Ausgehend von einer zunehmend protektionistischen Politik durchläuft die Welt derzeit einen massiven Wandel. Entsprechend schwierig ist der wirtschaftliche Ausblick auf das kommende Jahr. Anleger sollten ihr Portfolio deshalb wetterfest aufstellen.

Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten war die Unsicherheit in der Welt so groß wie aktuell. Das lässt sich gut am Economic Policy Uncertainty Index ablesen, der in diesem Jahr einen historischen Höchststand erreicht hat. "Das kann auch kaum verwundern", sagt Prof. Hartwig Webersinke von der TH Aschaffenburg, "denn wir haben es derzeit ausgehend von der Handelspolitik der USA mit einer neuen Weltordnung zu tun."
Folgen der US-Zollpolitik
So lag der durchschnittliche Zollsatz der USA beim Amtsantritt von Donald Trump noch bei rund 2,5 Prozent, inzwischen sind es 13,5 Prozent. "Zölle sind aber nichts anderes als eine Steuer auf Importe", sagt Prof. Webersinke. "Und diese Abkehr von der internationalen Arbeitsteilung hin zum Protektionismus führt zu Wohlstandsverlusten."
Offen ist aber dennoch, wie sich die Zollpolitik auf die Inflation und das Wirtschaftswachstum konkret auswirkt. Denn aktuell halten sich die Folgen noch in Grenzen. "Es ist davon auszugehen, dass wir die gesamte Wirkung der Zollpolitik erst im kommenden Jahr sehen werden", sagt Burkhard Wagner, Vorstand der Partners Vermögensmanagement AG in München. "Deshalb haben es Anleger derzeit mit einem recht komplexen Umfeld zu tun."
Inflationsrisiken und Wachstumsbremsen
Eines ist nach Ansicht von Prof. Webersinke aber sicher: "Die protektionistischen Maßnahmen stellen mit Blick auf das kommende Jahr ein Inflationsrisiko dar." Zudem sei künftig ein schwächeres Wachstum zu erwarten. "Der Internationale Währungsfonds rechnet mit nur durchschnittlich drei Prozent für die kommenden fünf Jahre", sagt er weiter.
Dazu kommen weitere Unsicherheiten wie geopolitische Risiken, die zunehmende Staatsverschuldung in der Welt oder die nicht mehr ganz günstige Bewertung der Aktienmärkte. "Es ist nicht auszuschließen, dass es ausgehend vom Technologiesektor, wenn hier einer der großen Player die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt, zu einer Korrektur am Markt kommt", so Wagner.
Keine Panikreaktionen für Anleger
Dennoch warnt Wagner vor panikartigen Reaktionen. "Anleger sollten sich im aktuellen Umfeld nicht zu einseitig positionieren", sagt er. "Ich kann nur davon abraten, sich zu stark auf den Technologiesektor zu fokussieren oder diesen – im Gegenteil – ganz aus dem Portfolio zu werfen und nur auf defensive Investments zu setzen oder gar ganz aus dem Markt zu gehen."
Zwar könnte das Gewicht des Technologiesektors, der in vielen Portfolios ein starkes Übergewicht bekommen haben dürfte, etwas abgebaut werden. "Insgesamt rate ich aber zu einer breiten Diversifikation im Aktienbereich und der Berücksichtigung weiterer Anlageklassen", sagt Wagner.
Bedeutung von Flexibilität und Sachwerten
Auf jeden Fall ist es nach Ansicht von Prof. Webersinke wichtig, zum Beispiel durch aktives Management flexibel zu bleiben und Sachwerte im Portfolio zu berücksichtigen. "Denn in einem inflationären Umfeld bieten Aktien, Immobilien und Gold historisch die besten Renditechancen", so der Experte.
Breite Diversifikation und alternative Anlagen
Dazu rät Wagner zu Unternehmens- oder Staatsanleihen guter Bonität als Stabilisator sowie zu alternativen Anlagen, die sich zum Kapitalmarkt unkorreliert entwickeln. Zudem könnte Gold bei Verwerfungen am Markt Schutz bieten, ebenso wie Silber, das zusätzlich von der industriellen Nachfrage und hier vor allem von der Energiewende profitiert. Außerdem rät er Anlegern, eine Cash-Position aufzubauen. "Im Fall einer Korrektur bietet das die Möglichkeit, nachzukaufen", so Wagner. "Und wer noch gar nicht investiert ist, sollte sein Geld besser in mehreren Tranchen zeitlich gestaffelt anlegen."
Chancen für bestehende Anleger
Wer dagegen bereits investiert ist, sollte unbedingt dabei bleiben. "Der Einsatz von KI wird auch in anderen Branchen die Kosten reduzieren und für mehr Produktivität sorgen", sagt Wagner. "Langfristig werden Qualitätsaktien auch deshalb weiter steigen." Für attraktiv hält er derzeit außerdem Aktien aus den Schwellenländern sowie europäische Nebenwerte, vor allem, wenn es Deutschland gelingt, seine Konjunktur anzuschieben.
Transformation als Quelle neuer Potenziale
Und auch Webersinke sieht trotz des unsicheren Umfeldes Chancen. "Die Welt befindet sich hinsichtlich Digitalisierung oder der Energieerzeugung in einer Transformation", erklärt er. "Damit ergibt sich bei neuen Geschäftsmodellen oder in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz ein gewaltiges Potenzial."
Ausblick: Chancen trotz Unsicherheit
Dazu kommt, dass die kurzfristigen Zinsen in den USA erst einmal weiter sinken. "Auch das wird den Aktienmarkt unterstützen", folgert Webersinke. Es bieten sich also – trotz der enormen Unsicherheit – auch Chancen. Wer in diesem Umfeld breit streut und flexibel bleibt, kann mögliche Kurseinbrüche besser überstehen und sich bietende Gelegenheiten nutzen.
Wie sollten sich Anleger für 2026 positionieren?
Selten waren Anleger mit einem solch hohen Maß an Unsicherheit konfrontiert wie aktuell. Entsprechend raten Anlageprofis dazu, ein möglichst breit gestreutes Portfolio bestehend aus Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, Rohstoffen wie Gold und Silber aber auch Cash, um in stärkeren Korrekturphasen nachkaufen zu können. In einem ausgewogenen und breit gestreuten Portfolio kommen Aktien auf einen Anteil von rund 50 Prozent, Anleihen auf 20 bis 30 Prozent, sowie jeweils rund zehn Prozent Rohstoffe und Barmittel.
Im Aktienbereich eignet sich als Basisanlage ein Exchange Traded Fund (ETF) auf den MSCI World, der die nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen aus den Industriestaaten enthält. Dieser kann durch einen ETF oder einen aktiv gemanagten Fonds auf Nebenwerte sowie auf die Emerging Markets ergänz werden. Es besteht aber auch die Alternative auf einen Index wie den MSCI All Country World oder FTSE All-World zu setzen, die breiter aufgestellt sind und beispielsweise auch die Schwellenländer umfassen.
Ein Investment in den MSCI World lässt sich mit dem Xtrackers MSCI World ETF (ISIN: IE00BJ0KDQ92) oder dem Deka MSCI World ETF (DE000ETFL50) umsetzen. Ergänzt werden könnte dies durch den Amundi MSCI Emerging Markets (LU1681045370), den Xtrackers MSCI Emerging Markets (LU2675291913) oder den Nebenwerte-ETF iShares MSCI World Small Cap (IE00BF4RFH31). Wer mit nur einem Produkt möglichst breit investieren will, kann das mit dem der Amundi MSCI All Country World (LU1829220216) oder dem Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25) tun.
Im Anleihebereich bieten sich Unternehmens- wie auch Staatsanleihen bester Bonität an, um das Portfolio zu stabilisieren. Ein Beispiel für ein Investment in Unternehmensanleihen aus dem sogenannten Investment-Grade-Bereich, also mit hoher Bonität, ist der iShares Euro Corporate Bond (IE00B3F81R35), für sichere Staatsanleihen kann der iShares Euro Government Bond 7-10yr (IE00B1FZS798) genutzt werden. Gold wiederum lässt sich durch den physisch hinterlegten Xetra Gold ETC (DE000A0S9GB0) abbilden, eine Silber-Position durch den WisdomTree Physical Silver (JE00B1VS3333).
Wer sich im Rohstoffbereich breiter aufstellen möchte, kann alternativ den iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (IE00BDFL4P12) nehmen. Für die Cash-Position bietet sich Tagesgeld oder ein Geldmarkt-ETF wie der Amundi Smart Overnight Return ETF (LU1190417599) an, da das Geld schnell und jederzeit verfügbar sein sollte. Auf diese Weise entsteht ein breit gestreutes Portfolio, mit dem Anleger gut durch die aktuell unsicheren Zeiten kommen sollten, zugleich aber langfristig trotzdem einen Wertzuwachs erzielen können.