In welchem Gewerk erhalten Auszubildende die höchste Ausbildungsvergütung und wo stehen die Handwerksberufe im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen? Diese Frage beantwortet das Bundesinstitut für Berufsbildung jedes Jahr aufs Neue. In der jüngsten Auswertung bilden Handwerksberufe die Spitze und das Schlusslicht im Ranking.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat ausgewertet, wie hoch die tarifliche Ausbildungsvergütung 2022 in verschiedenen Branchen war. Dabei wurden 171 Berufe in West- und 111 Berufe in Ostdeutschland zum Stand 1. Oktober 2022 analysiert. Der Durchschnittswert zeigt die Vergütung über alle Ausbildungsjahre. Im Ranking vertreten: 44 Ausbildungen im Bereich des Handwerks. Diese sind sowohl an der Spitze als auch am Ende der Tabelle zu finden.
Zimmerer-Azubis verdienen am besten
2022 konnten die Zimmerer ihren ersten Platz vom letzten Jahr verteidigen. Mit einer gesamtdeutschen durchschnittlichen Ausbildungsvergütung von 1.254 Euro brutto im Monat arbeiteten sie für mehr Geld als ihre Kollegen in anderen Gewerken. Ebenfalls weit vorne angesiedelt: Maurer (1.209 Euro/Monat), Gerüstbauer (1.201 Euro/Monat) und Rohrleitungsbauer (1.192 Euro/Monat).
Allgemein stieg die tarifliche Ausbildungsvergütung in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent. Der Durchschnittswert aller Berufe knackte mit 1.028 Euro das erste Mal den vierstelligen Bereich. Insgesamt landete bei etwa 60 Prozent der Auszubildenden, die in einem tarifgebundenen Betrieb lernten, eine Vergütung von mehr als 1.000 Euro im Monat auf dem Konto. Im Handwerk liegen nur 27 Prozent aller Lehrlinge über dieser Grenze.
Handwerksbranche mit der niedrigsten Ausbildungsvergütung
Für 19 Berufe wurde ein bundesweiter Durchschnittswert von weniger als 850 Euro brutto im Monat ermittelt. 14 dieser Berufe gehörten zum Handwerk, z. B. Maler und Lackierer (848 Euro/Monat), Bäcker (782 Euro/Monat), Schornsteinfeger (723 Euro/Monat) oder Friseur (657 Euro/Monat). Mit der niedrigsten tariflichen Ausbildungsvergütung von 652 Euro brutto im Monat mussten Orthopädieschuhmacher in Ausbildung auskommen. Insgesamt erhielten 38 Prozent aller Handwerks-Lehrlinge eine Vergütung von weniger als 850 Euro brutto im Monat.
Zwischen den Wirtschaftsbereichen unterschieden sich die Ausbildungsvergütungen ebenfalls deutlich. Am schlechtesten schnitt das Handwerk ab. Die höchste Ausbildungsvergütung wurde Azubis im öffentlichen Dienst gezahlt.
| Ausbildungsbereiche | Durchschnittliche Ausbildungsvergütung brutto pro Monat |
| 1. Öffentlicher Dienst | 1.114 Euro |
| 2. Industrie und Handel | 1.081 Euro |
| 3. Hauswirtschaft | 1.034 Euro |
| 4. Landwirtschaft | 1.002 Euro |
| 5. freie Berufe | 946 Euro |
| 6. Handwerk | 930 Euro |
Unterschiedliche Vergütung in West- und Ostdeutschland
Die Ausbildungsvergütungen des Handwerks erhöhten sich von 2021 auf 2022 überdurchschnittlich um 5,6 Prozent. Es bestehen allerdings weiterhin größere Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Die westdeutschen Vergütungen waren etwa zehn Prozent höher. Aufgrund der hohen Inflation mussten die Auszubildenden trotz der Rekord-Ausbildungsvergütung Reallohnverluste hinnehmen. Insbesondere bei Tarifabschlüssen zu Beginn des Jahres bzw. aus den Vorjahren, in denen Tariferhöhungen für 2022 vereinbart wurden, konnte laut BIBB die Entwicklung der Preise noch nicht berücksichtigt werden. tb
| Berufsbezeichnung | Durchschnittliche Ausbildungsvergütung brutto pro Monat |
| 1.Zimmerer/Zimmerin | 1.254 Euro |
| 2. Maurer/-in | 1.209 Euro |
| 3. Gerüstbauer/-in | 1.201 Euro |
| 4. Beton- und Stahlbetonbauer/-in | 1.198 Euro |
| 4. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in | 1.198 Euro |
| 4. Stuckateur/-in | 1.198 Euro |
| 7. Straßenbauer/-in | 1.193 Euro |
| 8. Ausbaufacharbeiter/-in | 1.064 Euro |
| 9. Hochbaufacharbeiter/-in | 1.054 Euro |
| 10.Tiefbaufacharbeiter/-in | 1.052 Euro |
| 11. Gebäudereiniger/-in | 1.020 Euro |
| 12. Dachdecker/-in | 1.017 Euro |
| 13. Fleischer/-in | 987 Euro |
| 14. Steinmetz/-in und Steinbildhauer/-in (alle Fachrichtungen) | 981 Euro |
| 15. Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (alle Schwerpunkte) | 967 Euro |
| 16. Zweiradmechatroniker/-in (alle Fachrichtungen) | 958 Euro |
| 17. Feinwerkmechaniker/-in | 942 Euro |
| 18. Kaufmann/-frau für Büromanagement | 941 Euro |
| 19. Fahrzeuglackierer/-in | 939 Euro |
| 20. Automobilkaufmann/-frau | 938 Euro |
| 21. Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik | 934 Euro |
| 22. Elektroniker/-in (alle Fachrichtungen) | 925 Euro |
| 23. Informationselektroniker/-in | 901 Euro |
| 24. Metallbauer/-in (alle Fachrichtungen) | 895 Euro |
| 25. Technische/-r Modellbauer/-in (alle Fachrichtungen)1 | 891 Euro |
| 26. Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in | 874 Euro |
| 27. Mechatroniker/-in für Kältetechnik | 867 Euro |
| 28. Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik | 865 Euro |
| 29. Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/-in | 853 Euro |
| 30. Tischler/-in | 851 Euro |
| 31. Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) | 848 Euro |
| 32. Glaser/-in (alle Fachrichtungen) | 843 Euro |
| 33. Bestattungsfachkraft | 822 Euro |
| 34. Bauten- und Objektbeschichter/-in | 817 Euro |
| 35. Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (alle Schwerpunkte) | 813 Euro |
| 36. Augenoptiker/-in | 796 Euro |
| 37. Bäcker/-in | 782 Euro |
| 38. Bodenleger/-in | 755 Euro |
| 39. Raumausstatter/-in | 751 Euro |
| 40. Schilder- und Lichtreklamehersteller/-in | 741 Euro |
| 41. Parkettleger/-in | 740 Euro |
| 42. Schornsteinfeger/-in | 723 Euro |
| 43. Friseur/-in | 657 Euro |
| 44. Orthopädieschuhmacher/-in | 652 Euro |