BMW sorgt mit seinem neuen i3 schon vor der Premiere für Schlagzeilen. Einerseits wird das Elektroauto zu einem Kampfpreis angeboten, andererseits schlägt BMW neue Vertriebswege ein, die beim Kfz-Handwerk für Ärger sorgen.
Ulrich Steudel
Am 29. Juli soll der BMW i3 gleichzeitig in New York, London und Peking seine Weltpremiere erleben. In Deutschland wird er ab November zu haben sein, aber die meisten BMW-Händler bleiben außen vor. Denn BMW will sein erstes rein elektrisch betriebenes Serienfahrzeug vor allem über das Internet verkaufen. Zudem wurden nur 14 von rund 570 BMW-Händlern sowie rund 33 freie Händler ausgewählt, die den BMW i3 als so genannte „BMW i Agenten“ anbieten dürfen. Im Kfz-Handwerk regt sich Protest.
Via Internet am Kfz-Handel vorbei
Uwe Trautmann, Sprecher des bayrischen Kfz-Gewerbes: „Es kann nicht sein, dass Hersteller ihre Fahrzeuge am Handel vorbei zu einem günstigeren Preis anbieten.“ Laut Trautmann würde sich die Autoindustrie selbst schaden, denn sie zerstöre damit die Händlerstruktur. BMW-Vertriebschef Roland Krüger hatte gegenüber der „Wirtschaftswoche“ angedeutet, dass er sich vorstellen könne, künftig alle Modelle neben dem Weg über die Händler auch via BMW-Online-Shop im Internet anzubieten.
Provision statt Gewinnmarge
Beim BMW i3 wird erstmals im deutschen Autohandel der Hersteller zum Verkäufer. Laut Uwe Trautmann funktioniert das wie bei den Tankstellen, wo die Pächter von der Preisbildung ausgeschlossen sind. Die „BMW i Agenten“ leben von einer Provision, statt von den Gewinnmargen, die sie bei der Preisbildung selbst beeinflussen können. Das muss kein Nachteil sein, denn viele Autohändler stöhnen unter dem wirtschaftlichen Druck des Marktes.
Seite 2: BMW i3 soll deutlich billiger als der Opel Ampera sein
auto Der neue BMW i3Der neue BMW i3 wird im November zu einem Preis von 34.950 Euro auf den deutschen Markt kommen. Das hat Vorstandsmitglied Ian Robertson gestern angekündigt. Damit wäre der i3 nicht viel teuer als ein konventioneller 3er, aber deutlich billiger als zum Beispiel der Opel Ampera, das Elektroflaggschiff von General Motors.
Beim Vertrieb seiner Elektrofahrzeuge orientiert sich BMW stark an der Computerbranche. Wie Apple bei i-Pad oder i-Phone hat sich BMW von i1 bis i9 alle Markenrechte gesichert. Die Marke „BMW i“ steht laut Robertson für „ein neues Verständnis von Premium, das sich stark an Nachhaltigkeit orientiert“. „BMW i“ definiere die individuelle Mobilität neu.
Premiummarken kein Statussymbol mehr
Damit könnte BMW auf einen Trend reagieren. Denn unter Jugendlichen hat das Auto längst nicht mehr jenen Stellenwert, den es in der deutschen Gesellschaft seit dem Wirtschaftswunder gewonnen hat: Das Auto als Statussymbol. Künftige Generationen könnten dagegen nicht mehr mit der Premiummarke prahlen wollen, sondern das Auto eher als Fortbewegungsmittel sehen. Selbst Uwe Trautmann vom Kfz-Gewerbe kann sich ein solches Szenario vorstellen: „Dann verkaufen wir keine Autos mehr, dann verkaufen wir Mobilität.“ Aber noch ist es nicht so weit.

