Überproduktion in der Autoindustrie Autobranche in der Restwertfalle

Der Trend geht zu immer mehr taktischen Zulassungen durch Überproduktion der Pkw-Hersteller. Doch das birgt große Risiken.

Ulrich Steudel

Wie neu: Fahrzeuge mit Kurzzeit-Zulassung sind beliebt bei den Kunden. In der Folge sinken die Restwerte, was für die Auto­branche große Risiken birgt. - © Foto: Kfz-Gewerbe

Vor einem gigantischen Wertverlust durch die Überproduktion in der Autoindustrie warnt der Branchendienstleister Schwacke. Eine Studie beziffert das Risiko durch sinkende Fahrzeug-Restwerte für die Pkw-Hersteller allein in Deutschland auf bis zu 428 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren. Betroffen sind nicht nur die Hersteller selbst. Denn das Problem macht vor dem Kfz-Gewerbe nicht Halt.

Kurzzeit-Zulassungen übersteigen 50 Prozent-Marke

Nach Angaben des Schwacke-Mutterkonzerns Eurotax-Glass’s haben die Pkw-Hersteller allein zwischen 2012 und 2013 die Zahl der taktischen Zulassungen um bis zu 18,5 Prozent gesteigert. Spitzenreiter war Nissan, gefolgt von Renault und Dacia. Aber auch Audi steht mit 12,9 Prozent in der Spitzengruppe.

Bei manchen Marken übersteige die Quote der Kurzzeit-Zulassungen an den gesamten Zulassungszahlen bereits die 50-Prozent-Marke. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres waren laut Studie 40 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in Deutschland auf das Kurzzeitgeschäft der Hersteller mit Tageszulassungen, Vorführ- und Mietwagen zurückzuführen.

Diese Fahrzeuge, die nach wenigen Wochen oder Monaten weiterveräußert werden, stellen für viele private Käufer eine beliebte Alternative zum Neuwagen dar, was den Druck auf das Neuwagengeschäft zusätzlich erhöht. Uwe Trautmann, Sprecher des bayrischen Kfz-Gewerbes, geht davon aus, dass in Einzelfällen sogar bis zu zwei Drittel aller Fahrzeuge eines Händlers nach einer Kurzzeit-Zulassung verkauft werden.

Rückläufiger europäischer Markt

Nach Angaben von Dataforce wurden zum Beispiel im August 66,4 Prozent der 1.972 zugelassenen Autos der Marke Honda auf den Hersteller oder einen Händler angemeldet. Seit Jahresbeginn lag die Quote bei Honda immerhin noch bei 45,6 Prozent. Ähnliche Werte verzeichnen Alfa Romeo, Fiat, Subaru oder Citroën.

Die Ursache für den Trend zu taktischen Zulassungen sieht Schwacke in dem seit sechs Jahren rückläufigen europäischen Markt. Um ihre Werke auszulasten, würden die Autokonzerne mehr Fahrzeuge produzieren, als sich bei sinkender Nachfrage absetzen lassen.

Hinter den Erfolgszahlen der Autoindustrie über neue Absatzrekorde verbergen sich auch die Kurzzeit-Zulassungen, zu denen Händler gedrängt werden, geködert von Kostenzuschüssen durch die Hersteller. Laut Schwacke wirken sich die Kurzzeit-Zulassungen schon nach wenigen Monaten auf den Restwert aus. Die Hersteller sollten ihr Verhalten überprüfen, um längerfristig nicht in eine Finanzierungsfalle zu geraten, die auch das Kfz-Gewerbe bedrohen würde.