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Schutzmasken von Wrapping Solutions Autozulieferer steuert in der Corona-Krise um

Statt Innenraumverkleidungen für Pkw produziert Wrapping Solutions in Rosengarten bei Schwäbisch Hall jetzt Schutzmasken, die vor Ansteckung schützen.

In der Krise krempelt das Handwerk die Ärmel hoch. Bei Wrapping Solutions, einem Hersteller von hochwertigem Autointerieur, wurde innerhalb weniger Wochen die Produktion komplett neu ausgerichtet. Seit 23. März surren in der Werkhalle im Ortsteil Uttenhofen die Nähmaschinen, um Mund-/Nasenschutzmasken herzustellen. „Mit dem Beginn einer neuen Serienproduktion möchten wir unseren Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten“, sagt Inhaber Wolfgang Schaller.

Bereits vor mehr als sechs Wochen, als sich in Italien ein Überschwappen der Pandemie von China nach Europa abzeichnete, hat sich der Autosattlermeister dazu entschlossen, eigene Schutzmasken zu entwickeln. Die Voraussetzungen in seinem Betrieb waren dafür ideal. So verfügt das Unternehmen über einen CNC-Cutter, der pro Tag bis zu 40.000 Masken zuschneiden kann.

Wertschöpfungskette im eigenen Haus

„Durch die hohen Anforderungen unserer Kunden in der Autoindustrie sind wir für die aktuellen Herausforderungen bestens gerüstet“, meint Schaller. Sein Unternehmen sei einer der wenigen Zulieferer von Pkw-Innenraumausstattung, die noch in Deutschland produzieren. „Dass wir die komplette Wertschöpfungskette im eigenen Haus haben, zahlt sich jetzt aus. Deshalb können wir im großen Stil rasche Hilfe bieten“, betont Schaller.

Wolfgang Schaller

Zwei verschiedene Masken werden bei Wrapping Solutions produziert. Das eingesetzte Material, ein Polyprophylenvlies, werde nach ISO 9001:2015, Öko-Tex Standard 100 von einem deutschen Lieferanten zugeliefert. Die Standardmaske bietet Schutz vor Tröpfcheninfektionen bei grippalen Infekten und viralen Ansteckungskrankheiten. Sie kostet knapp 3,50 Euro pro Stück im Zehnerpack und 2,13 Euro pro Stück bei Abnahme von 1.000 Masken. Außerdem gibt es Packungen mit 50 und 100 Stück.

Die zweite Schutzmaske im Portfolio ist zweilagig mit einer Tasche für einen Filter mit Kupferbeschichtung, der stark gegen resistente Bakterien, Keime und Viren wirkt. Der Zehnerpack kostet 37,19 Euro. Die Filter, die spätestens nach acht Stunden ge­­wechselt werden sollten, gibt es für 113,65 Euro im Hunderterpack. Alle Preise verstehen sich inklusive Versand innerhalb Deutschlands.

Alle Masken können bis zu 50 Mal im Schonwaschgang bei 60 Grad gereinigt, der Filter ein- bis zweimal abgewaschen werden. Das verbessert nicht nur die CO2-Bilanz. „Da die Maske kein Einwegprodukt ist, relativiert sich auch der Preis. Die Standardmaske aus dem Zehnerpack käme demnach sieben Cent pro Einsatz“, sagt Wolfgang Schaller.

In neue Nähmaschinen investiert

Um die Produktion allmählich hochzufahren, wurden zusätzlich 20 Schnellnähmaschinen angeschafft. Parallel wurde der Vertrieb aufgebaut und ein Webshop eingerichtet. Bis Anfang Mai könnte Wrapping Solutions die Produktion auf bis zu 28.000 Stück pro Tag steigern.

Denn der Bedarf ist riesig. Bis Ende März war die Zahl der Infizierten in Deutschland nach Angaben der Johns Hopkins Universität auf deutlich über 60.000 nach oben geschnellt – trotz der Ausgangsbeschränkungen. Wolfgang Schaller berichtet von einem Hilferuf, der von einem norddeutschen Altenheim bei ihm einging: „Die Leitung berichtete mir, dass wegen fehlender Atemschutzmasken die Pfleger selbst Masken aus Baumwolltüchern nähen, um sich und die zu betreuenden Senioren zu schützen. Das hat mich zutiefst ge­schockt.“

Mitarbeiter gesucht

Schaller setzt seither alle Hebel in Bewegung, um auch seine Mannschaft aufzustocken. Denn im Zuge der Krise in der Automobilindustrie musste er seine Belegschaft von 37 Mitarbeiter auf 20 reduzieren. Einige von den Entlassenen sind inzwischen wieder zurück. Aber Schaller sucht weiter, vor allem Näherinnen.

Nach einem Aufruf über WhatsApp hätten sich mehrere hundert Interessenten ge­meldet. „Viele Menschen wollen helfen, andere haben Angst vor Arbeitslosigkeit. Aktuell brauchen wir vor allem Leute mit guten feinmotorischen Fähigkeiten, die an der Nähmaschine schnell angelernt werden können. Zudem benötigen wir Mitarbeiter in Arbeitsvorbereitung, Verwaltung, Verpackung und Versand. Wir wollen Menschenleben retten, deshalb zählt jetzt jeder Tag“, sagt Schaller.

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