gefühl handeln oder der betroffene Lehrling macht sich nur so seine Gedanken zu einem bestimmten Sachverhalt.
Was können Ausbilder dagegen unternehmen?
Wenn so ein widerwilliges Verhalten auffällt, hilft in der Regel ein Gespräch in ruhiger Umgebung. Sinnvoll wäre dabei zu klären:
- Worum geht es genau?
- Was ist unser gemeinsames Anliegen?
- Was sind die langfristigen Ziele?
- Arbeiten wir mit einer Mischung aus leichten und schwierigen Aufgaben?
- Wie können wir generell das Problem zusammen lösen?
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.