Ausbildungsvergütung 2022 Rekordjahr: So viel verdienten Azubis 2022 im Handwerk

In welchem Gewerk erhalten Auszubildende die höchste Ausbildungsvergütung und wo stehen die Handwerksberufe im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen? Diese Frage beantwortet das Bundesinstitut für Berufsbildung jedes Jahr aufs Neue. In der jüngsten Auswertung bilden Handwerksberufe die Spitze und das Schlusslicht im Ranking. 

Wieder auf Platz eins: Zimmerer-Lehrlinge erhalten die durchschnittlich höchste Ausbildungsvergütung. - © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat ausgewertet, wie hoch die tarifliche Ausbildungsvergütung 2022 in verschiedenen Branchen war. Dabei wurden 171 Berufe in West- und 111 Berufe in Ostdeutschland zum Stand 1. Oktober 2022 analysiert. Der Durchschnittswert zeigt die Vergütung über alle Ausbildungsjahre. Im Ranking vertreten: 44 Ausbildungen im Bereich des Handwerks. Diese sind sowohl an der Spitze als auch am Ende der Tabelle zu finden.

Zimmerer-Azubis verdienen am besten

2022 konnten die Zimmerer ihren ersten Platz vom letzten Jahr verteidigen. Mit einer gesamtdeutschen durchschnittlichen Ausbildungsvergütung von 1.254 Euro brutto im Monat arbeiteten sie für mehr Geld als ihre Kollegen in anderen Gewerken. Ebenfalls weit vorne angesiedelt: Maurer (1.209 Euro/Monat), Gerüstbauer (1.201 Euro/Monat) und Rohrleitungsbauer (1.192 Euro/Monat).

Allgemein stieg die tarifliche Ausbildungsvergütung in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent. Der Durchschnittswert aller Berufe knackte mit 1.028 Euro das erste Mal den vierstelligen Bereich. Insgesamt landete bei etwa 60 Prozent der Auszubildenden, die in einem tarifgebundenen Betrieb lernten, eine Vergütung von mehr als 1.000 Euro im Monat auf dem Konto. Im Handwerk liegen nur 27 Prozent aller Lehrlinge über dieser Grenze.

Handwerksbranche mit der niedrigsten Ausbildungsvergütung

Für 19 Berufe wurde ein bundesweiter Durchschnittswert von weniger als 850 Euro brutto im Monat ermittelt. 14 dieser Berufe gehörten zum Handwerk, z. B. Maler und Lackierer (848 Euro/Monat), Bäcker (782 Euro/Monat), Schornsteinfeger (723 Euro/Monat) oder Friseur (657 Euro/Monat). Mit der niedrigsten tariflichen Ausbildungsvergütung von 652 Euro brutto im Monat mussten Orthopädieschuhmacher in Ausbildung auskommen. Insgesamt erhielten 38 Prozent aller Handwerks-Lehrlinge eine Vergütung von weniger als 850 Euro brutto im Monat.

Zwischen den Wirtschaftsbereichen unterschieden sich die Ausbildungsvergütungen ebenfalls deutlich. Am schlechtesten schnitt das Handwerk ab. Die höchste Ausbildungsvergütung wurde Azubis im öffentlichen Dienst gezahlt.

AusbildungsbereicheDurchschnittliche Ausbildungsvergütung brutto pro Monat
1. Öffentlicher Dienst1.114 Euro
2. Industrie und Handel1.081 Euro
3. Hauswirtschaft1.034 Euro
4. Landwirtschaft1.002 Euro
5. freie Berufe946 Euro
6. Handwerk930 Euro
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung

Unterschiedliche Vergütung in West- und Ostdeutschland

Die Ausbildungsvergütungen des Handwerks erhöhten sich von 2021 auf 2022 überdurchschnittlich um 5,6 Prozent. Es bestehen allerdings weiterhin größere Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Die westdeutschen Vergütungen waren etwa zehn Prozent höher. Aufgrund der hohen Inflation mussten die Auszubildenden trotz der Rekord-Ausbildungsvergütung Reallohnverluste hinnehmen. Insbesondere bei Tarifabschlüssen zu Beginn des Jahres bzw. aus den Vorjahren, in denen Tariferhöhungen für 2022 vereinbart wurden, konnte laut BIBB die Entwicklung der Preise noch nicht berücksichtigt werden. tb

BerufsbezeichnungDurchschnittliche Ausbildungsvergütung brutto pro Monat
1.Zimmerer/Zimmerin1.254 Euro
2. Maurer/-in1.209 Euro
3. Gerüstbauer/-in1.201 Euro
4. Beton- und Stahlbetonbauer/-in1.198 Euro
4. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in1.198 Euro
4. Stuckateur/-in1.198 Euro
7. Straßenbauer/-in1.193 Euro
8. Ausbaufacharbeiter/-in1.064 Euro
9. Hochbaufacharbeiter/-in1.054 Euro
10.Tiefbaufacharbeiter/-in1.052 Euro
11. Gebäudereiniger/-in1.020 Euro
12. Dachdecker/-in1.017 Euro
13. Fleischer/-in987 Euro
14. Steinmetz/-in und Steinbildhauer/-in (alle Fachrichtungen)981 Euro
15. Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (alle Schwerpunkte)967 Euro
16. Zweiradmechatroniker/-in (alle Fachrichtungen)958 Euro
17. Feinwerkmechaniker/-in942 Euro
18. Kaufmann/-frau für Büromanagement941 Euro
19. Fahrzeuglackierer/-in939 Euro
20. Automobilkaufmann/-frau938 Euro
21. Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik934 Euro
22. Elektroniker/-in (alle Fachrichtungen)925 Euro
23. Informationselektroniker/-in901 Euro
24. Metallbauer/-in (alle Fachrichtungen)895 Euro
25. Technische/-r Modellbauer/-in (alle Fachrichtungen)1891 Euro
26. Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in874 Euro
27. Mechatroniker/-in für Kältetechnik867 Euro
28. Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik865 Euro
29. Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/-in853 Euro
30. Tischler/-in851 Euro
31. Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen)848 Euro
32. Glaser/-in (alle Fachrichtungen)843 Euro
33. Bestattungsfachkraft822 Euro
34. Bauten- und Objektbeschichter/-in817 Euro
35. Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (alle Schwerpunkte)813 Euro
36. Augenoptiker/-in796 Euro
37. Bäcker/-in782 Euro
38. Bodenleger/-in755 Euro
39. Raumausstatter/-in751 Euro
40. Schilder- und Lichtreklamehersteller/-in741 Euro
41. Parkettleger/-in740 Euro
42. Schornsteinfeger/-in723 Euro
43. Friseur/-in657 Euro
44. Orthopädieschuhmacher/-in652 Euro
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung